Grundstücksgrenzen & Grenzabstände

Grenzabstände betreffen jeden, der ein eigenes Grundstück hat. Diese werden nach festgelegten Formeln berechnet, die von Bundesland zu Bundesland variieren. Informationen zu den verschiedenen Regelungen finden Sie hier.

Wo sind Grenzabstände geregelt?

Die Regelungen zu Grenzabständen sind in der Landesbauordnung geregelt. Diese Regelungen sind sehr umfangreich, auch weil es in der Vergangenheit bereits viele richterliche Entscheidungen diesbezüglich gab. Gerade für die Bepflanzung des eigenen Grundstücks und für dessen Bebauung ist es erforderlich, die eigenen Grundstücksgrenzen zu kennen.

Die Ermittlung der Grundstücksgrenze

Zur Einhaltung der Vorschriften zu Grenzabständen muss zunächst die Grundstücksgrenze ermittelt werden. Diese wird nicht durch Mauern oder Zäune angezeigt, auch wenn diese oftmals von außen als Grenze wahrgenommen werden. Um die Grundstücksgrenze zu ermitteln, gibt es spezielle Markierungen. Diese Grenzsteine sind in der Regel aus Beton, Stein oder auch Kunststoff und tief im Boden verankert. Wird eine Schnur von der Mitte des einen Grenzsteins zur Mitte des anderen Grenzsteins gespannt, wird die genaue Grenze sichtbar. Diese Grenzsteine dürfen nicht entfernt oder überbaut werden.

Abstandsflächenberechnung – Infografik
Abstandsflächenberechnung – Infografik

Was tun, wenn die Grenzsteine fehlen?

Besteht der Verdacht, dass die Grenzsteine versetzt wurden oder fehlt einer oder gar mehrere, können die Grundstücksgrenzen dennoch ermittelt werden. In diesem Fall wird das Vermessungsamt das Grundstück erneut vermessen und im Anschluss die Markierungen neu setzen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf etwa 1.500 Euro und werden vom Antragsteller getragen.

Die eigentliche Grenze eines Grundstücks ist durch Grenzsteine markiert. Diese sind oft nicht auf den ersten Blick sichtbar. Die eigentliche Grenze ergibt sich durch die Luftlinie von einem Stein zum anderen. Es ist verboten, die Grenzsteine zu entfernen oder baulich zu verändern.

Abstandsfläche

Jedes Gebäude muss einen Mindestabstand zum Grundstück des Nachbarn einhalten. In der Regel gilt, dass dieser mindestens drei Meter betragen soll. Die Regeln zum Abstand variieren aber je nach Bundesland. Da die Abstandsfläche mit einer Formel berechnet wird, die die Wandhöhe des betreffenden Gebäudes als Grundlage hat, kann diese durchaus die geforderten drei Meter überschreiten. Die Wandhöhe wird in der Formel als „H“ bezeichnet. Je nach Bundesland und Baugebiet unterscheidet sich der Faktor, mit dem H multipliziert wird. Das Ergebnis dieser Formel ist dann der Mindestabstand, der zur Grundstücksgrenze eingehalten werden muss.

Wer das Einverständnis seines Nachbarn und die Genehmigung vom zuständigen Bauamt erhält, dem ist es auch erlaubt, Gebäude näher oder direkt an der Grundstücksgrenze zu errichten.
Oliver Girrbach
Fachanwalt für Verwaltungsrecht

Sonderregelungen bei den Grenzabständen

Sonderregelungen bei Grenzabständen gelten bei:

  • Gebäuden wie Garagen
  • Nebengebäuden
  • Bäumen und Büschen

Es gibt Gebäude wie Garagen und Nebengebäude, für die eine Sonderregelung gilt. Diese können in der Regel innerhalb der eigentlichen Abstandsfläche gebaut werden. Sind sie sehr klein, so ist ihr Bau in manchen Bundesländern sogar genehmigungsfrei möglich.

Abstandsflächen nach § 6 LBO


Die Sonderfälle für Abstandsregelungen bestimmter Gebäudearten sind nach § 6 der Landesbauverordnung geregelt:

Absatz (1) regelt die Ausnahmen von Abstandsregelungen für bestimmte Gebäudearten. Dazu gehören Gebäude mit einer Höhe von weniger als einem Meter, Garagen, sehr kleine Gebäude oder Gewächshäuser.

Absatz (2) bestimmt, dass Abstandsgrenzen, die dennoch gewahrt werden, gegenüber der Nachbargrenze eine Tiefe von wenigstens einem halben Meter haben müssen.

Bei Bäumen und Büschen bezieht sich die Regel zum Abstand auf die Höhe der Pflanzen. Hier wird in der Regel gefordert, diese nicht über eine festgelegte Höhe wachsen zu lassen. Wird der Grenzabstand von Pflanzen überschritten, so ist der Besitzer der Pflanze verpflichtet, diese in regelmäßigen Zeitabständen zurückzuschneiden. Selbst wenn Äste einer Pflanze auf Ihr Grundstück wachsen, dürfen Sie diese daher nicht ohne Einwilligung des Besitzers kürzen – selbiger ist jedoch zum Kürzen verpflichtet.

klugo tipp

Wenn ein Baum oder Strauch Ihres Nachbarn über Ihre Grundstücksgrenze wächst, können Sie ihn auffordern, diesen zu kürzen. Kommt er dem nicht nach, können Sie ihm eine angemessene Frist setzen, um dies zu erledigen, und bei Fristüberschreitung selbst kürzen.

Abschließend fassen wir noch einmal zusammen, was Sie bei Grundstücksgrenzen beachten sollten:

  • Die eigentliche Grenze eines Grundstücks wird durch Grenzsteine festgelegt. Die Luftlinie zwischen zwei Steinen zeigt die Grenze an.
  • Bestimmt wird die Grenze eines Grundstückes nach der Landesbauordnung. Die Formel, nach der eine Grenze berechnet wird, variiert.
  • Grenzsteine dürfen nicht entfernt werden.
  • Für einige Gebäude gelten Sonderregelungen.
  • Bei einer Überschreitung der Grundstücksgrenze durch etwa überragende Äste haben Sie ein Anrecht auf Kürzung durch den Nachbarn.

Bei Fragen zum Thema Grundstücksgrenzen und Grenzabstände helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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