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Behandlungsfehler

Behandlungsfehler: Das können Sie als Patient tun!

Ein Behandlungsfehler ist ein objektiv feststellbarer Schaden, der durch das Fehlverhalten eines Arztes im Rahmen einer ärztlichen Behandlung entsteht. Hier erfahren Sie, wann ein Behandlungsfehler vorliegt und was Sie in diesem Falle tun können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn der Arzt durch sein Fehlverhalten einen Schaden verursacht hat. Dieser kann materieller, aber auch immaterieller Art sein.
  • Beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler sollten Betroffene den Behandlungsverlauf dokumentieren und sämtliche Unterlagen und Dokumente aufbewahren.
  • Erste Ansprechpartner sind der behandelnde Arzt selbst, das Beschwerdemanagement im Krankenhaus oder die Krankenkasse.

Was genau ist ein Behandlungsfehler oder Ärztepfusch?

Eine fehlerhafte Behandlung in der Arztpraxis oder monatelange Schmerzen nach einer Operation sind leider keine Seltenheit. Bei einem Behandlungsfehler sollten sich Patienten zunächst an ihren Arzt wenden. Doch was tun, wenn sich dieser keinerlei Schuld bewusst ist?

Um von einem Behandlungsfehler oder Ärztepfusch zu sprechen, müssen folgende drei Faktoren zusammenkommen und nachgewiesen werden:

  • Ein Schaden ist entstanden, der objektiv feststellbar ist.
  • Der Schaden ist auf ein ärztliches Fehlverhalten zurückzuführen.
  • Der Schadenseintritt liegt nach Kenntnisnahme nicht länger als drei Jahre zurück.

Verbreitete Beispiele für solche Behandlungsfehler sind unter anderem Fehler bei der Medikamentenvergabe oder allgemeine Fehldiagnosen, die gestellt werden.

Informationspflicht nach § 630c BGB


Die ärztliche Pflicht, einen Patienten ordentlich über die Behandlung aufzuklären, ist gesetzlich festgelegt. Tut er dies nicht, kann auch das als Behandlungsfehler oder Teil eines Behandlungsfehlers gewertet werden:

Absatz (2) bestimmt, dass der Behandelnde den Patienten zu Beginn über die Umstände der Behandlung aufklären muss. Dies muss auf verständliche Weise erfolgen und besonders die Diagnose, die Entwicklung, die Therapie und die anschließenden Maßnahmen benennen.

klugo tipp

Sie haben ein Recht darauf, Ihre Behandlungsunterlagen einzusehen. Auch eine Fotokopie dieser können Sie einfordern. Daher kann es hilfreich sein, sich bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler zunächst Einblick in die Unterlagen zu verschaffen.

Welche Arten von Behandlungsfehlern gibt es?

Bei der Untersuchung des Schadensersatzanspruches findet eine Unterscheidung in einfache und grobe Behandlungsfehler statt: Ein einfacher Behandlungsfehler liegt vor, wenn der Arzt nicht dem Standard und den Regeln der ärztlichen Kunst entsprechend gehandelt hat und somit nicht genug Sorgfalt gezeigt hat. Ein grober Behandlungsfehler liegt stattdessen vor, wenn der behandelnde Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte Erkenntnisse der Medizin verstoßen hat.

Behandlungsfehler lassen sich darüber hinaus unterteilen in:

  • Befunderhebungsfehler: Medizinische Befunde wurden nicht erhoben oder gesichert.
  • Diagnosefehler: Die erhobenen Befunde wurden falsch interpretiert.
  • Therapiefehler: Die gewählte Therapieform ist ungeeignet oder stellt ein unnötiges Gesundheitsrisiko dar.
  • Organisationsfehler: Der Behandlungsablauf entspricht nicht den hygienischen und apparativen Standards.
  • Informationsfehler: Der Patient wurde nicht ausreichend über die Therapie informiert.

Wer ist Ansprechpartner bei einem Verdacht auf Behandlungsfehler?

Liegt der Verdacht auf einen Behandlungsfehler vor, kann dies das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient nachhaltig gefährden. Es gilt dann, dem Verdacht nachzugehen und abzuklären, ob es sich tatsächlich um einen Behandlungsfehler handelt.

Erste Anlaufstelle bei Behandlungsfehlern kann zum Beispiel das Beschwerdemanagement im Krankenhaus sein, wenn die Behandlung dort stattgefunden hat. Oft gibt es unabhängige Ombudsstellen für derartige Anliegen: Dies ist aber von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Sie finden ebenfalls bei Ihrer Krankenkasse einen Ansprechpartner, wenn Sie einen Behandlungsfehler vermuten. Die Krankenkasse ist rechtlich sogar verpflichtet, ihre Versicherten zu unterstützen, wenn diese von einem Behandlungsfehler betroffen sind. In der Regel läuft das über den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

klugo tipp

Nicht jeder Behandlungsfehler muss eine gerichtliche Auseinandersetzung nach sich ziehen. Um Konflikte aufgrund von Behandlungsfehlern ohne Gerichtsprozess zu klären, stehen bei den Ärzte- und Zahnärztekammern Schlichtungsstellen zur Verfügung. Wichtig ist dabei aber, dass der Behandlungsfehler noch nicht zur Klärung vor Gericht gebracht wurde.

Betroffene können sich auch bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (kurz: UPD) Rat holen. Die Beratung ist kostenlos und kann telefonisch, online oder in einer Beratungsstelle vor Ort stattfinden.

Behandlungsfehler können schwerwiegende Folgen für den Betroffenen haben – sowohl gesundheitlich als auch in Bezug auf den Alltag. Oft ist es angebracht, sich dann juristische Unterstützung zu holen: Diese hilft vor allem bei der Frage, welche Optionen Sie bei einem Behandlungsfehler haben und wie Sie zu Ihrem Recht kommen.

Welche Handlungsoptionen bestehen bei einem Behandlungsfehler?

Um eine erste Orientierung zur Hand zu haben, wie Sie bei einem vermuteten Behandlungsfehler vorgehen können, haben wir für Sie die wichtigsten Schritte zusammengefasst.

Checkliste bei Verdacht auf Behandlungsfehler:

  • Führen Sie ein erstes Gespräch mit dem behandelnden Arzt.
  • Erheben Sie Beschwerde, wenn sich Ihr Verdacht erhärtet.
  • Machen Sie Ihre Ansprüche geltend.
  • Gehen Sie juristisch gegen den behandelnden Arzt vor.
Grober und einfacher Behandlungsfehler – Infografik
Grober und einfacher Behandlungsfehler – Infografik

Wie reagiere ich bei einem Behandlungsfehler oder Ärztepfusch richtig?

Grundsätzlich gilt es, alle wichtigen Informationen, z. B. in Form eines Tagebuches, über den Krankheitsverlauf, Symptome, Namen der handelnden Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger aufzuschreiben, denn die Beweislast bei einem Behandlungsfehler liegt zunächst beim Patienten.

Für den weiteren Verlauf kann es notwendig werden, dass Sie die Behandlungsunterlagen anfordern und den Arzt von seiner Schweigepflicht entbinden – dies ist vor allem dann der Fall, wenn Ermittlungen in Bezug auf den Behandlungsfehler geführt werden und Gutachter oder Sachverständige hinzugezogen werden.

Bei einem vorliegenden und durch einen Gutachter bestätigten Ärztepfusch können Privatpatienten ggf. das Arzthonorar zurückverlangen und auf eine Nachbesserung oder Neuanfertigung bestehen. Versicherte bei einer gesetzlichen Krankenkasse können sich an ihre Versicherung wenden, die daraufhin ein Begutachtungsverfahren einleitet.

Anzahl an Behandlungsfehlern – Infografik
Anzahl an Behandlungsfehlern – Infografik

Grundsätzlich gilt: Im Falle eines Fehlers sollten Sie immer zuerst Rücksprache mit Ihrem Arzt halten, ehe Sie weitere Schritte einleiten. Häufig kann auf diese Weise eine außergerichtliche Einigung gefunden werden.

Alle wichtigen Informationen, die den Behandlungsfehler betreffen, sollten umgehend notiert werden, da die Beweislast beim Patienten liegt. Bestätigt ein Gutachter den Behandlungsfehler, kann das Arzthonorar zurückverlangt und eine Nachbesserung eingefordert werden.

Welche Kosten fallen bei einem Behandlungsfehler an?

Sowohl im gerichtlichen als auch im außergerichtlichen Verfahren müssen Sie mit einigen Kosten rechnen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Gutachterkosten (werden ausgelegt und erstattet)
  • Gerichtskosten (werden ausgelegt und erstattet)
  • Anwaltsvergütung (abhängig vom Streitwert)

Falls Sie vor Gericht Recht zugesprochen bekommen, muss der verklagte Arzt sämtliche Kosten übernehmen. Sollte dem nicht so sein, besteht die Gefahr, dass Sie die Kosten des Verfahrens tragen müssen. Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn Ihre Rechtsschutzversicherung – falls vorhanden – nicht greift und Sie auch keine Prozesskostenhilfe bekommen können.

Wann und wo kann ich Schadensersatz für den Behandlungsfehler einfordern?

Liegt nachweislich ein Behandlungsfehler vor, können Sie als Betroffener Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld für die dadurch entstandenen materiellen und immateriellen Schäden einfordern. Die Beweislast dafür liegt aber beim Patienten selbst: Er muss zweifelsfrei beweisen, dass der Schaden auf den Behandlungsfehler zurückzuführen ist.

Was Sie noch zum Thema Schadensersatz bei Behandlungsfehlern wissen sollten, haben wir für Sie in einem Ratgeber zusammengefasst. Dieser zeigt nicht nur die Voraussetzungen für einen Schadensersatzanspruch und was bei einer Klage zu beachten ist, sondern auch, wie Sie diesen geltend machen können.

Benötige ich beim Verdacht auf einen Behandlungsfehler einen Anwalt?

Ein klärendes Gespräch zwischen Patienten und Arzt kann oft schnell die Vermutung ausräumen, dass es im Laufe der Behandlung zu einem Arztfehler gekommen ist. Nicht immer verlaufen diese Gespräche aber wunschgemäß: Dann kann es notwendig sein, dass Sie Unterstützung in juristischer Form benötigen, um dem Arzt auf Augenhöhe entgegenzutreten – zum Beispiel mit einem KLUGO Partner-Anwalt für Medizinrecht an Ihrer Seite.

Abschließend fassen wir noch einmal zusammen, was Sie im Falle eines Behandlungsfehlers beachten sollten:

  • Ein Behandlungsfehler wird rechtlich unter drei Voraussetzungen festgestellt: Der Behandlungsfehler muss objektiv feststellbar sein. Weiterhin muss der Schaden durch einen Fehler des Arztes verursacht worden sein. Zuletzt darf dieser nicht mehr als drei Jahre zurückliegen, da Ansprüche auf Schadensersatz sonst verjähren.
  • Die Beweislast für einen Behandlungsfehler liegt zunächst beim Patienten. Daher sollten alle wichtigen Informationen umgehend notiert werden.
  • Zunächst können Sie mit Ihrem Arzt sprechen und eine außergerichtliche Klärung anstreben.
  • Weiterhin kann auch ein Beratungsgespräch bei der Krankenkasse Unterstützung bieten.
  • Wird der Behandlungsfehler festgestellt, so muss der Arzt die Gerichtskosten tragen. Sie haben Anspruch auf Rückerstattung des Arzthonorars und eine Nachbesserung der Leistung.

Bei Fragen zum Thema Behandlungsfehler helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer telefonischen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Partner-Anwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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Beitrag juristisch geprüft von der KLUGO-Redaktion

Der Beitrag wurde mit großer Sorgfalt von der KLUGO-Redaktion erstellt und juristisch geprüft. Dazu ergänzen wir unseren Ratgeber mit wertvollen Tipps direkt vom Experten: Unsere spezialisierten Partner-Anwälte zeigen auf, worauf es beim jeweiligen Thema ankommt.
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