Was du wissen musst Wirecard-Klage: So gut sind deine Erfolgsaussichten
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Aktualisiert im April 2026 – dieser Beitrag berücksichtigt die neuesten Entwicklungen im Wirecard-Verfahren.
Der Wirecard-Skandal hat tausende Anleger und Investoren hart getroffen. Viele Anleger haben erhebliche Verluste erlitten und möchten nun Schadensersatzansprüche geltend machen. Doch wie gut sind die Erfolgsaussichten für eine Klage gegen Wirecard und andere Beteiligte?
In diesem Beitrag geben wir dir einen Überblick über die aktuelle Situation im Jahr 2026, Möglichkeiten, gegen Wirecard und Verantwortliche vorzugehen, deine Erfolgschancen und geben dir Tipps, wie du deine Ansprüche am besten durchsetzen kannst.
Wirecard-Klage ☝️ Das Wichtigste in Kürze
Die Verantwortlichen im Wirecard-Skandal werden weiterhin zur Rechenschaft gezogen.
Zu den Verantwortlichen zählt nicht nur Wirecard selbst, sondern auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) sowie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Betroffene sollten prüfen, ob sie individuelle Schadensersatzansprüche gegen EY geltend machen können.
Sammelklagen oder eine Teilnahme am KapMuG-Musterverfahren sind seit Februar 2025 nicht mehr möglich.
Wie gehe ich vor, wenn ich Anspruch geltend machen will?
Rechtsberatung: Wende dich an einen Anwalt, der sich auf Kapitalmarktrecht spezialisiert hat, um eine Einschätzung deiner Erfolgsaussichten und der Schadenshöhe zu erhalten.
Dokumentation: Sammel alle relevanten Dokumente, wie beispielsweise Kauf- und Verkaufsbelege, um den Schaden nachzuweisen.
Klageeinreichung: Wenn der Anwalt eine Klage für aussichtsreich hält und du dem Ganzen zustimmst, wird er für dich eine individuelle Einzelklage in die Wege leiten, da Sammelklagen und Beteiligungen am KapMuG-Musterverfahren gegen EY nicht mehr zulässig sind.
Wir bei KLUGO vermittlen dich schnell und umkompliziert zum passenden Anwalt und Rechtexperten für dein Anliegen.
💡 KLUGO Tipp:
Reagiere nicht überstürzt – sichere alle Belege sorgfältig und such frühzeitig fachkundige Unterstützung, um deine Ansprüche bestmöglich durchzusetzen.
Worum genau geht es in dem Wirecard-Skandal?
Der Wirecard-Skandal ist ein Finanzskandal, der im Jahr 2020 aufgedeckt wurde und bis heute Anleger und Gerichte beschäftigt.
Im Mittelpunkt steht dabei das deutsche Unternehmen Wirecard, das ursprünglich als Zahlungsabwickler und Anbieter von Finanzdienstleistungen tätig war. Er gilt als einer der größten Finanzskandale in der Geschichte Deutschlands und hat das Vertrauen in die Finanz- und Regulierungsinstitutionen erschüttert.
Im Juni 2020 gab das Unternehmen bekannt, dass 1,9 Milliarden Euro nicht auffindbar seien und dass es sich wahrscheinlich um einen Betrug handele. Die Aktien von Wirecard brachen daraufhin massiv ein. Kurz darauf stellte das Unternehmen einen Antrag auf Insolvenz.
Die Ermittlungen der deutschen Behörden ergaben, dass es sich bei den fehlenden Milliarden um eine Erfindung handelte und dass das Unternehmen seit Jahren falsche Bilanzen erstellt hatte, um Investoren und Regulierungsbehörden zu täuschen. Der Vorstand und andere Mitarbeiter wurden beschuldigt, in den Betrug verwickelt zu sein, und es kam zu Verhaftungen und Anklagen. Der Finanzprüfer EY und die BaFin hatten die manipulierten Geschäftsberichte von Wirecard jahrelang abgesegnet und sich so mitschuldig gemacht.
Was ist im Musterverfahren passiert?
Das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) wurde geschaffen, um Klagen geschädigter Anleger zu bündeln. Im Wirecard-Fall wurde das KapMuG-Verfahren 2020 eröffnet.
Am 28. Februar 2025 entschied jedoch das Bayerische Oberste Landesgericht, dass Klagen gegen EY nicht im Rahmen des Musterverfahrens geführt werden können. Die Möglichkeit kollektiver Klagen gegen EY ist damit entfallen. Anleger müssen ihre Forderungen jetzt individuell geltend machen.
Wirecard-Insolvenzverfahren & Erfolgsaussichten (Stand: November 2025)
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im November 2025 endgültig festgestellt, dass Wirecard-Aktionäre im Insolvenzverfahren ganz hinten in der Schlange stehen. Zuerst werden alle anderen Gläubiger (z. B. Banken oder Lieferanten) bedient. Erst wenn danach noch Geld übrig bleibt, kämen die Aktionäre dran. Das Problem: Die Insolvenzmasse beträgt nur etwa 650 Millionen Euro – die Forderungen aller Gläubiger liegen aber bei über 15 Milliarden Euro. ⚠️ Die Chance, dass für Aktionäre noch etwas übrig bleibt, ist daher praktisch gleich null
Trotzdem können sie weiterhin individuelle Schadensersatzklagen gegen andere Verantwortliche wie die Wirtschaftsprüfung EY einreichen. Diese Verfahren sind aber oft kompliziert und aufwendig.
Übersicht der Erfolgsaussichten
Wirecard AG: Aufgrund der Insolvenz kaum Chancen auf Rückzahlung aus der Insolvenzmasse. Nachrangigkeit der Ansprüche durch den BGH bestätigt.
EY: Einzelklagen gegen EY wegen Verletzung von Prüfpflichten sind weiterhin möglich und gelten aktuell als die aussichtsreichste Option für Betroffene. Allerdings sind diese Verfahren komplex, langwierig und der Ausgang ist offen. Experten gehen davon aus, dass viele Klagen in außergerichtlichen Vergleichen enden könnten, bei denen Anleger nur einen Teil ihrer Forderungen erstattet bekommen
BaFin: Amtshaftungsklagen gegen die BaFin sind laut Oberlandesgericht Düsseldorf vom September 2025 weiterhin aussichtslos. Das Gericht sieht weder eine Pflichtverletzung noch einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verhalten der BaFin und den erlittenen Verlusten.
Zusammenfassung der Rechtslage für Anleger
Die rechtlichen Möglichkeiten für dich als Wirecard-Anleger sind stark eingeschränkt.
Sammelklagen oder Musterverfahren gegen EY sind seit Februar 2025 nicht mehr möglich. Nur individuelle Einzelklagen bleiben als Option.
Der BGH hat die Nachrangigkeit der Aktionärsansprüche im Insolvenzverfahren bestätigt: Aktionäre erhalten nur dann Geld, wenn nach der Befriedigung aller anderen Gläubiger noch ein Überschuss vorhanden ist – was nach aktuellem Stand (April 2026) extrem unwahrscheinlich ist.
Klagen gegen die insolvente Wirecard AG im Insolvenzverfahren sind mit begrenzten Erfolgsaussichten verbunden.
Amtshaftungsklagen gegen die BaFin sind nach aktueller Rechtsprechung aussichtslos.
👉 Eine frühzeitige spezialisierte Rechtsberatung ist dringend ratsam, um zu prüfen, ob eine Einzelklage gegen EY oder andere Verantwortliche in deinem Fall sinnvoll ist. Die Erfolgsaussichten hängen stark von deiner individuellen Situation und der Dokumentation deines Schadens ab.
Rechtliche Beratung für geschädigte Wirecard-Anleger
Du gehörst zu den Geschädigten des Wirecard-Skandals? Dann raten wir dir, deine Ansprüche individuell prüfen zu lassen und gegebenenfalls rechtliche Schritte einzuleiten.
Ein Fachanwalt für Bankrecht und Kapitalmarktrecht kann dir helfen, deine Situation zu beurteilen und sinnvolle rechtliche Maßnahmen zu finden.