Was passiert nach Fahrverbot & Führerscheinentzug

Bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung droht in schweren Fällen ein Entzug der Fahrerlaubnis, in minderschweren Fällen ein Fahrverbot. Nach der Aussprache einer solchen Strafe gibt es einiges zu beachten.

Was tun, wenn der Führerschein weg ist?

Bei Führerscheinentzug oder wenn ein Fahrverbot verhängt wurde, beginnt für die Betroffenen ein Geduldsspiel. Es gibt klare Regeln, wie man seinen Führerschein wiederbekommt. Und es gibt Möglichkeiten, die Wartezeit zu verkürzen.

Das Fahrverbot wird rechtskräftig, wenn nicht binnen zwei Wochen Einspruch eingelegt wurde. Ersttäter können meist selbst bestimmen, wann sie ihre Strafe antreten. Hierbei gilt eine Frist von vier Monaten. Wiederholungstäter dürfen das nicht. Sobald der zuständigen Behörde der Führerschein vorliegt, beginnt das Verbot.

Anzahl der erteilten Fahrverbote in Deutschland – Infografik
Anzahl der erteilten Fahrverbote in Deutschland – Infografik
Um den Führerschein wiederzuerlangen, gibt es klare Regeln sowie die Möglichkeit, die Wartezeit zu verkürzen. Der Widerspruch gegen ein Fahrverbot muss binnen zwei Wochen erfolgen.

Die Neuerteilung einer Fahrerlaubnis muss beantragt werden. Es ist Sache der Behörde zu prüfen, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Zuständig sind entweder die Gemeinde oder eine eigene Führerscheinstelle. Den Antrag kann man frühestens drei Monate bevor die Sperrfrist abläuft persönlich stellen.

§ 20 FeV: Neuerteilung Fahrerlaubnis


Nach § 20 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (FeV) gelten für eine Neuerteilung einer Fahrerlaubnis dieselben Regeln, wie bei einer Ersterteilung.

Nach § 20 FeV Abs. 2 kann die Fahrerlaubnisbehörde eine Fahrerlaubnisprüfung anordnen, wenn sie davon überzeugt ist, dass die beantragende Person nicht mehr die Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, um ein Fahrzeug sicher zu führen.

Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis

Für den neuen Antrag für die Klassen A, A1, L, M, T oder B, BE (alt: Klasse 1 bzw. Klasse 3 bis 3,5 t Gesamtgewicht einschließlich Anhänger-Fahrerlaubnis) benötigt man:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Führungszeugnis
  • Aktuelles Foto
  • Einverständniserklärung für ein ggf. erforderliches medizinisch-psychologisches Gutachten
  • Sehtestbescheinigung

Bei vor 1969 ausgegebenen Führerscheinen kommt die Bescheinigung zur Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs hinzu. Eine bestandene neue Fahrprüfung wird nur dann verlangt, wenn es Zweifel gibt, dass der Antragsteller die nötigen Kenntnisse besitzt.

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Bei einem erstmaligen Fahrverbot wird in der Regel keine neubestandene Fahrprüfung verlangt. Sollten Sie hierzu doch aufgefordert werden, ist ein Widerspruch meist erfolgreich.

Wenn die Fahrerlaubnis in der Probezeit entzogen wurde, ist die Teilnahme an einem Aufbauseminar verpflichtend. Dann beginnt mit der Neuerteilung auch eine neue Probezeit. Dazu kommt die Restdauer der ersten Probezeit.

Einspruch gegen ein Fahrverbot einlegen

Grundsätzlich haben Sie immer das Recht, Widerspruch gegen ein Fahrverbot oder den Entzug des Führerscheins einzulegen. Ein Führerscheinentzug lässt sich zwar nicht aufheben, aber unter bestimmten Umständen besteht die Möglichkeit ihn zu verzögern, die Sperrzeit zu senken oder Auflagen wie die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) loszuwerden.

Anders ist es beim Fahrverbot: Hier lassen sich Gerichte mitunter darauf ein, das Verbot aufzuheben. Beispielsweise, wenn es eine unzumutbare Härte darstellt. Dann wird aber in der Regel ein höheres Bußgeld fällig.

Auf den Punkt gebracht:

  • Recht auf Widerspruch bei Fahrverbot oder Entzug des Führerscheins
  • Führerscheinentzug kann unter Umständen verzögert werden
  • Strafmaßnahmen wie MPU oder Sperrfristen können gesenkt oder aufgehoben werden
  • Fahrverbot kann von einem Gericht wegen Unzumutbarkeit aufgehoben werden
In bestimmten Härtefällen kann von einem Fahrverbot abgesehen werden, wenn dieses für den Betroffenen unzumutbare Folgen hat.
Helen Karsdorf
Rechtsanwältin

Fahrverbot umgehen

Gerichte können Ausnahmen von der Sperre festlegen. Das gilt für bestimmte Arten von Kraftfahrzeugen, beispielsweise Traktoren. Die Frist selbst kann nur gekürzt werden, wenn das Gericht zu der Auffassung kommt, dass sich die persönliche Lage des Verkehrssünders grundlegend geändert hat. Dies ist gegeben, wenn der Betroffene erfolgreich ein Seminar gegen Alkohol- oder Drogensucht absolviert hat.

Tilgungsregeln im Punktesystem – Infografik
Tilgungsregeln im Punktesystem – Infografik

Wer seinen Führerschein abgeben muss, weil er acht Punkte in Flensburg erreicht hat, kann frühestens nach sechs Monaten auf eine neue Fahrerlaubnis hoffen. Meist muss er die erfolgreiche Teilnahme an einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung nachweisen. Diese muss auch bei Alkoholverstößen vorgelegt werden.

Das Wichtigste zum Thema Fahrverbot und Führerscheinentzug für Sie zusammengefasst:

  • Regeln zur Wiedererlangung des Führerscheins beachten
  • Gegebenenfalls Widerspruch einlegen
  • Alle Dokumente für eine Neuerteilung der Fahrerlaubnis bereithalten

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Führerscheinentzug und Fahrverbot helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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