Wer in die schönsten Tage des Jahres starten möchte, kann alles gebrauchen – aber nicht einen Ausfall oder eine Verlegung des gebuchten Urlaubsfluges. Doch so selten ist das nicht. Unlängst gab es bei TUIfly und Air Berlin etliche kurzfristige Flugabsagen, weil sich das Personal in Massen krank meldete und die Maschinen deshalb nicht abheben konnten. Urlauber können zwar nicht den Ärger vermeiden, der damit verbunden ist – ihnen stehen aber rechtliche Wege offen, um zumindest einen Teil der Reisekosten wegen der Unannehmlichkeiten rückerstattet zu bekommen. Teilweise geht es dabei um Hunderte von Euro.

Tipp 1: Es gibt klare Entschädigungsregeln

Pauschalreisende können sich pro Passagier auf 250 bis maximal 600 Euro Entschädigung freuen, wenn es Probleme bei ihrer Flug-Reise gibt, sie ihre Buchung vorab bestätigt haben und pünktlich am Check-in-Schalter waren. Die Höhe der Entschädigung hängt davon ab, wie groß die Flug-Entfernung ist und wie massiv die Verzögerung ausfällt. Und es spielt keine Rolle, wie teuer der Flug war. Wie sieht das im Einzelnen aus? Ist der Flug mehr als drei Stunden zu spät dran, gibt es bei Distanzen bis zu 1500 Kilometern 250 Euro, bei bis zu 3500 Kilometer Entfernung sind es 400 Euro, darüber hinaus gibt es 600 Euro. Wer eine Anschluss-Verbindung verpasst, weil der erste Flug verspätet war, hat meist ebenfalls einen Anspruch auf Entschädigung.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat zudem inzwischen klare und sehr enge Entschädigungs-Regeln zugunsten der Passagiere aufgestellt, wenn eine Airline einen Flug kurzfristig annulliert, den Mitflug bei einer anderen Fluggesellschaft anbietet und es dabei zu Verzögerungen kommt (Az. X ZR 73/16). In dem konkreten Fall ging es um eine geplante Reise der Kläger von Frankfurt aus zunächst nach Singapur und dann weiter nach Sydney. Singapore Airlines strich die gebuchte Verbindung und bot eine Alternative an. Dieser Ersatzflug verzögerte sich aber um 16 Stunden, und die Kläger erreichten Sydney erst nach insgesamt 23-stündiger Verspätung.

Das zuständige Amtsgericht hatte zunächst den Verantwortlichen für den Ersatzflug, die Lufthansa, in die Pflicht nehmen wollen. Für die Karlsruher Richter war es wie für die Berufungsinstanz allerdings klar, dass Singapore Airlines entschädigen muss. Und: Die zumutbare Verspätungs-Schmerzgrenze liegt für den BGH bei maximal zwei Stunden Verzögerung im Vergleich zur ursprünglich gebuchten Ankunftszeit. Den Klägern wurden jeweils 600 Euro Entschädigung zugesprochen.

Mitunter müssen Gerichte bei der Berechnung der Entschädigung schwer ins Detail gehen. Beispielsweise bei der Frage nach der Flugstrecke, die ja die Höhe der Entschädigung festlegt. Das Amtgericht Hamburg stand vor der Frage zu entscheiden, welche Distanz zugrunde zu legen ist, wenn eine Flugreise aus zwei Flügen besteht, von denen lediglich der zweite annulliert wird. Die Richter der Hansestadt sagten: Der Urlauber muss für die gesamte Strecke entschädigt werden - sofern es sich um eine einheitliche Buchung handelt (Az 32 C 199/16).

In dem Fall wollten die Kläger von Miami über Manchester nach Hamburg fliegen. Die Maschine von Florida nach Großbritannien hob zwar pünktlich ab, doch ein Weiterkommen nach Deutschland gab es nicht, weil der Flug annulliert wurde. Die Kläger verlangten jeweils 600 Euro Ausgleichszahlung, weil die Entfernung zwischen Miami und Hamburg mehr als 3500 Kilometer beträgt. Die Airline zahlte jedoch nur jeweils 250 Euro, weil sie die Distanz zwischen Manchester und Hamburg anlegte. Dieses Vorgehen rügten die Richter. Begründung: Unter dem Begriff Flug sei in diesem Fall die Gesamtstrecke zu verstehen.

Auch bei Reisen mit Kindern urteilen Gerichte eher kundenfreundlich. In einer rechtskräftigen Entscheidung des Landgerichts Hannover wurde klargestellt, dass erhebliche Verschiebungen eines Pauschalreise-Fluges unzumutbar sind, wenn ein Kleinkind mit an Bord ist. Somit kann eine Passagierin einen Ersatzflug buchen und die Kosten dem Reiseveranstalter in Rechnung stellen, wenn die Zeitspanne fünf Stunden übersteigt. (Az.: 8 S 46/16)

Es ging um einen Mallorca-Trip im Wert von 3.166 Euro, bei dem der Reiseveranstalter die Abflugzeit des Heimfluges kurzerhand von 13.40 Uhr auf 19.20 Uhr nach hinten verlegt hatte. Die Kundin hatte sich jedoch bewusst für eine mittägliche Reisezeit entschieden, weil sie ihr 21 Monate altes Kind nicht aus dem Schlafrhythmus bringen wollte. Der Bitte um eine Umbuchung auf passende alternative Flüge kam der Veranstalter nicht nach. So buchte die Klägerin selbst Flüge und stellte die Kosten in Rechnung. Der Streit drehte sich nun um die Frage, ob eine verschobene Flugzeit ein Reisemangel ist oder lediglich eine Unannehmlichkeit – das Gericht schloss sich der Kundenmeinung an, weil die üblicherweise bei Verschiebungen hinnehmbare Vierstundenfrist überschritten wurde. Zudem habe die Kundin bewusst mittags fliegen wollen. Den Flug zu verlegen sei daher nicht hinnehmbar. Der Reiseveranstalter musste 613 Euro Flugkosten begleichen.

Allerdings hat der Europäische Gerichtshof auch klargestellt, dass die Entschädigungsrechte der Fluggäste gewisse Grenzen haben. Drei Fluggäste, die bei ihrer Reise von Rom über Brüssel nach Hamburg Verspätung hatten, wollten sich beispielsweise nicht mit einer Entschädigung für einen Flug über die 1500-Kilometer-Distanz zufrieden geben. Ihr zunächst vor dem Amtsgericht Hamburg vorgebrachtes Argument: Sie hatten wegen der Umsteigeverbindung insgesamt 1656 Kilometer Reisedistanz zurückgelegt – und pochten auf mehr Geld. Dieses Argument ließen die Luxemburger Richter, an die der Fall zur grundsätzlichen Klärung verwiesen worden war, aber nicht gelten: Entscheidend sei bei der Berechnung der Entschädigung die Luftlinienentfernung – und die beträgt zwischen Rom und Hamburg lediglich 1326 Kilometer. (Rechtssache C-559/16)

Laut EU-Verordnung 261/2004/EG gilt der Anspruch auf Entschädigung für Airlines mit Sitz in der Europäischen Union. Bei anderen ist maßgebend, ob der Ferienjet in der EU startete. Höhere Gewalt hebelt den Anspruch aus. Dazu zählen Streiks des Bodenpersonals, Terrordrohungen und Unwetter, nicht jedoch technische Defekte. Ist der Flug mehr als fünf Stunden verspätet, kann der Fluggast die Reise ganz abbrechen. Das wird teuer für die Fluggesellschaft. Sie muss die Ticketkosten zurückzahlen. Es kann sogar sein, dass Schadenersatz zahlen muss. Dann geht es um die Kosten für eine Ersatzbeförderung oder ein Hotel.

Tipp 2: Faustregeln beim Vorgehen

Urlauber sollten bei Problemen sowohl die Airline (Ausgleichszahlung) als auch den Reiseveranstalter (Reisepreisminderung) in die Pflicht nehmen. Anzuraten ist eine schriftliche Beschwerde; man kann sich übrigens Zeit lassen, denn die Ansprüche gelten für drei Jahre. In dem Schreiben sollte die Geldforderung mit einem Bezug auf die Fluggastrechte-Verordnung der EU klar benannt, begründet und eine Frist von zwei bis drei Wochen zur Zahlung gesetzt werden. Entsprechende Musterschreiben bietet die Verbraucherzentrale NRW online an. Noch am Flughafen sollte man sich zudem von der Airline bestätigen lassen, welche Probleme es konkret gab. Sollte es schließlich einen ablehnenden Bescheid geben, müssen Betroffene nicht gleich zum Anwalt gehen. Kostenfrei berät auch die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (www.soep-online.de).

Tipp 3: Das sind Ihre Rechte auf dem Flughafen

Fluggäste, die länger als zwei Stunden auf ihren Abflug warten müssen, haben auch bei Fällen höherer Gewalt ein Anrecht darauf, mit Speisen und Getränken versorgt zu werden. Im Extremfall gibt es sogar einen Anspruch, sich in ein Hotelzimmer zurückzuziehen.

Tipp 4: Flugverlegung muss angekündigt werden

Juristisch unumstritten ist zwar, dass im Chartergeschäft Flugverlegungen vorkommen können. Juristen weisen jedoch darauf hin, dass Urlauber die Möglichkeit haben müssen, sich auf die neue Situation einzustellen. Daher muss die Termin-Änderung rechtzeitig angekündigt werden - mindestens 14 Tage vor Reisebeginn. Ankunfts- und Abreisetag gelten vor Gericht allerdings nicht als Urlaub, sondern als Puffer für die An- und Abreise.

Tipp 5: Rechtzeitig erkundigen

Es lohnt immer, sich das Kleingedruckte durchzulesen. Der Veranstalter muss im Vertrag darauf hinweisen, dass er sich Änderungen vorbehält. Gute Chancen auf Entschädigung haben Urlauber im Falle einer Verlegung, wenn die 14-Tage-Frist unterschritten wurde. Auch für eine wegen einer Flugvorverlegung zu kurze Nacht kann man auf Preisminderung pochen.

Tipp 6: Wir helfen Ihnen weiter

Sollten Sie Fragen zu Verzögerungen beim Thema Flugreise-Recht haben, nutzen Sie unsere kostenlose Erstberatung.

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