Rechtsthemen
Blog
Über uns

Reisen und Coronavirus: Das müssen Reisende jetzt wissen

Die Folgen des sich weltweit ausbreitenden Coronavirus sind enorm und in ihrer völligen Tragweite noch nicht erfassbar. Sicher ist: Wer verreisen will, muss seine Urlaubspläne vermutlich bis auf weiteres verschieben. Erfahren Sie hier, was das Reiserecht in Bezug auf das Coronavirus sagt und wann Sie wegen des Coronavirus Ihre Reise kostenfrei stornieren dürfen.

Coronavirus führt zu Grenzschließungen

Zum 15. März hat Deutschland seine Grenzen zu Frankreich, Österreich, Luxemburg, zur Schweiz und nach Dänemark geschlossen. Somit sind Reisen ins Ausland aktuell faktisch nicht mehr möglich. Lediglich für Pendler und den Warenverkehr bleiben die Grenzen geöffnet.

Zudem haben auch die folgenden Länder ihre Grenzen für deutsche Bürgerinnen und Bürger geschlossen:

  • USA
  • Türkei
  • Polen
  • Tschechien
  • Dänemark
  • Israel
  • Slowakei
  • Argentinien
  • Bolivien
  • Paraguay
  • Peru
  • Venezuela
  • Estland
  • Litauen
  • Vietnam
  • Indien

Damit soll eine schnelle länderübergreifende Verbreitung des Virus verhindert werden. Wer in Länder wie Russland, Norwegen, Malta und Rumänien einreisen möchte, muss sich zunächst für 14 Tage in Quarantäne begeben – ein schöner Urlaub sieht anders aus.

Können Pauschalreisen wegen des Coronavirus kostenlos storniert werden?

Wer für die kommenden Wochen eine Reise geplant hat, muss nun handeln und diese stornieren. Ob dabei Kosten anfallen, hängt von der Art der Reise und dem Ziel ab.

Das Coronavirus stellt unter Umständen eine unvermeidbare und außergewöhnliche Situation dar, wie sie in § 651h BGB definiert wird:

Der Reiseveranstalter kann keine Entschädigung verlangen, wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen.

Inzwischen hat das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Laut Gesetz können Pauschalreisen immer dann kostenfrei storniert werden, „wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen.“ In der Rechtsprechung galt dieser Tatbestand bisher in jedem Urteil als erfüllt, wenn eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorlag. Dies bezieht sich jedoch lediglich auf Reisen, die in den kommenden Wochen stattfinden sollen.

klugo tipp

Wer eine Pauschalreise für das Jahresende gebucht hat, sollte zum jetzigen Zeitpunkt noch geduldig sein. Die außergewöhnlichen Ereignisse durch das Corona-Virus lassen sich bisher nicht voraussagen – es kann jedoch gut sein, dass die weltweite Reisewarnung auch zum Ende des Jahres noch Bestand hat und eine Pauschalreise kostenlos storniert werden kann.

Wer sich verfrüht zu einer Stornierung entscheidet, könnte unter Umständen auf den Stornokosten sitzen bleiben.

Veranstalter sagen wegen Corona Reisen ab – was sollten Sie wissen?

Die meisten, großen Reiseveranstalter haben alle geplanten Urlaubsreisen für die kommenden Wochen bereits abgesagt. Urlauber, die für diesen Zeitraum eine Reise gebucht hatten, erhalten wahlweise das Geld zurück oder die kostenfreie Möglichkeit zur Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt. Auch Neubuchungen aus den letzten Wochen sind in den meisten Fällen kostenfrei stornierbar oder können ohne Zusatzkosten auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.

Die Absagen der Reiseveranstalter gelten derzeit erst einmal bis Mitte oder Ende April – je nach Reisegesellschaft. Da aktuell noch nicht geplant werden kann, wie es im Anschluss weitergeht, sind auch weitere Reiseabsagen durch die Veranstalter möglich. Sofern ein Reiseveranstalter eine von Ihnen gebucht Reise absagt, werden Sie darüber jedoch rechtzeitig informiert. Um weitere Informationen zu den Erstattungs- und Umbuchungsmöglichkeiten zu erhalten, lohnt es sich auch, einen Blick in die Reisebestimmungen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Reiseveranstalter zu werfen. Sollten Sie hier Hilfe benötigen, steht Ihnen im Rahmen unserer Erstberatung ein Fachanwalt für Reiserecht zur Seite.

Haben auch Individualreisende Rechte im Hinblick auf das Corona-Virus?

Unklarer ist die Situation für Personen, die sich ihr Hotel oder die Unterkunft vor Ort selbst gebucht haben. Liegt das Reiseziel in einem Land mit Einreisestopp, liegt ein außergewöhnlicher Umstand vor, weshalb der Flug kostenfrei storniert werden kann.

Ob die Unterkunft storniert werden kann, hängt von der rechtlichen Situation des Urlaubsziels ab. Nach deutschem Recht können in Ländern, die ein Einreiseverbot wegen des Coronavirus verhängt haben, Unterkünfte kostenfrei storniert werden. So dürfte dies in vielen EU-Ländern sein, jedoch nicht in Ländern außerhalb der EU. Hier hilft nur ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters. Viele Hotels sind in einer solchen außergewöhnlichen Situation jedoch kulant und bieten die Stornierung oder Umbuchung an.

Aber: Es besteht kein gesetzliches Rücktrittsrecht wegen des Coronavirus. Pauschalreisen, Flüge und Unterkünfte lassen sich nicht nur aus Angst vor einer Ansteckung stornieren. Selbst wenn die Rechtslage im geplanten Urlaubsland eine kostenfreie Stornierung von Unterkunft, Mietwagen etc. aufgrund außergewöhnlicher Umstände erlaubt, muss dieser Anspruch unter Umständen gerichtlich vor Ort durchgesetzt werden – was sich in der jetzigen Situation natürlich nicht ganz einfach gestaltet.

Welche Rechte hat man, wenn der Reiseanbieter aufgrund des Coronavirus storniert?

Einige Reiseanbieter wie TUI, Alltours oder die FTI Group haben wegen des Coronavirus vorerst alle Reisen abgesagt. Die Reisen werden kostenlos storniert.

Entstehen Reisenden durch die Absage der Reisebuchungen zusätzliche Kosten, beispielsweise für Ersatzbuchungen, kann ihnen unter Umständen eine Entschädigung zustehen. Dies hängt entscheidend von der Situation vor Ort ab und wie stark das Reiseziel vom Coronavirus betroffen ist. Betroffene sollten sich von einem Anwalt zu ihren Möglichkeiten beraten lassen. Machen Sie bei KLUGO einen Termin für die Erstberatung aus und erfahren Sie, welche individuellen Optionen das Reiserecht in Bezug auf das Coronavirus für Sie bereithält.

Gibt es Erstattungen für Flugausfälle aufgrund des Coronavirus?

Auch die Fluggesellschaften haben bereits reagiert und viele Flüge abgesagt. Einige Anbieter von Flugreisen haben den Flugverkehr vorübergehend sogar vollständig eingestellt. Je nachdem, welche Destinationen gebucht wurden, haben betroffene Fluggäste Anspruch auf Entschädigung und eine Rückerstattung der Ticketkosten. Aber Achtung: Werden Flüge in Sperrgebiete oder in Länder mit geschlossenen Grenzen abgesagt, gilt das Prinzip der höheren Gewalt. Eine Entschädigung ist in diesem Fall nicht zu erwarten.

Viele Fluggesellschaften haben ihre Angebote insgesamt stark eingeschränkt

In den folgenden Fällen ist eine Entschädigung möglich:

  • Streichungen aus wirtschaftlichen Gründen
  • Flugausfälle für Zielorte, für die es keine offiziellen Reisewarnungen gibt
  • Inlandsflüge in Deutschland wird gestrichen

Hierbei ist nicht von einem Flugausfall aufgrund höherer Gewalt auszugehen, weshalb hier das normale Reiserecht greift.

Im Urlaub gestrandet – wie hilft das Auswärtige Amt bei der Rückreise nach Deutschland?

Die veränderten Ein- und Ausreisebestimmungen in nahezu allen Ländern der Welt haben eine deutliche Reduzierung des weltweiten Flugverkehrs mit sich gebracht – teilweise bis hin zu einem vollständigen Stillstand. Dadurch sind viele deutsche Touristen im Ausland gestrandet. Das Auswärtige Amt kümmert sich derzeit mit konzentrierten Rückholaktionen um alle deutschen Reisenden, die im Ausland festsitzen.

Dafür stellt das Auswärtige Amt die Webseite „rueckholprogramm.de“ zur Verfügung, wo alle aktuellen Rückholaktionen aufgelistet werden. Wer in einem der betroffenen Gebiete mit Rückholaktion gestrandet ist, kann sich hier auch gleich in die betreffende Liste eintragen und dadurch unter Umständen im nächsten Flugzeug einen Platz sichern. Es besteht jedoch kein rechtlicher Anspruch, durch das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes zurück nach Deutschland geholt zu werden. Außerdem richtet sich das Angebot primär an Deutsche, die sich vorübergehend im Ausland aufhalten. Für Personen mit Aufenthaltstitel für Deutschland oder Urlauber mit anderer EU-Staatsangehörigkeit bemüht sich das Auswärtige Amt, im Rahmen der Kapazitäten eine Lösung zu finden.

Aktuell legt die Bundesregierung bei den Rückholaktionen den Fokus auf die besonders schwer betroffenen Länder, die oft auch nur eine unzureichende medizinische Versorgung bieten. Dazu zählen derzeit Ägypten, Marokko, Tunesien, Argentinien, Costa Rica, die Dominikanische Republik, Peru und die Philippinen. Inzwischen hat sich das Rückholprogramm jedoch auf zahlreiche, weltweite Urlaubsorte ausgeweitet.

Können Flugreisen aufgrund des Coronavirus storniert werden?

Eine kostenlose Stornierung ist immer dann möglich, wenn für den Zielort eine offizielle Reisewarnung durch das Auswärtige Amt ausgesprochen wurde. In diesem Fall werden jedoch auch viele Fluggesellschaften von sich aus Flüge canceln. In allen anderen Fällen hängt es von der Kulanz der Airline ab, ob sich der Flug stornieren lässt.

Da aktuell durch das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen wurde, lassen sich nahezu alle Flüge kostenfrei stornieren. Die meisten Fluggesellschaften haben ihren Betrieb bereits teilweise oder vollständig eingestellt, sodass hier eine Stornierung nicht mehr notwendig ist. Außerdem bieten viele Fluggesellschaften eine kostenlose Umbuchung an.

Sie haben eine Rechtsfrage?

Dann nutzen Sie einfach unsere Erstberatung. Die KLUGO Erstberatung ist ein Telefongespräch mit einem zertifizierten Anwalt aus unserem Netzwerk.