Kaufvertrag und Werkvertrag

Verträge werden überall abgeschlossen, ob beim Bäcker oder beim Kauf eines Autos. Kauf- und Werkverträge sind dabei die gängigsten Formen im Alltag. Wie diese zustande kommen und welche Unterschiede es gibt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wie kommt ein Vertrag zustande?

Das Zustandekommen von Verträgen wird in Deutschland maßgeblich durch das Vertragsrecht geregelt. Die entsprechenden Paragrafen dazu finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Zum Vertragsschluss gehören mindestens zwei wirksame Willenserklärungen in Form von Angebot und Annahme. Eine Willenserklärung stellt in diesem Fall die Handlung einer Person dar, die eindeutig zum Ausdruck bringt, dass der Vertragsschluss gewollt ist. Demnach sind beispielsweise Süßigkeiten in einem Automaten, die mit einem Preis versehen sind, ein Angebot. Wenn Sie Geld hineinwerfen und den entsprechenden Knopf drücken, haben Sie dieses angenommen und ein Kaufvertrag ist entstanden.

Geschäftsfähigkeit – Infografik
Geschäftsfähigkeit – Infografik

Im Internet ist dies anders: Allgemein gilt hier, dass mit dem Klicken auf den „Kaufen“-Button ein Angebot Ihrerseits abgegeben wurde. Als angenommen gilt dieses erst, wenn die Bestellung bestätigt oder die Ware verschickt wurde.

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Wenn Sie etwas im Internet kaufen, wird ein sogenannter Verbrauchervertrag abgeschlossen. Diesen können Sie laut Rechtsprechung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Der Kaufvertrag

Ein Kaufvertrag erlaubt einerseits dem Käufer, eine Sache oder ein Recht zu erwerben, und andererseits dem Verkäufer, eine monetäre Gegenleistung hierfür zu verlangen. Ist ein Kaufvertrag zustande gekommen, hat sich der Verkäufer damit verpflichtet, die vereinbarte Sache an den Käufer zu übereignen. Für Letzteren besteht die Pflicht, den Kaufpreis zu bezahlen und die Sache in Empfang zu nehmen.

Kaufverträge entstehen durch:

  • Mündliche oder schriftliche Vereinbarungen
  • Konkludentes Halten, das zeigt, dass der Vertragsschluss gewollt ist (zum Beispiel das Heben der Hand als Teilnehmer an einer Auktion)
  • Notarielle Beurkundung (zum Beispiel beim Grundstückskauf)

Häufig werden Kaufverträge auch nach einer sogenannten invitatio ad offerendum abgeschlossen. Damit ist die Aufforderung zur Abgabe eines Angebots gemeint. Dieses Prinzip schützt den Verkäufer, da es nicht rechtlich bindend ist und er somit nicht automatisch verpflichtet ist, die Ware auszuhändigen, sobald jemand deutlich macht, diese kaufen zu wollen. Dies gilt ebenso bei Angeboten im Internet.

Der Werkvertrag

Anders als beim Kaufvertrag wird ein Werkvertrag nicht zwischen einem Verkäufer und einem Käufer abgeschlossen, sondern zwischen dem Werkunternehmer und dem Besteller. Angebot und Annahme begründen hierbei kein Kaufgeschäft, sondern Leistungspflichten. Der Werkunternehmer verpflichtet sich, das vereinbarte Werk durch seine Tätigkeit erfolgreich herbeizuführen. Ist dies geschehen, schuldet der Besteller die entsprechende Vergütung. Vertragsgegenstand ist also die erfolgreiche Herstellung eines Werkes, während es beim Kaufvertrag um die Übergabe und Übereignung einer fertigen Sache geht.

Eine Besonderheit beim Werkvertrag ist, dass die Höhe der Vergütung nicht von Anfang an vereinbart sein muss. Es muss hierbei lediglich feststehen, dass eine Bezahlung gefordert wird. Außerdem muss nicht ausdrücklich erwähnt werden, dass der Werkunternehmer eine Vergütung fordert, wenn die Umstände dies deutlich machen. Bringen Sie Ihr kaputtes Fahrrad beispielsweise in eine Werkstatt und fordern eine Reparatur, können Sie nicht davon ausgehen, dass diese umsonst erfolgen wird.

Der Werkvertrag wird zwischen einem Werkunternehmer und einem Besteller abgeschlossen. Nur wenn die Herstellung erfolgreich ist, hat der Werkunternehmer seine Pflicht erfüllt. Sollte eine Vergütung den Umständen entsprechend zu erwarten sein, gilt sie als stillschweigend vereinbart.

Kündigung, Widerruf und Verjährung von Verträgen

Das Widerrufen oder Kündigen von Verträgen ist grundsätzlich nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Kaufverträge haben zudem keine allgemeine Verjährungsfrist. Die verschiedenen Ansprüche des Verkäufers und Käufers haben unterschiedliche Fristen. Der Zahlungsanspruch des Verkäufers verjährt beispielsweise innerhalb von drei Jahren, während die Gewährleistungsansprüche des Käufers bereits nach zwei Jahren verfallen. Beim Werkvertrag liegen die einzelnen Verjährungsfristen zwischen zwei und fünf Jahren.

Abgrenzung Kaufvertrag - Werkvertrag – Infografik
Abgrenzung Kaufvertrag - Werkvertrag – Infografik

Verjährung Mängelansprüche § 634a BGB


Fällt Ihnen erst im Nachhinein auf, dass das bestellte Werk Mängel aufweist, ist dies umso ärgerlicher. Damit Ihre Ansprüche nicht verjähren, sollten Sie § 634a BGB beachten:

Absatz (1) legt fest, dass der Anspruch auf Nacherfüllung und der Ersatz der Aufwendungen bei Selbstbeseitigung sowie nach Schadensersatz nach zwei Jahren verjährt. Es sei denn, es handelt sich um Planungs- oder Überwachungsleistungen, dann beträgt die Frist sogar fünf Jahre.

Laut Absatz (2) beginnt die Frist mit der Abnahme der Sache.

Zum Schluss fassen wir die wichtigsten Punkte, die Sie zu Kauf- und Werkverträgen wissen sollten, noch einmal zusammen:

  • Für das Zustandekommen eines Vertrages sind stets zwei Willenserklärungen in Form von Angebot und Annahme notwendig.
  • Kaufverträge können mündlich, schriftlich oder durch eine konkludente Annahme geschlossen werden.
  • Es gibt keine allgemeine Verjährungsfrist.

Bei Fragen zum Thema Kauf- und Werkvertrag helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Rechtsanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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