Flugverspätung oder -annullierung: Ihre Rechte

Jeder Passagier hat bei Flugverspätungen oder annullierten Flügen grundsätzlich gewisse Ansprüche auf Entschädigung oder auch Schadensersatz. Die jeweilige Form und Summe sind international und von der EU geregelt.

Wie sind eventuelle Entschädigungsansprüche geregelt?

Entschädigungs- oder gar Schadensersatzansprüche bei Flugverspätungen bzw. Annullierungen sind zunächst durch das Montrealer Übereinkommen international geregelt. In der EU gilt zudem die EU-Verordnung 261/2004, die primär alle Anspruchsleistungen regelt, die bei einem Flug von der bzw. in die EU (+ Island, Schweiz und Norwegen) entstehen sowie bei denjenigen Fluggesellschaften, die ihren Sitz in der EU haben.

EU-Verordnung 261/2004


Diese EU-Verordnung stellt eine Änderung der Verordnung Nr. 2027/97 dar und dient der gemeinsamen Regelung von Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen.

Fluggesellschaften sind je nach Länge und Umständen der Flugverspätung bzw. Annullierung dazu verpflichtet, Fluggäste über ihre Rechte zu unterrichten, sie zu betreuen (in Form von Verpflegung, Telefonnutzung und ggf. Hotelunterbringung), einen finanziellen Ausgleich bis max. 600 Euro zu leisten und ggf. eine andersartige Erstattung bzw. alternative Beförderung anzubieten.

Montrealer Übereinkommen

Das Übereinkommen zur Vereinheitlichung bestimmter Vorschriften über die Beförderung im internationalen Luftverkehr, das in Deutschland seit 2004 in Kraft ist, regelt die Haftung von Fluggesellschaften für Schäden an Personen, Gütern und Reisegepäck. Es dient somit primär der Regelung von Schadensersatzansprüchen und ist nahezu weltweit gültig.

Welche Entschädigungsansprüche sind möglich?

Sollte Ihr Flug annulliert werden oder verspätet sein und Ihnen entsteht daraufhin eine Verspätung von mindestens drei Stunden, können Sie eine finanzielle Entschädigung einfordern, die Ihnen ausgezahlt bzw. überwiesen werden muss. Das heißt, sie darf Ihnen nicht in Form von Gutscheinen oder Meilen zugestanden werden. Die Summe berechnet sich nach Großkreisentfernung (besser bekannt als „Luftlinie“), also nicht nach Flugstrecke.

Die Staffelung sieht dabei wie folgt aus:

  • Bis zu 1.500 Kilometer: 250 Euro Entschädigung
  • 1.500 bis 3.500 Kilometer: 400 Euro Entschädigung
  • > 3.500 Kilometer (EU-überschreitend): 600 Euro Entschädigung

Dies entspricht der Regelung aus der EU-Verordnung. Voraussetzung für den Anspruch ist, dass Sie im Besitz von Buchungsunterlagen sind und rechtzeitig am Check-In waren. Der Anspruch verjährt nach drei Jahren nach der Flugverspätung.

Sollten Sie aufgrund der Flugverspätung einen Anschlussflug verpassen, gilt es zu beachten, dass für die Ermittlung der Verspätungszeit die letztliche Verspätung am Zielflughafen maßgebend ist. Zudem müssen für die Geltendmachung Ihres Anspruchs beide Flüge von derselben Fluggesellschaft durchgeführt worden sein. Auch bei Pauschalreisen haben Sie Anspruch auf die Ausgleichszahlung, denn für die Verspätung haftet die Fluggesellschaft und nicht der Reiseanbieter. Sollten Ihnen zudem weitere „Folgeschäden“ entstehen, müssen Sie sich dafür an Ihren Veranstalter wenden.

Anspruch auf Ersatzbeförderung haben Sie, wenn Ihr Flug annulliert wird, mehr als fünf Stunden verspätet ist oder Sie aufgrund von Überbuchung nicht mitbefördert werden können. Zudem haben Sie das Recht, Ihre Reise abzubrechen und sich die Ticketkosten erstatten zu lassen. Bei einer Verspätung von mehr als 24 Stunden haben Sie zudem das Anrecht auf Kostenerstattung für ein Ersatzticket, wenn Sie dieses eigenständig buchen.

klugo tipp

Es gibt klare Entschädigungsregelungen bei Flugverspätung zugunsten der Passagiere. Scheuen Sie sich also nicht davor, Ihre Ausgleichsansprüche geltend zu machen.

Entschädigungs- vs. Schadensersatzansprüche

Sollten Ihnen durch die Flugverspätung oder Annullierung Folgeschäden entstehen, haben Sie unter Umständen Anspruch auf Schadensersatz. Dies ist beispielsweise der Fall beim Verpassen wichtiger Termine aufgrund eines verspäteten bzw. annullierten Fluges. Grundsätzlich sind derartige Ansprüche allerdings schwieriger durchzusetzen.

Ihnen stehen Entschädigungs¬leistungen bei Flugverspätungen von mindestens drei Stunden zu: bei Flügen von der bzw. in die EU bis zu 600 Euro pro Person. Sollten Ihnen Folgeschäden entstehen, gibt es die Möglichkeit, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Wann gibt es keinen Anspruch auf Entschädigung?

Grundsätzlich haben Sie keinen Anspruch auf Ausgleichsleistungen, wenn die Verspätung mehr als drei Jahre zurückliegt, Sie zu spät zum Check-In erschienen sind, die Verspätung sich auf weniger als drei Stunden beläuft und bei sogenannten außergewöhnlichen Umständen. Unter diese in Artikel 5, Absatz 3 der EU-Verordnung geregelten Umstände fallen beispielsweise Streiks, extreme Witterungsbedingungen, Naturkatastrophen, Vogelschlag oder terroristische Angriffe.

Bei technischen Defekten kann es unter Umständen sehr wohl zur Durchsetzung eines Anspruchs kommen. Hier ist es wichtig, inwiefern der Defekt außergewöhnlichen Umständen zugeordnet wird oder eben nicht.

Demnach erweist sich folgendes Vorgehen bei einer Flugverspätung oder Annullierung als sinnvoll:

  • Haben Sie alle Unterlagen zur Hand und setzen Sie Ihren Anspruch möglichst zeitnah nach der Flugverspätung durch, um eine Verjährung zu vermeiden.
  • Stellen Sie sicher, dass die Verspätung tatsächlich mehr als 3 Stunden beträgt.
  • Wenden Sie sich an Ihre Fluggesellschaft bzw. holen Sie sich rechtliche Unterstützung im Falle von Schwierigkeiten.
  • Setzen Sie eventuelle Schadensersatzforderungen durch, sofern Ihnen Folgeschäden entstanden sind.

Sollten Sie Fragen bezüglich Ihrer Rechte bei Flugverspätung und -annullierung haben bzw. Probleme bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche, dann nutzen Sie unsere kostenlose Erstberatung.

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