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Masernimpfpflicht in Deutschland tritt ab 1. März 2020 in Kraft

Im Kongo sterben derzeit Tausende an den Masern, da die Bewohner des Landes nicht ausreichend gegen die hochansteckende Viruserkrankung geimpft sind (Impfquote: weniger als 25 Prozent). In Deutschland liegt die Masernschutzquote mit 93 Prozent zwar deutlich höher, doch sogenannte Herdenimmunität für (noch) nicht impfbare Personen (Impfquote ab 95 Prozent) besteht damit auch hierzulande nicht. Deshalb gilt ab 1. März 2020 eine Masernimpfpflicht.

Krankheitsverlauf bei Ansteckung

Die Masern sind eine sehr ansteckende Krankheit, die lange Zeit als Kinderkrankheit galt. Da sie laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heute in mehr als der Hälfte der Masernfälle Jugendliche und Erwachsene befällt, ist diese begriffliche Beschränkung jedoch obsolet geworden. Der Verlauf der Masern ist bei jugendlichen und erwachsenen Patienten oft deutlich schwerer und lebensbedrohlicher als bei Kindern. Auch für Säuglinge kann die Krankheit besonders gefährlich werden.

Die Masern sind nicht therapierbar. Wer an ihnen erkrankt, muss die Krankheit demnach durchstehen, so, wie sie bei ihm verläuft. Der Verlauf von Masern ist typischerweise der: Das Masernvirus löst die Krankheit aus. Es wird via Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen übertragen. Rund zehn Tage nach der Infektion zeigt der Betroffene Symptome wie Fieber, wässrigen Schnupfen, bellenden Husten und Bindehautentzündung, die ihn wie einen "erkälteten" Menschen aussehen lassen. Zum Teil weist die Mundschleimhaut kleine, weiße Flecken auf. Nach etwa zwei dieser "verschnupften" Tage – das Fieber kann währenddessen auch sinken – fiebert der infizierte Körper infolge seiner Auseinandersetzung mit der Infektion sehr stark: 40 bis 41 Grad Celsius (°C) hohes Fieber sind dann typisch. Zugleich zeigt sich typischerweise zuerst am Hals ein roter, fleckiger oder flächendeckender Hautausschlag, der sich nach unten bis zu Armen und Beinen ausbreitet. Die an den Masern Erkrankten fühlen sich zu diesem Zeitpunkt sehr krank, sind empfindlich gegenüber Licht und zeigen sich oft weinerlich. Der Ausschlag lässt nach drei, vier, fünf Tagen nach. Auch das Fieber sinkt.

Vier Tage nachdem der Hautausschlag sich erstmals zeigte, gilt der Betroffene als nicht mehr ansteckend. Unter dem starken Fieber und auch noch dann, wenn es langsam abklingt, ist Ruhe wichtig. Es kann bis zu Wochen dauern, um sich von den Masern vollständig zu erholen.

Wichtig: Wer einmal Masern hatte, ist sein Leben lang dagegen immun. Und der Nestschutz einer Mutter, die die Masern selbst überstanden hat, ist wesentlich stärker als der, den eine geimpfte Mutter ihrem leiblichen Kind vermacht. Als Nestschutz wird die insbesondere während der letzten Wochen der Schwangerschaft intensiviert stattfindende Übertragung von Antikörpern aus dem mütterlichen Blut in den Organismus des Kindes bezeichnet. Er sorgt in der ersten Zeit nach der Geburt dafür, dass das Kind einen gewissen Infektionsschutz besitzt.

Warum Masern für Jugendliche, Erwachsene und Säuglinge besonders gefährlich sind

Bei Säuglingen, Jugendlichen und Erwachsenen kann es im Verlauf der Erkrankung zu folgenschweren Komplikationen kommen.

Häufige Komplikationen bei Masern:

  • Mittelohrentzündung bei etwa zwei Prozent aller Fälle
  • Lungenentzündung bei etwa zwei Prozent aller Fälle

Seltenere aber schwerere Komplikationen bei Masern:

  • Masern-Gehirnentzündung (Masern-Enzephalitis) bei 0,1 Prozent der Fälle vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen, von denen etwa 15 Prozent sterben, während 35 Prozent dauerhaft an Schäden am Nervensystem leiden und 50 Prozent genesen
  • Subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) vor allem bei Säuglingen, die sich nach Verlust des Nestschutzes und vor ihrer ersten Masernimpfung ansteckten und auch bei Ausbruch Jahre nach der Ansteckung an dem unweigerlichen Abbau des Gehirns sterben

Herdenimmunität als Schutz gegen Masernansteckung

Die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, zählte für Europa im Jahr 2018 so viele Masernansteckungen, wie seit zehn Jahren nicht mehr und begründet diese mit der wachsenden Zahl der Impfgegner. Aber: Um aus welchen Gründen auch immer nicht gegen Masern geimpfte Menschen in der Gesellschaft vom sogenannten Herdenschutz profitieren zu lassen, muss Herdenimmunität gegen die Erkrankung herrschen. Die stelle sich bei Masern ein, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft seien. Das sei derzeit in Deutschland noch nicht der Fall. Das Fachblatt führt dafür Zahlen des Robert-Koch-Institutes an, denen zufolge "zuletzt nur rund 93 Prozent der Schulanfänger in Deutschland ausreichend gegen Masern geimpft" gewesen seien. Die Impflücken bei Masern seien demzufolge in Deutschland zu groß: Zwar hätten 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Masernimpfung erhalten. Doch bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung gebe es große regionale Unterschiede, so dass Deutschland bundesweit noch nicht auf die gewünschte Impfquote von 95 Prozent komme. Erst damit jedoch könne der Gemeinschaftsschutz erreicht werden.

Gesetz: Impflicht gegen Masern – für wen sie gilt

Den besten Schutz vor Masern bieten Impfungen. Das sagt das Bundesministerium für Gesundheit. Mit der am 1. März 2020 in Kraft tretenden Masernimpflicht in Deutschland ist die Impfung gegen Masern in deutschen Kindertagesstätten (Kitas) und Schulen ebenso wie in Flüchtlingsunterkünften und in Gemeinschaftseinrichtungen Pflicht.

Das heißt, so schreibt es das Bundesministerium, dass "alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten" die von der STIKO empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen. Auch die Kinder, die von einer Kindertagespflegeperson betreut werden, müssen demnach in der Regel den Nachweis über die Masernimpfung erbringen. Gleiches gelte für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig seien, darunter Erzieher, Lehrer, Tagespflegepersonen und medizinisches Personal (soweit diese Personen nach 1970 geboren seien). Auch Asylbewerber und Flüchtlinge müssen laut dem Ministerium den Impfschutz vier Wochen nach Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft aufweisen.

Kinder, die derzeit schon betreut würden, und bereits in Gemeinschaftseinrichtungen tätigen Mitarbeiter gewähre man demnach eine Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2021, um ihrer Impflicht gegen Masern nachzukommen.

Update vom 4.3.2020: Verfassungsbeschwerde gegen die Impfpflicht

Aktuell wird eine Verfassungsbeschwerde gegen die neue Impfpflicht erhoben. Beschwerdeführer sind vier Familien aus Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein. Sie sind nicht generell gegen Impfungen, sondern wehren sich lediglich gegen den staatlichen Zwang, der mit der Pflicht unter Bußgeldandrohung einhergeht. Zurzeit ist noch nicht bekannt, wann das Bundesverfassungsgericht über den Fall entscheidet.

So wird der Impfschutz nachgewiesen

Der Nachweis des bestehenden Impfschutzes gegen Masern könne laut Gesundheitsministerium mit dem Impfausweis, dem gelben Kinderuntersuchungsheft (sogenanntes U-Heft) oder – vor allem bei bereits erlittener Krankheit – mit einem ärztlichen Attest erbracht werden. Nachzuweisen sei die Masernimpfung in der Regel gegenüber der Leitung der Einrichtung.

Kinder, die bereits in der Kita, Schule oder einer anderen Gemeinschaftseinrichtung betreut würden, könnten den Nachweis bis zum 31. Juli 2021 erbringen. Auch die Bestätigung einer zuvor besuchten Einrichtung reiche dafür aus, wenn dort schon ein entsprechender Nachweis vorgelegt worden sei.

Was passiert, wenn man der Impflicht gegen Masern nicht nachkommt

Wer der Masernimpflicht nicht nachkomme, der müsse mit einem Bußgeld von bis zu 2.500 Euro rechnen, schreibt das Bundesministerium. Denn Eltern, die ihre in Gemeinschaftseinrichtungen betreuten Kinder nicht impfen lassen, begehen damit künftig eine Ordnungswidrigkeit. Die Geldbuße könne laut Gesundheitsministerium auch gegen die Leitungen von Kindertagesstätten verhängt werden, die nicht geimpfte Kinder zuließen. Ebenso komme ein Bußgeld auch in Betracht gegen nicht geimpftes Personal in Gemeinschaftseinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen und Asylbewerberunterkünften sowie gegen nicht geimpfte Bewohner solcher Unterkünfte.

Wer sich nicht impfe müsse zudem mit Konsequenzen rechnen: Nichtgeimpfte Kinder könnten demnach vom Besuch des Kindergartens ausgeschlossen werden. Nichtgeimpftes Personal dürfe in Gemeinschafts- oder Gesundheitseinrichtungen keine Tätigkeiten aufnehmen.

So läuft die Masernimpfung ab

Die Masernimpfung umfasst für Kinder eine zweimalige Impfung mit abgeschwächten Erregern der Krankheit (sogenannte Lebendimpfung), während Erwachsene einmal geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bei Kindern eine erste Impfung in Form einer kombinierten Masern-Mums-Röteln-Impfung (MMR) zwischen dem elften und vierzehnten Lebensmonat sowie eine zweite MMR-Impfung zwischen dem fünfzehnten und dreiundzwanzigsten Lebensmonat.

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