Kündigungsgründe

Jede Kündigung ist ein Einzelfall und sie kann vielfältige Gründe haben ­– sowohl auf Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberseite. In jedem Fall sollten die gesetzlichen Anforderungen an eine gültige Kündigung beachtet werden.

Welche Kündigungsgründe gibt es?

Sollten Sie eine Kündigung erhalten haben und kennen den Grund nicht oder sind sich nicht sicher, ob der genannte Grund auch eine Kündigung rechtfertigt, so haben Sie möglicherweise das Recht diese anzufechten.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Gründe zulässig sind und bei welchen Sie eine gute Chance haben, Ihre Kündigung durch eine Kündigungsschutzklage anzugreifen. Die einzelnen Kündigungsgründe ergeben sich aus der jeweiligen Kündigungsart. Zunächst wird zwischen außerordentlicher und ordentlicher Kündigung unterschieden.

Die Hauptgründe, warum Mitarbeiter kündigen – Infografik
Die Hauptgründe, warum Mitarbeiter kündigen – Infografik

Auf den Punkt gebracht:

  • Sie haben ein Recht auf die Anfechtung einer Kündigung.
  • Es gibt zwei Arten der Kündigung, die unterschiedlicher Begründung bedürfen.
  • Dabei wird zwischen ordentlicher und außerordentlicher Kündigung unterschieden.

Fristlose Kündigungsgründe

Bei einer außerordentlichen (fristlosen) Kündigung bedarf es eines schwerwiegenden Fehlverhaltens des Arbeitnehmers. Mögliche Kündigungsgründe dafür sind natürlich immer vom Einzelfall abhängig, sodass es keine gesetzlich bestimmten Kündigungsgründe für eine außerordentliche Kündigung gibt.

§ 626 BGB Fristlose Kündigung


Nach § 626 Abs. 1 BGB kann jeder Vertragspartner aus wichtigem Grunde fristlos kündigen. Dies ist immer dann der Fall, wenn eine Weiterführung des Vertragsverhältnisses unzumutbar geworden ist.

Die Kündigung kann nach § 626 Abs. 2 BGB nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen.

Solch ein schwerwiegendes Fehlverhalten kann sich in folgender Weise äußern:

  • Betrug, Diebstahl oder Veruntreuung mit direktem Schaden für den Arbeitgeber
  • Beleidigung des Arbeitgebers
  • Geschäftsschädigende Aussagen
  • Arbeitszeitkontenbetrug
  • Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Gründe für eine ordentliche Kündigung

Bei einer ordentlichen Kündigung wird zwischen drei Arten unterschieden:

  • Verhaltensbedingte Kündigung
  • Personenbedingte Kündigung
  • Betriebsbedingte Kündigung

Verhaltensbedingte Kündigung

Eine verhaltensbedingte Kündigung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer durch die Art und Weise seines Verhaltens und seines daraus resultierenden Handelns dem Arbeitgeber direkt oder indirekt Schaden zugefügt hat.

Beispiele:

  • Arbeitsverweigerung
  • Häufige schuldhafte Verspätungen
  • Verstöße gegen arbeitsrechtliche Nebenleistungen
klugo tipp

Fehlverhalten am Arbeitsplatz muss von Arbeitgeberseite dokumentiert sein. Ohne Dokumentation ist der Erfolg einer Kündigungsschutzklage sehr wahrscheinlich.

Personenbedingte Kündigung

Von einer personenbedingten Kündigung spricht man, wenn der Arbeitnehmer persönlich nicht mehr in der Lage ist, die erforderliche Leistung zu erbringen.

Beispiele:

  • Alkoholisiert während der Arbeitszeit
  • Mangelnde geistige Fähigkeiten
  • Persönliche Beeinträchtigungen, die das Betriebsinteresse gefährden

Betriebsbedingte Kündigung

Eine betriebsbedingte Kündigung resultiert nie aus dem Fehlverhalten oder dem Fehlen bestimmter Eigenschaften eines Einzelnen. Der Auslöser für eine solche Kündigung ist eine betriebliche Entscheidung/Veränderung in einem Unternehmen oder Unternehmensteil.

Beispiele:

  • Arbeitsrückgang
  • Schlechte Konjunktur
  • Outsourcing eines Betriebsteils

Beachten Sie bei der betriebsbedingten Kündigung unbedingt auch unsere Ausführung zum Thema Sozialauswahl unter Kündigungsarten.

Natürlich gibt es noch weitere Gründe, die eine Kündigung auslösen können. Wichtig für Sie als Arbeitnehmer ist in erster Linie zu wissen, welche Bedeutung die jeweilige Kündigungsart hat. Sie sollten ein Gefühl dafür bekommen, welche Kündigungsgründe Auslöser sein können und welche dem Arbeitsrecht nach vielleicht unzulässig sind.

Bei Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes sind betriebliche, verhaltensbedingte und personenbedingte Kündigungsgründe zu prüfen.
Stefan Müllen
Rechtsanwalt

Unzulässige Kündigungsgründe

Ein häufig verwendeter, jedoch unzulässiger personenbedingter Kündigungsgrund ist ein lang anhaltender Krankheitsausfall des Arbeitnehmers in der Vergangenheit. Oft ist die Verärgerung des Arbeitgebers darüber groß. Gepaart mit weiteren Fehltritten des Arbeitnehmers kommt es häufig dazu, dass das Unternehmen leichtsinnig die personenbedingte Kündigung ausspricht.

Krankheitsausfall schützt nicht vor einer Kündigung. Jedoch muss der Arbeitgeber eine Zukunftsprognose bezüglich der Besserung des Gesundheitszustandes stellen. Ist eine Verbesserung des Zustandes in Sicht, darf nicht gekündigt werden. Schwangerschaft ist kein Kündigungsgrund.

Hier können Sie jedoch beruhigt sein: Was viele Arbeitgeber nicht wissen ist, dass es nicht auf die Länge der Krankheitstage in der Vergangenheit ankommt. Der Arbeitgeber ist in der Pflicht, eine Zukunftsprognose anzustellen. Ist eine Besserung/Genesung des Arbeitnehmers absehbar und kann dieser seine volle Arbeitsleistung bald wieder dem Arbeitgeber zur Verfügung stellen, ist eine personenbedingte Kündigung nicht zulässig und kann angefochten werden. Lediglich wenn von einer negativen Zukunftsprognose auszugehen ist, ist die Kündigung des Arbeitgebers gerechtfertigt.

Schwangerschaft ist ebenfalls kein gerechtfertigter Grund für eine Kündigung seitens des Arbeitgebers. Nach dem Mutterschutzgesetz genießen Schwangere einen Sonderkündigungsschutz.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Eine ordentliche Kündigung ist ohne Angabe von Gründen möglich. Hierbei muss die Kündigungsfrist eingehalten werden. Im Arbeitsrecht können dies persönliche, betriebliche oder verhaltensbedingte Gründe sein.
  • Eine außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund ist fristlos möglich. Hierzu gehören im Arbeitsrecht Vergehen wie Diebstahl, sexuelle Belästigung oder Körperverletzung.
  • Kündigungsgründe wie Schwangerschaft oder temporäre Krankheit sind unzulässig.

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Kündigung helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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