Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gemäß EFZG | KLUGO
Rechtsthemen
Blog
Über uns

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Krankheiten kommen stets unvorhergesehen. Damit im Falle einer Erkrankung kein finanzieller Engpass entsteht, weil das Gehalt ausbleibt, gibt es das sogenannte Entgeltfortzahlungsgesetz. Dieses regelt neben den Bedingungen, die für einen Anspruch erfüllt sein müssen, auch die arbeitnehmerseitigen Pflichten sowie die Dauer und Höhe der Gehaltsfortzahlung.

Rechtliche Fakten zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

In der Hektik des Alltags kann es schnell einmal zu einem Fahrradunfall oder Sturz von der Treppe kommen – und auch vor einem Bandscheibenvorfall oder einer schweren Grippe sind wir alle nicht gefeit. Entsprechend kann es passieren, dass die Arbeit plötzlich wochenlang nicht ausgeübt werden kann. Eine finanzielle Absicherung bietet in solchen Zeiten das Entgeltfortzahlungsgesetz, kurz EFZG, das seit 1994 besteht. Damit dieses greift, müssen jedoch einige Anforderungen erfüllt sein.

Wann genau ein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht

Völlig egal, welche Art der Erkrankung dafür verantwortlich ist, dass ein Arbeitnehmer gesundheitlich ausfällt – das EFZG sichert die , Weiterzahlung des Gehalts, sodass keine existenzbedrohliche Situation entsteht. Ein Anspruch besteht jedoch nur, wenn die Arbeitsunfähigkeit nicht selbstverschuldet ist. Ein Verkehrsunfall, der unter Alkoholeinfluss oder durch ein grob fahrlässiges Verhalten zustande kam und eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat, bedeutet also, dass der Anspruch auf Lohnfortzahlung entfällt.

Außerdem kann der Arbeitnehmer laut § 3 Abs. 3 EFZG nur dann von seinem Recht auf eine sechswöchige Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall Gebrauch machen, wenn er zum Zeitpunkt der Erkrankung schon länger als vier Wochen im Unternehmen angestellt ist. Hierbei ist es irrelevant, ob es sich um einen Minijob, eine Teilzeitbeschäftigung oder eine befristete Stelle handelt. Grundsätzlich gilt der Arbeitnehmer als arbeitsunfähig, wenn er seine Arbeit nicht mehr ausführen kann oder das Ausüben der üblichen Tätigkeiten zu einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustands führen würde. Während ein Musicalsänger bei akuter Heiserkeit beispielsweise nicht mehr auf die Bühne kann und somit als arbeitsunfähig gilt, kann eine Buchhalterin auch mit fehlender Stimme noch ihre Arbeit verrichten.

Fälle, die laut Arbeitsrecht zudem eine Lohnfortzahlung rechtfertigen:

  • Legale Sterilisation und Abtreibung
  • Aufenthalt in Kur oder Rehabilitation
  • Entnahme von Spenderorgangen
  • Blutspende zur Stammzellseparation
  • Sportunfall (nicht grob fahrlässig)

Welche Pflichten für eine Lohnfortzahlung zu beachten sind

Der Arbeitnehmer hat im Krankheitsfall eine Anzeige- und Nachweispflicht. Dies bedeutet, dass er seinen Arbeitgeber unverzüglich über seine Arbeitsunfähigkeit informieren muss. Im Anschluss ist er zudem dazu verpflichtet, einen entsprechenden Krankenschein vorzulegen, in dem vermerkt ist, wie lange der Ausfall vermutlich andauern wird. Ausgenommen von der Nachweispflicht sind in der Regel Arbeitnehmer, die nicht länger als drei Tage krank sind.

Infos zur Dauer und Höhe der Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall

Eine Lohnfortzahlung steht dem Arbeitnehmer im Krankheitsfall sechs Wochen lang zu. In dieser Zeit muss der Arbeitgeber das Gehalt weiterhin zahlen. Dauert die Erkrankung länger als sechs Wochen an, springt die Krankenkasse mit einer gesetzlich festgelegten Erwerbsminderungsrente ein – und unter Umständen auch die Berufsunfähigkeitsversicherung. Dies ist auch der Fall, wenn es binnen sechs Monaten zu einer erneuten, kürzer andauernden Erkrankung mit demselben Leiden kommt.

Gemäß § 4 Abs. 1a EFZG hat der Arbeitnehmer im Krankheitsfall Anrecht auf eine volle Vergütung ohne Abzüge. Überstunden bleiben bei der Lohnermittlung unberücksichtigt, außer sie wurden zuvor beständig abgeleistet. Auch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld kann entfallen. In Tarifverträgen können zudem andere Regelungen hinsichtlich Länge und Höhe der Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall festgehalten sein.

Sie sind aktuell erkrankt und Ihr Arbeitgeber weigert sich, Sie gemäß der vertraglichen Vereinbarung zu bezahlen? Oder beklagen Sie als Arbeitgeber ein Anzeige- oder Nachweisversäumnis? Bei rechtlichen Fragen rund um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, das Arbeitsrecht im Allgemeinen oder weitere Rechtsgebiete stehen wir Ihnen im Rahmen unserer kostenlosen Erstberatung gerne mit juristischem Wissen zur Seite. Kontaktieren Sie uns!