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Unterschiede Aufhebungsvertrag & Kündigung

Meist wird ein Arbeitsverhältnis durch eine einseitige Kündigung beendet. Alternativ haben Arbeitnehmer und -geber auch die Möglichkeit, sich auf einen Aufhebungsvertrag zu einigen, was situationsabhängig von Vor- und Nachteil sein kann.

Das Wichtigste in Kürze: Aufhebungsvertrag und Kündigung

Das Wichtigste zu den Unterschieden von Aufhebungsvertrag und Kündigung in Kürze:

  • Aufhebungsvertrag und Kündigung unterscheiden sich grundsätzlich durch die Art der Mitbestimmung durch den Arbeitnehmer.
  • Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile.
  • Regelmäßig ist aber gerade der Aufhebungsvertrag für den Arbeitgeber vorteilhafter als für den Arbeitnehmer.
  • Stimmt der Arbeitnehmer dem Aufhebungsvertrag zu, kann dies eine Sperre beim Arbeitslosengeld nach sich ziehen.
  • Entweder-Oder: Ein Arbeitnehmer kann entweder die Kündigung erhalten oder aber einen Aufhebungsvertrag.

Wodurch unterscheidet sich der Aufhebungsvertrag von der Kündigung?

Während eine rechtmäßige Kündigung durch den Arbeitgeber auch dann für eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses sorgt, wenn der Arbeitnehmer nicht damit einverstanden ist, setzt ein Aufhebungsvertrag das Einverständnis beider Vertragsparteien voraus.

Der Arbeitnehmer kann im Rahmen der Verhandlungen rund um den Aufhebungsvertrag also wesentlich größeren Einfluss auf das Ende seiner Tätigkeit im Betrieb nehmen, als dies bei einer Kündigung der Fall ist.

Welche Vor- und Nachteile haben Aufhebungsvertrag bzw. Kündigung?

Der Aufhebungsvertrag zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass er beide Seiten – also Arbeitgeber und Arbeitnehmer – an einen Tisch holt. Das bietet zum einen deutlich mehr Gestaltungsspielraum, zum anderen aber auch weitere Vorteile: Arbeitnehmer profitieren beispielsweise davon, dass die Abfindung grundsätzlich sozialversicherungsfrei gezahlt wird. Erfahren Sie in unserem Beitrag weitere Vorteile und Nachteile des Aufhebungsvertrags.

Die Abfindung gilt nicht als Arbeitsentgelt nach § 14 des Sozialgesetzbuches IV (kurz: SGB IV).

Allerdings sollten Arbeitnehmer die Vorteile einer Kündigung ebenfalls berücksichtigen. Wesentlicher Vorteil ist dabei, dass es dabei für den Arbeitnehmer nicht zu einer Sperre in Bezug auf das Arbeitslosengeld kommt. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus dem Umstand, dass bei einer Kündigung der Arbeitnehmer immer durch das Kündigungsschutzgesetz (kurz: KSchG) geschützt ist – dies ist bei einem Aufhebungsvertrag hinfällig.

Wann bietet sich welche Möglichkeit an?

Ausschlaggebend für die Wahl zwischen Abfindung und Kündigung ist regelmäßig der Umstand, ob der Arbeitnehmer bereits eine neue Arbeitsstelle hat. Durch die Vereinbarung eines Aufhebungsvertrag kommt es nämlich – wie bereits oben erwähnt – zu einer temporären Sperre beim Arbeitslosengeld. Hat der Arbeitnehmer noch keinen neuen Job, steht er im schlechtesten Fall ohne jedes Einkommen da.

Stimmt der Arbeitnehmer ohne wichtigen Grund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu, dann kann sich die Arbeitsagentur nach § 159 Abs. (1) SGB III für eine Sperrzeit entscheiden.

Aufhebungsvertrag & Kündigung: Welche Fristen gibt es und wer muss zustimmen?

Sie können Ihr Arbeitsverhältnis sowohl mit einer Kündigung als auch mit einem Aufhebungsvertrag beenden.

Bei einer Kündigung müssen Sie jedoch die gesetzlichen Fristen beachten. Eine fristlose Kündigung ist nur dann wirksam, wenn wichtige Gründe vorliegen, die Ihnen eine weitere Zusammenarbeit unmöglich oder unzumutbar machen. Bei einem Aufhebungsvertrag bestimmen Sie die Fristen selbst.

Die Kündigung ist eine einseitige Willenserklärung. Das bedeutet, dass Sie hierfür nicht die Zustimmung Ihres Arbeitgebers benötigen. Einen Aufhebungsvertrag hingegen, können Sie nur einvernehmlich mit Ihrem Arbeitgeber abschließen. Ein gesetzlicher Anspruch auf den Abschluss eines Aufhebungsvertrages besteht nicht.

Während Kündigungen einseitig erfolgen, setzt ein Aufhebungsvertrag Einvernehmen voraus. Es ist unbedingt zu beachten, dass der gesetzliche Kündigungsschutz durch einen Aufhebungsvertrag außer Kraft gesetzt wird.

Die wichtigsten Merkmale eines Aufhebungsvertrags sind demnach:

  • Er ist im Einvernehmen von Arbeitgeber und -nehmer unterzeichnet.
  • Es müssen keine gesetzlichen Fristen eingehalten werden.
  • Er setzt den gesetzlichen Kündigungsschutz außer Kraft.

Arbeitnehmer sollten sich vor Abschluss eines Aufhebungsvertrages beraten lassen. Der Vertrag birgt einige Risiken, wie beispielsweise gegebenenfalls eine Sperre in Bezug auf das Arbeitslosengeld.
Stefan Müllen
Rechtsanwalt

Gibt es bei einem Aufhebungsvertrag und einer Kündigung Auswirkungen auf andere Regelungen?

Im Falle eines Aufhebungsvertrages wird der gesetzliche Kündigungsschutz außer Kraft gesetzt – unabhängig davon, ob Sie beispielsweise schwanger oder schwerbehindert sind.

Auch der Betriebsrat muss nicht angehört werden.

Auswirkungen auf Arbeitslosengeld (§ 159 BGB)


Die Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrags setzt nicht nur den Kündigungsschutz außer Kraft, sondern hat auch eine negative Auswirkung auf den Arbeitslosengeldanspruch. § 159 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) legt fest, dass sich die Bezugszeit des Arbeitslosengelds um eine, im Normalfall, zwölfwöchige „Sperrzeit“ verringert.

Ein Aufhebungsvertrag wirkt sich somit negativ auf die gesetzlichen Sozialleistungen aus.

Eine Kündigung beendet lediglich das Arbeitsverhältnis. Mit einem Aufhebungsvertrag können Sie über die Beendigung hinaus viele regeln, auch solche, auf die Sie keinen gesetzlichen Anspruch haben. Beispiele dazu finden Sie in unserem Beitrag "Formulierungsbeispiele und Muster".

klugo tipp

Sollte Ihr Arbeitgeber Ihnen den Vorschlag unterbreiten, sich auf einen Aufhebungsvertrag zu einigen, ist es wichtig, keine voreilige Entscheidung zu treffen. Eine professionelle Beratung kann sinnvoll sein, um Vor- und Nachteile zu erkennen.

Das sollten Sie beim Aufhebungsvertrag beachten:

  • Nehmen Sie eine professionelle Beratung hinsichtlich der möglichen Vor- und Nachteile in Ihrer individuellen Situation in Anspruch.
  • Gehen Sie sicher, dass eine finanzielle Absicherung vorhanden ist, um die Sperrzeit des Arbeitslosengeldanspruchs zu überbrücken.
Beendigung von Arbeitsverhältnissen – Infografik
Beendigung von Arbeitsverhältnissen – Infografik

Kann ein Arbeitnehmer eine Kündigung und zusätzlich einen Aufhebungsvertrag erhalten?

Auf den ersten Blick macht es keinen Sinn, dass ein Arbeitnehmer sowohl eine Kündigung als auch einen Aufhebungsvertrag erhält. Dennoch kommt das in der arbeitsrechtlichen Praxis vor. Arbeitnehmer sollten hier äußerst vorsichtig sein und unbedingt einen erfahrenen Rechtsanwalt zu Rate ziehen – und zwar bevor der Aufhebungsvertrag unterschrieben wird.

Hintergrund bei gleichzeitiger Kündigung und Aufhebungsvertrag ist häufig der Versuch, die oben erwähnte Sperre in Bezug auf das Arbeitslosengeld I (kurz: ALG I) zu umgehen. Der Arbeitnehmer unterschreibt also den Aufhebungsvertrag, legt bei der Arbeitsagentur die ebenfalls ausgesprochene Kündigung vor, um hier nicht das Risiko einer Sperre einzugehen.

Wichtig zu wissen: Dabei handelt es sich keineswegs um ein Kavaliersdelikt – sondern um einen handfesten Betrug, der nach § 263 des Strafgesetzbuches (kurz: StGB) die entsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht. Dies gilt sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer.

Anders ist der Fall gelagert, wenn der Arbeitgeber eine Kündigung und einen Aufhebungsvertrag übergibt, um den Arbeitnehmer damit unter Druck zu setzen. Hier ist die Botschaft regelmäßig, dass es so oder so zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses kommt und der Arbeitnehmer für den Fall, dass er nicht in den Aufhebungsvertrag einwilligt, die Kündigung durch den Arbeitgeber erhält.

Wird der Arbeitnehmer durch diese Bedrohung zur Unterzeichnung des Aufhebungsvertrags motiviert, kann er diesen unter Umständen im Nachgang anfechten mit der Folge, dass das Arbeitsverhältnis nach wie vor weiter besteht.

Sie wissen nicht, wie Sie im konkreten Fall handeln sollen? Dann hilft unsere Checkliste:

  • Erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber Kündigung und Aufhebungsvertrag, sollten Sie den Aufhebungsvertrag nicht unterschreiben.
  • Im schlechtesten Fall machen Sie sich wegen Betruges strafbar und riskieren eine Geld- oder Freiheitsstrafe.
  • Konsultieren Sie am besten einen erfahrenen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht, der Ihnen mögliche Optionen aufzeigen kann.
  • Grundsätzlich gilt aber: Der Arbeitgeber muss sich zwischen Aufhebungsvertrag und Kündigung entscheiden. /li>

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Kündigung und Aufhebungsvertrag helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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