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Rechtliches im Ramadan: Was Menschen in Deutschland wissen sollten

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Der Ramadan ist für viele Menschen eine Zeit des Fastens, der Besinnung und des Gebets. In Deutschland stellt sich dabei oft die Frage, wie religiöse Praktiken mit den rechtlichen Rahmenbedingungen vereinbar sind. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte in den Bereichen Arbeitsrecht, Schule, Steuern, Mietrecht und Antidiskriminierung.

von KLUGO
05.02.2026
6 Min Lesezeit

Rechtliches im Ramadan ☝️ Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitgebende sollen Gebetspausen und flexible Arbeitszeiten ermöglichen, wenn betrieblich möglich.

  • Bei gesundheitlichen Problemen durch Fasten gelten die Regeln der Entgeltfortzahlung mit Attest.

  • Befreiung vom Sportunterricht ist möglich, Prüfungstermine bleiben – individuelle Lösungen mit Lehrkräften suchen.

  • Zakat-Spenden an gemeinnützige Organisationen sind steuerlich absetzbar.

  • Ruhezeiten in Mehrfamilienhäusern gelten, aber offene Gespräche mit Nachbarn helfen, Konflikte zu vermeiden.

1. Arbeitsrecht: Fasten und Berufsalltag

Wer den Ramadan einhält, fastet von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Dies kann im Berufsalltag Herausforderungen mit sich bringen – etwa bei der Einhaltung von Gebetszeiten oder der Arbeitsbelastung ohne Nahrungsaufnahme.

Wichtige Punkte im Überblick

  • Flexible Arbeitszeiten und Pausen: Arbeitgebende sind nicht verpflichtet, spezielle Gebetspausen zu gewähren. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sollten sie religiöse Bedürfnisse jedoch berücksichtigen, sofern keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Eine frühzeitige Absprache mit der Vorgesetzten/dem Vorgesetzten ist ratsam, um individuelle Lösungen zu finden (z. B. angepasste Schichtzeiten oder Pausen für das Gebet).

  • Gesundheitliche Aspekte: Wenn das Fasten zu gesundheitlichen Problemen führt, kann bei Vorlage eines ärztlichen Attests Anspruch auf Entgeltfortzahlung bestehen. Empfehlenswert ist ein offenes Gespräch mit der Führungskraft, um vorübergehende Anpassungen zu ermöglichen.

  • Urlaub während des Ramadans: Ein automatischer Anspruch auf Sonderurlaub besteht nicht. Urlaub muss wie üblich beantragt und genehmigt werden. Frühzeitige Planung und Abstimmung mit Kollegen sind empfehlenswert.

2. Schule und Ausbildung

Für Schüler und Studierende, die den Ramadan einhalten, können Schul- und Prüfungstermine eine Herausforderung darstellen.

Befreiung vom Sportunterricht: Schülerinnen und Schüler können aus religiösen Gründen eine Befreiung vom Sportunterricht beantragen. In der Regel genügt dafür ein formloser Antrag an die Schule; im Einzelfall können jedoch weitere Nachweise erforderlich sein.

Prüfungen und schulische Pflichten: Prüfungstermine werden nicht automatisch verschoben. Viele Schulen und Hochschulen sind jedoch bereit, individuelle Lösungen zu finden (z. B. Verlegung auf spätere Uhrzeiten). Eine frühzeitige Kommunikation mit Lehrkräften oder Prüfungsämtern ist entscheidend.

3. Steuern: Zakat und Spenden

Die Zakat, eine im Islam verpflichtende Abgabe, kann in Deutschland steuerlich geltend gemacht werden:

  • Spenden an als gemeinnützig anerkannte Organisationen (z. B. Moscheevereine mit Gemeinnützigkeitsstatus) sind nach § 10b EStG als Sonderausgaben absetzbar.

  • Wichtig: Spendenquittung ausstellen lassen und bei der Steuererklärung einreichen.

Achtung bei Spenden ins Ausland:
Spenden an ausländische Organisationen sind nur absetzbar, wenn diese von den deutschen Finanzbehörden als gemeinnützig anerkannt sind. Prüfen Sie vorab:

  • Ob die Empfängerorganisation eine deutsche Spendenbescheinigung ausstellen kann.

  • Ob ein Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Zielland besteht (z. B. Türkei oder Marokko).

💡 Tipp: Bei Unsicherheit hilft ein kurzer Check beim Bundeszentralamt für Steuern.

4. Mietrecht: Rücksichtnahme auf Nachbarn

In Familien, die den Ramadan begehen, werden die Nächte oft für gemeinsame Gebete und Mahlzeiten genutzt. In Mehrfamilienhäusern kann dies zu Konflikten führen: Mietparteien müssen die Hausordnung einhalten (meist Ruhezeiten von 22 bis 6 Uhr). Eine offene Kommunikation mit Nachbarn und Vermietern hilft, Kompromisse zu finden.

💡 Tipp:  Sprich deine Nachbarn frühzeitig an und erkläre, dass nächtliche Aktivitäten Teil des religiösen Festmonats sind. Oft genügt das, um Verständnis zu schaffen.

5. Öffentliches Leben

Viele Städte bieten während des Ramadans flexible Öffnungszeiten an. Es lohnt sich, bei der lokalen Verwaltung nach spezifischen Regelungen für Bürgerämter oder öffentliche Einrichtungen zu fragen.

6. Häufige Konflikte und Lösungen

Im Ramadan kann es in verschiedenen Lebensbereichen zu Konflikten kommen, hier sind drei typische Konfliktsituationen und praktische Lösungswege:

1. Arbeitgeber verweigert Gebetspausen

⚠️ Problem: Dein Arbeitgeber lehnt es ab, dir während der Arbeitszeit Pausen für das Gebet zu gewähren.

✅ Lösung: Suche zunächst das offene Gespräch mit deinem Vorgesetzten. Erkläre deine religiösen Bedürfnisse und versucht gemeinsam, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten passt. Falls ihr euch nicht einigen könnt, ziehe den Betriebsrat oder eine Gewerkschaft als Vermittler hinzu. So hast du Unterstützung und eine neutrale Instanz, die helfen kann.

💡 Tipp: Halte alle Absprachen schriftlich fest. Das vermeidet Missverständnisse und gibt dir Sicherheit, falls es später doch Fragen gibt.

2. Vermieter verbietet nächtliche Gebete

⚠️ Problem: Dein Vermieter verbietet dir die nächtlichen Gebete mit Verweis auf die Hausordnung.

✅ Lösung: Zuerst solltest du überprüfen, ob die Hausordnung tatsächlich nächtliche Gebete verbietet oder nur Lärmbelästigung vermeinden soll. Oft geht es um die Lautstärke, nicht um die religiöse Handlung selbst. Sprich deinen Vermieter direkt an und erkläre deine Situation. Schlage vor, leiser zu beten, die Zeiten anzupassen oder einen anderen Raum zu nutzen, um die Nachbarn nicht zu stören. Falls ihr euch nicht einigen könnt, bietet sich eine Mediation an, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

💡 Tipp: In Deutschland ist deine Religionsfreiheit gesetzlich geschützt, sodass ein pauschales Verbot schwer durchsetzbar ist. Falls nötig, kannst du dich an den Mieterbund oder einen Anwalt wenden, um deine Rechte zu klären.

3. Schule lehnt Befreiung vom Sportunterricht ab

⚠️ Problem: Deine Schule oder die deiner Kinder verweigert die Befreiung vom Sportunterricht während des Ramadans.

✅ Lösung: Reiche einen schriftlichen Antrag mit klarer religiöser Begründung bei der Schule ein. Falls abgelehnt, kontaktiere die Schulaufsichtsbehörde oder die Antidiskriminierungsstelle des Bundes für Unterstützung.

💡 Tipp: In allen Fällen ist eine frühzeitige und respektvolle Kommunikation entscheidend. Bei rechtlichen Unsicherheiten helfen Beratungsstellen wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Der Ramadan in Deutschland lebt von einem respektvollen, toleranten und lösungsorientierten Miteinander. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bieten zwar Orientierung, doch erst durch offene Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und die Bereitschaft zu Kompromissen entsteht ein harmonisches Zusammenleben. So wird der Fastenmonat nicht nur zu einer Zeit der Besinnung, sondern auch zu einer Chance, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Häufige Fragen

Darf ich während der Arbeitszeit beten?

Ja, sofern betriebliche Abläufe nicht gestört werden. Eine schriftliche Absprache mit dem Arbeitgeber ist empfehlenswert.

Kann ich meinen Urlaub für den Ramadan beantragen?

Ja, aber kein Sonderurlaubsanspruch. Frühzeitige Planung ist ratsam.

Was tun bei Diskriminierung wegen des Ramadans?
  1. Vorfälle dokumentieren.

  2. Gespräch mit der verantwortlichen Stelle suchen.

  3. Bei Bedarf die Antidiskriminierungsstelle des Bundes kontaktieren.

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