Schadensersatz vom Arzt oder Krankenhaus: Was fällt darunter?

Unter Schadensersatz versteht sich der vorwiegend materielle Anspruch, den ein Krankenhaus oder ein Arzt einem Patienten schuldet. Es zählen also nicht nur Schäden an der Gesundheit dazu, sondern beispielsweise auch Anwaltskosten, Kosten für angefallene Fahrten oder Gewinneinbußen eines Unternehmens. Setzt ein Patient seinen Anspruch auf Schadensersatz durch, kann er auch die Zahlung folgender Kosten verlangen:

  • Gesundheitsschäden: Kosten, die im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Gesundheit stehen.
  • Haushaltsführungsschaden: Kosten, die entstehen, weil der Patient seinen Haushalt nicht mehr wie gewöhnlich führen kann.
  • Erwerbsschaden/Verdienstausfall: Kosten, die durch den ausbleibenden Erwerb und damit einhergehende wirtschaftliche Nachteile entstehen.
  • Mehrbedarfsschaden: Neue, vorher nicht dagewesene Kosten, die dem Patienten zusätzlich infolge des Schadens entstehen.
  • Ersatzansprüche durch Tod: Mögliche Ansprüche von Angehörigen auf Ersatz von Barunterhaltsschäden.

Welche Voraussetzungen müssen für einen Schadensersatz erfüllt werden?

Für einen Schadensersatzanspruch gegenüber einem Krankenhaus oder Arzt, der auch vor Gericht als gültig anerkannt wird, müssen drei Voraussetzungen gegeben und erfüllt sein:

  • Vorliegen einer vertrags- oder rechtswidrigen Handlung
  • Vorliegen eines Verschuldens, d. h. die Handlung war vorsätzlicher bzw. fahrlässiger Natur
  • Vorliegen eines Schadens

Abhängig von der Höhe des entstandenen Schadens kann hierbei entschieden werden, wie hoch der Betrag ist, der dem Geschädigten als Schadensersatz zusteht.

Schadensersatzanspruch und Schmerzensgeldanspruch

Unterschied Schadensersatzanspruch und Schmerzensgeldanspruch – Infografik
Unterschied Schadensersatzanspruch und Schmerzensgeldanspruch – Infografik

Mit Hilfe des Schadensersatzanspruchs können materielle und immaterielle Schäden ausgeglichen werden. Materielle Schäden können zum Beispiel Fahrzeugschäden sowie Verdienstausfälle sein. Immaterielle Schäden sind zum Beispiel körperliche Schmerzen sowie seelische Beeinträchtigungen. Das Schmerzensgeld hat zum Ziel, einen Ausgleich für alle Unannehmlichkeiten, seelischen Belastungen und sonstigen Unwohlgefühle zu schaffen.

Vorgehen bei materiellen bzw. immateriellen Schäden

Bei materiellen und immateriellen Schäden müssen die eigene Haftpflichtversicherung bzw. die gegnerische Haftpflichtversicherung sowie der Verursacher von den Schadensersatzansprüchen in Kenntnis gesetzt werden. Wer genau zu benachrichtigen ist, hängt davon ab, ob man selbst einen Schaden verursacht hat oder einen Schaden gegenüber dem Verursacher geltend machen möchte. Die Geltendmachung erfolgt in den meisten Fällen über ein Schreiben, in dem die Beschreibung des Schadens und die anfallenden Kosten aufgelistet werden. Tragen alle Beteiligten Schuld an dem Schaden, muss geprüft werden, wie hoch das jeweilige Mitverschulden der Beteiligten ist. Das Mitverschulden reduziert in der Regel die Höhe des eigenen Schadensersatzanspruches.

Bei immateriellen Schäden liegt die Beweislast des Schadens in der Regel beim Geschädigten, d. h. der Geschädigte muss beweisen, dass der Gegner – z. B. der Arzt oder das Pflegepersonal – den Schaden verursacht hat. Durch eine Neuregelung des Patientenrechtegesetzes haben Patienten im Bereich des Arzthaftungsrechts zudem die Möglichkeit, härter gegen einen Ärztepfusch vorzugehen. Neben dem Einsehen der Patientenakten sowie einer verstärkten Patientenbeteiligung an wichtigen Entscheidungen sind im Patientenrechtegesetz auch erhöhte Anforderungen an die Aufklärung und Dokumentation medizinischer Abläufe geregelt. Dies hilft dem Geschädigten den Schaden besser zu beweisen.

Übrigens: Im Falle eines gerichtlichen Prozesses können Sie Prozesskostenhilfe beantragen. Diese greift, falls Ihre Rechtsschutzversicherung die Gerichtskosten nicht übernimmt.

Gibt es eine Verjährungsfrist für den Schadensersatz im Medizinrecht?

Um eine Verjährung des Schadensersatzes zu vermeiden, müssen bestimmte Fristen eingehalten werden. Die Verjährungsfrist beginnt zum Ende des Jahres, in dem der Schaden entstanden ist, und dauert drei Jahre an. In dieser Zeit können Sie einen Schadensersatzanspruch gegenüber dem Arzt oder Krankenhaus geltend machen. In Ausnahmefällen kann die Verjährungsfrist jedoch verlängert werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Schadenverursacher nicht feststellbar ist oder aber erst Jahre später festgestellt werden kann.

Sie haben weitere Fragen zum Thema Schadensersatzanspruch oder dem Patientenrechtegesetz? Unsere fachkundigen Rechtsexperten helfen gerne im Rahmen einer Erstberatung weiter – unverbindlich und kostenlos.

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