Mittäterschaft
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Mittäterschaft – Wann ist sie gegeben und was gilt rechtlich?

STAND 14.11.2023 | LESEZEIT 3 MIN

Den Begriff Mittäterschaft hört man häufiger. Aber was bedeutet er eigentlich und welche Voraussetzungen müssen gegeben sein für eine Mittäterschaft? Dieser Beitrag klärt auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn eine Straftat gemeinsam begangen wird, so spricht man von einer Mittäterschaft.
  • Neben der Mittäterschaft gibt es auch die Einordnung als Anstifter und Gehilfe.
  • Mittäterschaft entspricht nicht der mittelbaren Täterschaft, auch wenn diese Begriffe gerne verwechselt werden.
  • Es existieren bestimmte Merkmale, anhand derer überprüft wird, ob eine Mittäterschaft vorliegt.
  • Auch interessant sind die Begriffe der sukzessiven, der versuchten und der fahrlässigen Mittäterschaft, auf welche wir nachfolgend eingehen.

Was bedeutet Mittäterschaft?

Mittäter wird man, wenn man gemeinschaftlich eine Straftat begeht (§ 25 Abs. 2 StGB). Hierbei muss ein sogenanntes bewusstes Wollen und Zusammenwirken stattfinden. Dies geht zumeist mit einer gewissen Planung einher. Ein Mittäter ist man bereits, wenn man eine Tat unterstützt oder bei der Vorbereitung hilft. Es muss darüber hinaus immer mehr als einen Täter geben, um von einer Mittäterschaft zu sprechen. Das Gegenteil der Mittäterschaft ist die Alleintäterschaft.

Oft wird auch der Begriff „mittelbare Täterschaft“ erwähnt. Allerdings instrumentalisiert in diesem Fall ein Haupttäter den eigentlichen Täter für seine Zwecke eine Tat zu verüben.

Beispiel für Mittäterschaft

Ein Beispiel für Mittäterschaft ist gemeinsam begangener Diebstahl (§§ 242, 25 Abs. 2 StGB). Wenn zwei oder mehrere Personen sich dazu verabreden, gemeinsam einen Diebstahl zu planen und auszuführen, so liegt hier eine Mittäterschaft vor. Hier kann schon ein arbeitsteiliges Handeln genügen; nicht jeder Täter muss den kompletten Tatbestand erfüllen.

Welche Punkte werden bei der Beurteilung betrachtet?

Um eine Mittäterschaft einzuordnen verwenden Gerichte zur Urteilsfindung folgende Punkte:

  • Gemeinsamer Tatplan
  • Zustimmung alle Beteiligten zur Tat
  • Gemeinsame Ausführung der Tat
  • Beurteilung der jeweiligen Rolle der Beteiligten

Welche Strafe gibt es für eine Mittäterschaft?

Das hängt vom jeweiligen Delikt und dem Strafmaß für den Haupttäter ab. Nehmen wir die gemeinschaftlich begangene schwere Körperverletzung als Beispiel. Die Freiheitsstrafe hierfür kann zwischen 12 Monaten und 10 Jahren liegen. Es wird zuerst einmal geprüft, welche Rolle die jeweiligen Angeklagten übernommen haben. Wird festgestellt, dass es sich bei den Angeklagten um Mittäter handelt, so findet hier §§ 223, 226, 25 Abs. 2 StGB Anwendung. Ein geringeres Strafmaß wird verkündet, wenn festgestellt wird, dass der Angeklagte nur als Gehilfe und nicht als Mittäter in Erscheinung trat. Ein Gehilfe erhält zumeist ein geringeres Strafmaß.

Was versteht man unter sukzessiver Mittäterschaft?

Bei der sukzessiven Täterschaft hat ein Täter bereits begonnen und ein weiterer wohnt nun der Straftat bei. Auch hier gibt es einen Haupttäter und einen Mittäter.

Wann ist eine versuchte Mittäterschaft gegeben und ist der Versuch strafbar?

Eine versuchte Mittäterschaft ist relativ einfach erklärt. Sie liegt dann vor, wenn mindestens zwei Personen eine Tat planen, diese vorbereiten, aber sie nicht stattfindet. Beispielsweise kann dies ein Überfall sein, welcher aber nicht vollzogen wird, weil die Polizei rechtzeitig eintrifft und den Überfall verhindert. Obwohl der Überfall nicht stattfand, wäre eine Verurteilung wegen versuchter Mittäterschaft juristisch möglich.

Wird eine fahrlässige Mittäterschaft bestraft?

Auch bei einer fahrlässigen Mittäterschaft werden mindestens 2 Menschen benötigt. Fahrlässigkeit bedeutet zuerst einmal, dass kein Vorsatz gegeben ist. Stattdessen geschah ein Ereignis aufgrund einer vermeidbaren Handlung, welche nicht geplant war. Zumeist wird eine fahrlässige Mittäterschaft nicht bestraft.

Beispiel:

Fahrlässige Mittäterschaft liegt zumeist vor, wenn mindestens 2 Personen eine Tat begehen, wodurch es zu einem Schaden kommt. Das kann ein Sachschaden sein oder auch Menschen können dabei zu Schaden kommen. Es wurde jedoch ohne Vorsatz gehandelt und der Schaden entstand durch Fahrlässigkeit. Im Kern geht es darum, dass ein Schaden durch ein Handeln entstand, welches vermeidbar war. Das steht im Gegensatz dazu, wenn sich eine oder mehrere Personen dazu entschließen eine Straftat zu begehen. Dies hat nichts mehr mit Fahrlässigkeit gemein.

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