Arbeitszeugnisse prüfen

Gerade in kleinen Betrieben kann es vorkommen, dass ein Arbeitszeugnis unabsichtlich fehlerhaft gestaltet wurde. Da das Zeugnis bei zukünftigen Bewerbungen eine große Rolle spielt, sollten Sie jedoch auf Korrektheit bestehen.

Ihr Anspruch auf ein faires Arbeitszeugnis

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Arbeitszeugnis nicht Ihren Leistungen entspricht und Sie keine faire und vorzeigbare Beurteilung erhalten haben, sollten Sie Folgendes wissen, um an Ihr Recht auf ein faires Arbeitszeugnis zu kommen:

  • Wie sehen die Formulierungen der Zeugnissprache aus?
  • Welche Formulierungen sind nicht rechtmäßig?
  • Wann haben Sie ein Recht auf Änderung?

Zunächst sollten Sie mit Ihrem Arbeitgeber das Gespräch suchen. Machen Sie ihn darauf aufmerksam, dass Sie mit Ihrem Zeugnis nicht einverstanden sind. Oft stellen Arbeitgeber schlechte Arbeitszeugnisse aus, weil Sie die Zeugnissprache und deren Bedeutung nicht richtig kennen. Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, das Arbeitszeugnis wohlwollend und wahrheitsgemäß auszustellen. Weisen Sie Ihren Arbeitgeber im Gespräch darauf hin.

Machen Sie Ihren Arbeitgeber im persönlichen Gespräch auf Fehler aufmerksam. Ihr Arbeitgeber ist zur Korrektur verpflichtet.

Arbeitszeugnis anfechten

Besteht nach dem Gespräch keine Einsicht und somit auch keine Änderungsbereitschaft, sollten Sie Ihr Arbeitszeugnis anfechten. Wünschen Sie eine Änderung Ihres bestehenden Zeugnisses, wird ein Fachanwalt für Arbeitsrecht gegen den Arbeitgeber eine Klage auf Ausstellung eines bestimmten Zeugnisses einreichen. Der Arbeitgeber ist dann in der Verpflichtung zu beweisen, dass die von ihm gewählten Bewertungen und Formulierungen zutreffend sind. Lediglich, wenn Sie einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis mit der Schulnote „Sehr gut“ verlangen möchten, tragen Sie die Beweislast.

Mit einem positiven Urteil auf Änderung des Zeugnisses haben Sie einen Titel gegen Ihren Arbeitgeber in der Hand. Dadurch ist der Arbeitgeber gerichtlich dazu verpflichtet, Ihr Zeugnis zu ändern oder neu auszustellen. Sollte Ihr Arbeitgeber trotz rechtskräftigem Urteil keine Handlung vornehmen, kann er durch eine gerichtliche Zwangsgeldauflage zum Handeln gezwungen werden.

klugo tipp

Ihr Arbeitgeber will das Zeugnis nicht korrigieren? Nutzen Sie unsere kostenlose Erstberatung, um sicherzugehen, dass Ihr Arbeitszeugnis inkorrekt ist und Sie eine Korrektur erfolgreich einklagen können. Leiten Sie dann rechtliche Schritte ein.

Gewerbeordnung nach § 109


Laut § 109 der Gewerbeordnung ist der Arbeitgeber nicht nur zur Ausgabe des Arbeitszeugnisses verpflichtet, es muss auch unmissverständlich formuliert werden:

(1) Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.

(2) Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

(3) Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen.

Arbeitszeugnis prüfen (lassen)

Haben Sie ein Arbeitszeugnis erhalten, haben Sie zwei Optionen:

  • Sie können das Zeugnis selbst auf Vollständigkeit und Wahrheit prüfen
  • Sie überlassen die Prüfung einem Fachanwalt

Sie sollten Ihr Arbeitszeugnis sowohl auf Vollständigkeit als auch auf die verwendeten Formulierungen und die dahinterstehenden Bedeutungen und Bewertungen prüfen. Beachten Sie hierbei auch, dass der Arbeitgeber wie bereits oben erwähnt unter Beachtung der Wahrheitspflicht und Wohlwollenspflicht ein Zeugnis auszustellen hat. Hierzu finden Sie in unserem Beitrag zu Formulierungen und Codes nähere Informationen, anhand welcher Sie selbst Ihr Zeugnis prüfen können.

Wichtig sind bei der Prüfung vor allem folgende Punkte:

  • Ist Ihr Zeugnis vollständig?
  • Sind keine Angaben enthalten, die nicht drin stehen dürfen?
  • Entsprechen alle Angaben der Wahrheit?
  • Ist das Zeugnis wohlwollend formuliert?
  • Existiert es in Papierform und wurde es unterschrieben?
Was sollte mein Arbeitszeugnis enthalten? – Infografik
Was sollte mein Arbeitszeugnis enthalten? – Infografik

Wir empfehlen Ihnen, im Zweifel keine Zeit zu verlieren und Ihr Arbeitszeugnis durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht in Ihrer Nähe prüfen zu lassen und eventuell eine gerichtliche Verpflichtung zur Änderung zu erwirken.

Notenvergabe in qualifizierten Arbeitszeugnissen – Infografik
Was sollte mein Arbeitszeugnis enthalten? – Infografik

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Arbeitszeugnis helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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