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Nachlassverzeichnis erstellen: Anforderungen, Fristen und Kosten

Verstirbt ein nahestehender Angehöriger, kann oder muss sogar ein Nachlassverzeichnis erstellt werden, um einen Überblick über das vererbte Hab und Gut zu schaffen. Hierbei sind bestimmte Formalia einzuhalten sowie Fristen zu beachten, damit aus rechtlicher Sicht alles korrekt und ohne Grund zur Beanstandung vonstattengeht. Außerdem sollte man sich vor der Erstellung eines Nachlassverzeichnisses über die hierfür anfallenden Kosten informieren.

Über den Sinn und Zweck eines Nachlassverzeichnisses

Die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses, auch Inventar genannt, nimmt meist einige Zeit in Anspruch, doch um einen zuverlässigen Nachlasswert zu ermitteln, ist dieser Schritt durchaus ratsam. Genannter Nachlasswert kann für die bevorstehende Erbauseinandersetzung inklusive der Betrachtung verschiedener Ansprüche von Belang sein – vor allem bei Bestehen einer Erbengemeinschaft oder zu erwartenden hohen Schulden. Die detaillierte Auflistung des gesamten Nachlasses dient hierbei als Grundlage für alle Pflichtteilsberechtigten, Vermächtnisnehmer und Nacherben, die der oder die Verstorbene hinterlassen hat.

Auch das Finanzamt, das ein Nachlassverzeichnis von den Erben verlangen kann, orientiert sich an der ermittelten Summe, um die Erbschaftssteuer festzusetzen. Eventuell vorhandene Gläubiger schauen ebenfalls, was sie vom Nachlass für sich einfordern können. Sobald einer dieser Auskunftsberechtigten Einblick in das Nachlassverzeichnis wünscht, sind die Erben verpflichtet, der Aufforderung nachzukommen. Andernfalls droht ein gerichtlich verhängtes Zwangsgeld. Ein Nachlassverzeichnis ist außerdem zwingend erforderlich, wenn es minderjährige Erben gibt, ein Erbschein beantragt werden muss oder ein Testamentsvollstrecker benannt wurde.

Inhalte und Aufbau: Wie man ein Nachlassverzeichnis erstellt

Wer das Nachlassverzeichnis selbst erstellen möchte, kann Online-Vorlagen zur Orientierung nutzen. Handelt es sich um einen besonders großen oder unübersichtlichen Nachlass, empfiehlt sich jedoch die Beauftragung eines Fachanwalts für Erbrecht. Außerdem sollten alle aufgeführten Gegenstände des Hausrats zu Dokumentationszwecken abfotografiert werden.

Doch was ist formal zu beachten? Grundsätzlich muss ein Nachlassverzeichnis schriftlich erstellt werden und die Unterschrift des Verfassers tragen. Angaben zum Erblasser, also der vollständige Name, letzte Wohnsitz, Geburts- und Todestag sowie Güterstand bei Verheirateten, sind anzuführen.

Herzstück des Nachlassverzeichnisses ist schließlich die Auflistung aller Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten, die der oder die Verstorbene hinterlässt. Diese sollte möglichst detailliert und unter Nennung des jeweiligen Verkehrswerts, also dem Marktpreis oder Ist-Wert, erfolgen. Bei geerbten Immobilien oder Grundstücken dient hierbei das Vergleichswert- bzw. Ertragswertverfahren oder der Bodenrichtwert als Bemessungsgrundlage. Der Auskunftsberechtigte darf darauf bestehen, die Beurteilung durch einen Gutachter vornehmen zu lassen. Aktuelle Informationen zum Immobilienmarkt in NRW können Sie bei BORISplus erhalten. Es ist das zentrale Informationssystem der Gutachterausschüsse und des Oberen Gutachterausschusses für Grundstückswerte über den Immobilienmarkt.

Vermögensgegenstände, die ins Nachlassverzeichnis gehören:

  • Immobilien (mit Beschreibung aller Objekte)
  • Etwaiges Geldvermögen (inkl. Bankverbindungen)
  • Wertgegenstände (z. B. Schmuck, Gemälde, Fahrzeuge)
  • Forderungen (z. B. Steuerrückerstattungen und Schadenersatzansprüche)
  • Unternehmensanteile (inkl. Firmendaten und Handelsregistereintrag)
  • Versicherungsverträge (inkl. Versicherer und Versicherungssumme)
  • Geldwerte Rechte (z. B. Patente und Urheberrechte)
  • Hausrat (inkl. Anschaffungswert, Alter und Zustand)

Verbindlichkeiten, die zu nennen sind (mit Angaben zum Gläubiger):

  • Erblasserschulden (z. B. Hypotheken, Privatkredite, Steuerschulden)
  • Erbfallschulden (z. B. Bestattungs- und Nachlasskosten)
  • Schenkungen der letzten zehn Jahre (z. B. Sparkonten, Stiftungen, Wohnrechte)
  • Ggf. Zugewinn und „Voraus“ für den überlebenden Ehegatten

Fristen und Kosten: Erstellung eines Nachlassverzeichnisses

Fordert ein Auskunftsberechtigter Einsicht in das Nachlassverzeichnis, muss eine Fristsetzung damit einhergehen, die laut § 1995 BGB zwischen einem und drei Monaten betragen darf. Kann das Nachlassverzeichnis nicht bis zum genannten Stichtag erstellt werden, ist eine Fristverlängerung möglich. Wird diese nicht rechtzeitig beantragt, verstreicht die Frist, und man haftet mit dem eigenen Vermögen für die ausstehenden Nachlassverbindlichkeiten.

§ 2314 BGB besagt, dass ein Nachlassverzeichnis sowohl notariell als auch privat erstellt werden kann. Um keine Last hiermit zu haben, kann jedoch ein Notar mit der Erstellung betraut werden. Die Auskunftsberechtigten können auf diese Form des notariellen Nachlassverzeichnisses bestehen. Kosten, die hierfür anfallen, richten sich unter anderem nach dem Verkehrswert des Nachlasses und können mithilfe des kostenlosen Notarkostenrechners der Bundesnotarkammer errechnet werden.

Da die Kosten für das Nachlassverzeichnis unter die Nachlassverbindlichkeiten fallen, müssen die Erben nicht direkt hierfür aufkommen. Fordern die Auskunftsberechtigten allerdings eine eidesstattliche Versicherung, fallen Kosten an, die der Erbe selbst zu tragen hat. Diese richten sich nach der Höhe des Nachlasswertes. Haben Sie Fragen hierzu, weil Sie zum Beispiel selbst ein notarielles Nachlassverzeichnis oder eine eidesstattliche Versicherung anfordern wollen, stehen Ihnen die KLUGO-Anwälte im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung zur Seite.