Zum Start in die Ferienzeit ändert sich in Deutschland auch einiges beim Reiserecht. Ab 1. Juli gelten neue Regeln fürs Buchen von Urlaubsreisen. Damit setzt die Bundesrepublik eine Pauschalreiserichtlinie der Europäischen Union um. So sollen vor allem jene besser geschützt werden, die ihre Reise am liebsten online auf Portalen buchen. Herausgekommen ist beim Nachfolger für das Gesetz aus dem Jahr 1990 ein Regelwerk, das für den Kunden zwar seine Sonnen-, aber auch seine Schattenseiten hat – und durchaus Potenzial für juristische Reibereien birgt. Das reicht vom Anrecht auf mehr Transparenz bis zur unangenehmen Überraschung des Kunden beim Blick auf die Reiserechnung. KLUGO gibt den Überblick.

Die Sonnenseiten: Reisekostenerstattung bzw. kostenfreie Stornierung

Urlauber bekommen künftig länger Zeit, um Mängel ihrer Reise anzuzeigen. Bislang war das bis zu einem Monat nach der Rückkehr möglich. Ab 1. Juli endet diese Frist erst nach zwei Jahren. Wichtig für die Praxis: Schon vor Ort muss der Veranstalter auf den Mangel aufmerksam gemacht werden, zudem sollte der Mangel dokumentiert werden.

Es wird ein neuer Reisetyp eingeführt: die verbundene Reiseleistung. Das gilt in dem Fall, wenn der Kunde kurz nacheinander – binnen eines Tages – mindestens zwei verschiedene Leistungen für dieselbe Reise bucht (Mietwagen, Ausflüge etc.). Sie müssen überdies mindestens 25 Prozent des Gesamtreisepreises ausmachen. Das Reisebüro, früher nur Vermittler, oder das Onlineportal wird damit quasi selbst zum Veranstalter und muss gegen Insolvenz abgesichert sein, wenn die Zahlungen direkt an ihn gehen. Das schützt den Kunden im Fall einer Pleite.

Zudem muss der Vermittler künftig per Formblatt explizit über alle Rechte des Reisenden aufklären. Wenn das unterbleibt, gilt automatisch Pauschalreiserecht mit allen rechtlichen Befugnissen für den Urlauber (Preisminderung bei Mängeln etc.). Dadurch, dass der Vermittler den Reisenden über die einzelnen gebuchten Bausteine informiert, lässt er keinen Zweifel daran, dass es sich eben nicht um eine Pauschalreise handelt. Das zielt vor allem auf Online-Buchungen, bei denen oft mit wenigen Klicks die Flüge und das Hotel gebucht werden. Dies gilt aber auch für Reisebüros.

Zwar fällt der Begriff der höheren Gewalt im neuen Reiserecht weg, dennoch gibt es klaren Schutz für Reisende. Wenn sich nach der Buchung am Zielort plötzlich eine Krisensituation einstellt, die erhebliche Beeinträchtigungen mit sich bringen kann, darf der Kunde kostenfrei vom Vertrag zurücktreten. Dafür wird künftig der Begriff der unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstände genutzt. Wichtig: Auch der Reiseveranstalter hat vor Beginn der Reise dieses Rücktrittsrecht. Stellt sich die Gefahrenlage während der Reise ein, kann der Urlauber diese vorzeitig abbrechen. Mehrkosten darf der Reiseveranstalter nicht mehr, wie bisher, zur Hälfte dem Kunden auferlegen. Und: Gerät der Reisende in Schwierigkeiten, muss der Reiseveranstalter ihm in angemessener Weise helfen (beispielsweise über andere Reisemöglichkeiten informieren).

Die Schattenseiten: Nachträgliche Preiserhöhungen bei Pauschalreisen

Wer sich für einen Urlaub im Ferienhaus entschloss, durfte sich bisher sicher sein, bei seiner ausschließlichen Buchung der Unterkunft eine Pauschalreise mit allen Absicherungen abgeschlossen zu haben. Dem ist nun nicht mehr so. Die Folge: Reisemängel können nicht mehr ohne Weiteres angezeigt werden; auch Schadenersatz ist nicht mehr sicher, wenn der Urlaub weniger erfreulich ausfiel als erhofft. Wichtig ist es zudem fortan zu wissen, ob der Vermieter im Kleingedruckten darauf hinweist, dass für ihn das Recht seines Heimatlandes gilt. Dann muss der Urlauber auch dort Klage einreichen. Es kann also sein, dass ein Mangel in der Ferienwohnung auf Mallorca nach spanischem Mietrecht verhandelt wird. Zudem gilt das Pauschalreiserecht bei Tagesreisen künftig nur noch ab einem Preis von 500 Euro pro Person.

Reisende müssen sich daran gewöhnen, dass es fortan außergewöhnliche Preiserhöhungen auch nach der Buchung geben kann. Beispielsweise wenn die Energiepreise oder Hafengebühren deutlich anziehen, darf der Veranstalter das auf den Preis draufschlagen. Bisher lag die Schmerzgrenze bei fünf Prozent; ab 1. Juli sind es acht Prozent. Erst bei einem Anstieg, der darüber liegt, darf der Kunde kostenfrei stornieren. Zweiter Nachteil: Der Veranstalter darf auch sehr kurzfristig den Preis anheben. Bislang galt eine Frist von vier Monaten, künftig sind es nur noch 20 Tage vor Reisebeginn. Umdisponieren wird dann für Urlauber natürlich sehr schwierig.

Bei Fragen zum Thema Reiserecht vermitteln wir Ihnen gerne eine kostenlose Erstberatung durch unsere Rechtsanwälte.

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