Anlageberatung und Falschberatung

Eine Anlageberatung ist eine Beratung zwischen einem Kunden und einem Finanzdienstleister. Die Anlageberatung gilt seit dem Jahr 2007 als eine eigenständige Wertpapierdienstleistung.

Was ist eine Anlageberatung?

Im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes sind unter Finanzdienstleistern Kreditinstitute, Finanzdienstleistungsinstitute und nach § 53 Abs. 1 Satz 1 des Kreditwesengesetzes tätige Unternehmen zu verstehen. Dem zu beratenden Kunden sollen dabei durch die Anlageberatung finanzielle Möglichkeiten zur Geldanlage aufgeklärt werden. Risiken und Chancen verschiedener Finanzprodukte sollen aufgezeigt werden. Dabei hat die Beratung nach dem Bundesgerichtshof anlegergerecht sowie objektgerecht zu sein. Dies bezieht sich auf die Berücksichtigung der individuellen Umstände des jeweiligen Kunden. Entsprechend müssen persönliche und wirtschaftliche Verhältnisse des Kunden berücksichtigt werden. Auch das Anlageziel sowie die Risikobereitschaft des Kunden sind zu beachten. Vor allem aber ist der Kenntnisstand des Kunden essentiell. Oft fehlen den Kunden, die Hilfe in der Anlageberatung suchen, die nötige Erfahrung und ausreichende Kenntnisse zum Thema. Daher muss in der Anlageberatung klar kommuniziert werden, welches Produkt mit welchen Risiken einhergeht. Besonders Verlustrisiken dürfen dabei nicht verharmlost werden.

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Was sollten Kunden in der Anlageberatung beachten?

Nachdem der Kunde ausführlich über das passende Produkt beraten wurde, muss im Anschluss ein Beratungsprotokoll erstellt werden.

Ein solches Beratungsprotokoll ist essentiell für die notwendige Transparenz. Auf diese Weise können mögliche Unstimmigkeiten direkt bemerkt und unklare Absichten des Finanzdienstleisters schwieriger verschleiert werden. Weiterhin dient das Protokoll als potenzielles Beweismittel vor Gericht, falls doch etwas anders laufen sollte, als erwartet.

Aufzeichnungspflicht § 34 Abs. 2a WpHG


Die Aufzeichnungspflicht in einer Anlageberatung ist nach § 34 Abs. 2a WpHG gesetzlich festgelegt. § 34 Abs. 2a WpHG 5 bis 7 erklären dabei die Notwendigkeit der Aufzeichnung eines Beratungsgespräches.

Auch bei mehrfacher Beratung muss das Protokoll erstellt werden. Es sollte Angaben über die persönliche Situation und das Beratungsanliegen, die Dauer des Gespräches sowie Informationen über die Finanzinstrumente und Wertpapierdienstleistungen enthalten, die besprochen wurden. Zudem müssen die Empfehlungen des Beraters und Gründe für diese Empfehlungen notiert werden. Der eigentliche Vertrag darf erst geschlossen werden, wenn das Beratungsprotokoll an den Kunden ausgehändigt wurde. Das Protokoll sollte vom Kunden gründlich gelesen werden, damit keine Unklarheiten entstehen. Falls Informationen fehlen oder das Beratungsprotokoll fehlerhaft ist, besteht ein einwöchiges Rücktrittsrecht.

Die Anlageberatung muss den gesetzlichen Formvorgaben entsprechen. Zu jeder Anlageberatung muss ein Beratungsprotokoll erstellt werden, welches gründlich geprüft werden sollte.

Wer darf eine Anlageberatung durchführen?

Bei der Durchführung einer Anlageberatung ist es äußerst wichtig, einen kompetenten Anlageberater an seiner Seite zu wissen. Dies gilt besonders, da sich gerade in diesem Bereich einige unseriöse Anbieter zu platzieren versuchen. Aufgrund einer Vielzahl an Beschwerden über unsachgemäße Anlageberatungen hat der Gesetzgeber eine Mindestqualifikation für Anlageberater eingeführt. Durchführen darf die Anlageberatung daher nur, wer ausreichend Sachkunde und Zuverlässigkeit, beispielsweise durch eine Ausbildung zum Bankfachwirt, vorweisen kann.

Wenig qualifizierte Anlageberater können Sie an folgenden Merkmalen erkennen:

  • Unerbetene Anrufe oder E-Mails gehen ein
  • Zeitdruck durch den Hinweis, dass ein Angebot nur kurzfristig verfügbar sei
  • Unrealistische Versprechen wie utopisch hohe Ertragsraten
  • Allzu komplizierte Beratungsgespräche
  • Keine Nennung von Vertragsfristen und Kündigungsmöglichkeiten

Auch wenn riskante Kapitalanlagen wie Schiffsfonds, Immobilienfonds oder Anleihen eher risikoscheuen Anlegern oder gar zur Altersvorsorge angeboten werden, ist Vorsicht geboten.

Was tun bei einer Falschberatung?

Im Nachhinein festzustellen, dass sich eine Geldanlage nicht entsprechend entwickelt hat, ist meist mehr als ärgerlich. Doch daraus folgt nicht gleich, dass der Kunde falsch beraten wurde. Ob eine Falschberatung stattgefunden hat, entscheidet sich im Einzelfall. Entscheidend dafür ist, ob die Empfehlung zu dem Zeitpunkt, an dem sie stattfand, sachgerecht war.

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Falls Sie denken, dass Sie falsch beraten wurden, lassen Sie sich am besten von einem Fachanwalt rechtlich vertreten. In vielen Fällen kann ein Anspruch auf Schadensersatz durchgesetzt werden.

Ein Anwalt kann beispielsweise ermitteln, ob eine Anlagevermittlung oder eine Anlageberatung stattgefunden hat. Diese Unterscheidung ist äußerst wichtig und entscheidet am Ende über die rechtlichen Konsequenzen. Eine Anlagevermittlung unterscheidet sich von der Beratung dadurch, dass der Vermittler dem Kunden ein bestimmtes Produkt vorstellt und versucht, dieses zu verkaufen. Die Anlageberatung hingegen stützt sich auf eine persönliche Empfehlung des Beraters und erfolgt mit Bezug auf die p ersönlichen Umstände des Kunden. Eine Anlageberatung hat stattgefunden, wenn unmittelbar auf die Empfehlung ein Vertrag abgeschlossen wurde.

Sollte tatsächlich eine Falschberatung zum Beispiel durch eine Bank stattgefunden haben, greift die sogenannte Beraterhaftung und der Berater muss möglicherweise Schadensersatz leisten. Die Falschberatung bezieht sich dabei nicht nur auf das Produkt selbst, sondern kann auch die Vergütung des Beraters beeinhalten. Bezieht dieser beispielsweise Kick-Back-Zahlungen, also Provisionen, die von den Anbietern des Finanzproduktes bei Vertragsabschluss oder durch Bestandsprovisionen an den Vermittler oder Berater gezahlt werden, stellt dieses ebenfalls eine Falschberatung dar, da die Vertretung der Kundeninteressen nicht mehr angemessen gewährleistet werden kann. Deshalb muss eine korrekte Beratung auch die Transparenz über die Vergütung des Beraters enthalten.

Weiterhin wird bei der Falschberatung zwischen einem Fehler, der zeitlich vor oder nach Abschluss des Vertrages passiert ist, unterschieden. Da ein Beratungsfehler dem Kunden in der Regel nicht sofort auffällt, gilt eine dreijährige Verjährungsfrist, die ab dem Ende des Jahres gilt, in dem der Anspruch zustande kam und der Kunde die Falschberatung bemerkt hat. Allgemein lässt sich sagen, dass die Rechtsprechung ein deutliches Interesse am Anlegerschutz des Kunden hat.

Zum Abschluss fassen wir in einer Checkliste noch einmal zusammen, was Sie bei einer Anlageberatung unbedingt beachten sollten:

  • Kompetenz des Beraters überprüfen
  • Erwartungen und persönlichen Hintergrund notieren
  • Beratungsprotokoll gründlich überprüfen
  • Eine eventuelle Falschberatung durch einen Anwalt prüfen lassen

Es lohnt sich in jedem Fall, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um die individuelle Situation bewerten zu lassen. In unserer kostenlosen Erstberatung helfen wir Ihnen gern weiter!

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