Ursachen, Beispiele und Lösungsansätze Konflikte mit Versicherungen
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Versicherungen sollen im Schadensfall Sicherheit bieten und finanzielle Risiken abfedern. In der Praxis kommt es jedoch immer wieder zu Konflikten zwischen Versicherungsnehmern und Versicherungen. Häufig fühlen sich Versicherte benachteiligt, wenn Leistungen gekürzt, verzögert oder ganz abgelehnt werden. Besonders bei Unfällen oder Schadensereignissen entstehen schnell Meinungsverschiedenheiten über Schuld, Fahrlässigkeit oder die Höhe der Entschädigung.
Erfahre, welche Situationen häufig zu Konflikten führen und wie du sie lösen kannst.
Konflikte mit Versicherungen Das Wichtigste in Kürze
Konflikte entstehen oft bei Verkehrsunfällen, Feuerwerksunfällen oder Alkohol im Zusammenhang mit Schäden.
Häufige Streitpunkte sind Haftungsfragen, Fahrlässigkeit und die Schadensregulierung.
Unklare Vertragsbedingungen und mangelhafte Kommunikation verschärfen Konflikte.
Durch gute Vorbereitung, Dokumentation und Beratung lassen sich viele Streitfälle vermeiden.
Drei typische Konflikte mit Versicherungen
Nicht jeder Schadensfall verläuft reibungslos – vor allem in bestimmten Situationen kommt es immer wieder zu Problemen. Drei Situationen sorgen besonders oft für Streit mit der Versicherung: Verkehrsunfälle, Feuerwerksunfälle und Unfälle unter Alkoholeinfluss.
1. Verkehrsunfall: Wer hat Schuld?
Verkehrsunfälle zählen zu den häufigsten Ursachen für Streitigkeiten mit Versicherungen. Im Mittelpunkt steht dabei fast immer eine Frage: Wer hat den Unfall verursacht? Davon hängt ab, wer für den entstandenen Schaden aufkommen muss. Entsprechend genau prüfen Versicherungen, ob und in welchem Umfang ihr Versicherungsnehmer haftet.
Unterschiedliche Unfallhergänge, widersprüchliche Aussagen, fehlende Zeugen oder eine unklare Beweislage führen häufig zu Verzögerungen bei der Regulierung oder dazu, dass nur eine Teilhaftung anerkannt wird.
Ein weiterer Streitpunkt ist oft die Höhe des Schadens. Während Versicherungen sich auf eigene Gutachten stützen, machen Geschädigte häufig höhere Reparaturkosten geltend. Besonders bei Vorschäden oder bei einem wirtschaftlichen Totalschaden kommt es immer wieder zu Konflikten.
⚠️ Wichtiger Unterschied: Fahrlässigkeit oder grobe Fahrlässigkeit
Fahrlässig handelt, wer die im Straßenverkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Von grob fahrlässigem Verhalten spricht man, wenn besonders schwerwiegend und leichtsinnig gegen Sorgfaltspflichten verstoßen wird – etwa durch extremes Rasen, Fahren unter Alkoholeinfluss (ab 1,1 Promille) oder gefährliche Ablenkung (z. B. Handynutzung mit Unfallfolge).
Bei grober Fahrlässigkeit kann die Versicherung ihre Leistungen angemessen kürzen oder bereits gezahlte Beträge ganz oder teilweise zurückfordern (Regress). Die Entscheidung trifft die Versicherung im Einzelfall. Der Versicherte kann diese Einschätzung gerichtlich überprüfen lassen, wenn er sie für unangemessen hält. Ob eine Kürzung oder ein Regress tatsächlich erfolgt, hängt von den Umständen des Falls und den vertraglichen Regelungen ab.
📌 Beispiel:
Ein Polizist verursacht im Dienst einen Verkehrsunfall mit seinem Dienstwagen. Er hat das Blaulicht verspätet eingeschalten und eine rote Ampel ohne eingeschaltetes Martinshorn überfahren. Das Gericht urteilte, dass dieses Verhalten grob fahrlässig war, weshalb der Polizist die Schäden am Wagen übernehmen muss (VG Münster, Urt. v. 05.09.2016 – 4 K 1534/15).
2. Feuerwerksunfall: Wer hat denn Unfall verursacht?
Eine Silvesterrakete, die nach hinten losgeht oder auf einem Balkon landet und dort einen Brand verursacht – rund um Silvester passieren regelmäßig Feuerwerksunfälle. Wird Feuerwerk unsachgemäß oder illegal verwendet, kann der Versicherungsschutz komplett entfallen.
Kommt es zu Verletzungen oder Schäden am Eigentum anderer, greift in der Regel die Privathaftpflichtversicherung – allerdings nur, wenn kein vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten vorliegt.
⚠️ Besonders knifflig: Oft ist nicht klar, wer den Schaden tatsächlich verursacht hat, vor allem, wenn mehrere Personen beteiligt sind. In solchen Fällen lehnen Versicherungen die Schadensregulierung häufig ab, solange der Verursacher nicht eindeutig feststellbar ist.
📌 Beispiel:
Zu den bekanntesten Feuerwerksunfällen gehört der Brand eines gesamten Gebäudekomplexes an Silvester. Eine Rakete eines Nachbarn landete versehentlich in einer Scheune und setzte diese in Brand. Der Gebäudeversicherer verlangte daraufhin vom Nachbarn Schadenersatz in Höhe von 420.000 Euro. Der Bundesgerichtshof wies die Forderung jedoch zurück, da keine schuldhafte Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vorlag (BGH, Urt. v. 18.09.2009 - V ZR 75/08, NJW 2009, 3787).
3. Unfälle unter Alkoholeinfluss: Wer zahlt?
Alkohol spielt bei vielen Unfällen eine entscheidende Rolle – und sorgt oft für Streit mit der Versicherung. Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt zwar grundsätzlich Schäden an Dritten, kann den alkoholisierten Fahrer danach aber in Regress nehmen. Bei Kaskoversicherungen droht hingegen eine Kürzung oder sogar vollständige Ablehnung der Schadensregulierung.
⚠️ Wichtig: Schon hohe Promillewerte sind nicht automatisch ausschlaggebend. Entscheidend ist, ob der Alkohol den Unfall tatsächlich verursacht hat. Bei besonders starker Alkoholisierung werten Versicherungen das Verhalten oft als grobe Fahrlässigkeit, sodass der Schaden am eigenen Fahrzeug häufig nicht ersetzt wird.
📌 Beispiel:
Ein Porschefahrer verursachte mit 1,98 Promille einen Unfall, als er gegen eine Wand fuhr. Seine Kaskoversicherung verweigerte daraufhin die Schadensübernahme. Der Fahrer klagte dagegen, scheiterte jedoch sowohl vor dem Landgericht als auch vor dem Kammergericht Berlin. Die Gerichte entschieden, dass bei absoluter Fahruntüchtigkeit grobe Fahrlässigkeit vorliegt und die Versicherung deshalb vollständig leistungsfrei ist (KG Berlin – Az.: 6 U 39/21).
Die häufigsten Ursachen für Konflikte
Ärger mit der Versicherung entsteht selten ohne Grund. Häufig führen Missverständnisse, unterschiedliche Bewertungen oder mangelnde Kommunikation dazu, dass es zum Streit kommt.
Das sind die häufigsten Ursachen für Konflikte:
Unklare Vertragsbedingungen: Versicherungsverträge sind oft komplex formuliert. Unverständliche Klauseln führen dazu, dass Versicherte Leistungen erwarten, die vertraglich ausgeschlossen sind.
Unterschiedliche Interpretation von „Verschulden“ und „Fahrlässigkeit“: Versicherungen bewerten Situationen häufig strenger als Versicherungsnehmer. Was für dich ein Missgeschick ist, gilt für die Versicherung als grobe Fahrlässigkeit.
Verzögerungen oder Ablehnung bei der Schadensregulierung: Lange Bearbeitungszeiten, wiederholte Nachfragen oder pauschale Ablehnungen sorgen für Frustration und Misstrauen.
Fehlende Kommunikation: Unklare Rückmeldungen, Fachsprache oder fehlende Ansprechpartner verschärfen bestehende Konflikte erheblich.
Tipps für den Umgang mit Konflikten
Als Versicherungsnehmer bist du häufig in einer schwächeren Position: Die Kommunikation dauert oft lange und Versicherungsverträge sind meist kompliziert formuliert. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, Konflikte zu vermeiden oder zu lösen:
Kommunikation und Dokumentation: Melde Schäden möglichst sofort und sammle alle relevanten Unterlagen wie Fotos, Rechnungen und Gesprächsnotizen. Eine vollständige Dokumentation hilft, Missverständnisse und Verzögerungen zu vermeiden.
Unterstützung bei Konflikten: Besteht bereits Streit, können ein Fachanwalt für Versicherungsrecht oder ein Mediator helfen, die rechtliche Lage zu klären oder eine außergerichtliche Lösung zu finden.
Schlichtungsstellen nutzen: Nahezu alle Versicherungen sind Mitglied im Verein Versicherungsombudsmann e. V. Dort kannst du Streitigkeiten kostenfrei außergerichtlich klären lassen. Innerhalb von etwa drei Monaten erhältst du eine Empfehlung oder die Versicherung wird zur Leistung verpflichtet.
Prävention: Überprüfe deine Versicherungsverträge regelmäßig: Passen die Leistungen noch zu deiner Lebenssituation? Vermeide typische Konfliktursachen wie Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben.
Konflikte entstehen größtenteils durch unklare Verträge, unterschiedliche Bewertungen von Fahrlässigkeit oder schlechte Kommunikation. Wer gut vorbereitet ist und transparent kommuniziert, kann viele Streitfälle vermeiden.
Hast du Streit mit deiner Versicherung, kann ein Anwalt dich effektiv unterstützen. Er prüft, ob die Versicherung korrekt handelt, übernimmt den Schriftverkehr, sichert Beweise und verhandelt für dich.
💡 Tipp: Du musst nicht gleich klagen. Schon eine erste rechtliche Einschätzung kann dir helfen, deine Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen und die nächsten Schritte zu planen.