Behandlungsfehler

Ein Behandlungsfehler ist ein objektiv feststellbarer Schaden, der durch das Fehlverhalten eines Arztes entsteht. Hier erfahren Sie, wann ein Behandlungsfehler vorliegt und was Sie in diesem Falle tun können.

Was genau ist ein Behandlungsfehler oder Ärztepfusch?

Eine fehlerhafte Behandlung oder monatelange Schmerzen nach einer Operation sind leider keine Seltenheit. Bei einem Behandlungsfehler sollten sich Patienten zunächst an ihren Arzt wenden. Doch was tun, wenn sich dieser keinerlei Schuld bewusst ist?

Um von einem Behandlungsfehler oder Ärztepfusch zu sprechen, müssen folgende drei Faktoren zusammenkommen und nachgewiesen werden:

  • Ein Schaden ist entstanden, der objektiv feststellbar ist.
  • Der Schaden ist auf ein ärztliches Fehlverhalten zurückzuführen.
  • Der Schadenseintritt liegt nach Kenntnisnahme nicht länger als drei Jahre zurück.

Verbreitete Beispiele für solche Behandlungsfehler sind unter anderem Fehler bei der Medikamentenvergabe oder allgemeine Fehldiagnosen, die gestellt werden.

Informationspflicht nach § 630c BGB


Die ärztliche Pflicht, einen Patienten ordentlich über die Behandlung aufzuklären, ist gesetzlich festgelegt. Tut er dies nicht, kann auch das als Behandlungsfehler oder Teil eines Behandlungsfehlers gewertet werden:

Absatz (2) bestimmt, dass der Behandler den zu Behandelnden zu Beginn über die Umstände der Behandlung aufklären muss. Dies muss auf verständliche Weise erfolgen und besonders die Diagnose, die Entwicklung, die Therapie und die anschließenden Maßnahmen benennen.

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Sie haben ein Recht darauf, Ihre Behandlungsunterlagen einzusehen. Auch eine Fotokopie dieser können Sie einfordern. Daher kann es hilfreich sein, sich bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler zunächst Einblick in die Unterlagen zu verschaffen.

Unterscheidung von Behandlungsfehlern

Bei der Untersuchung des Schadensersatzanspruches findet eine Unterscheidung in einfache und grobe Behandlungsfehler statt: Ein einfacher Behandlungsfehler liegt vor, wenn der Arzt nicht dem Standard und den Regeln der ärztlichen Kunst entsprechend gehandelt hat und somit nicht genug Sorgfalt bei seiner Arbeit hat walten lassen. Ein grober Behandlungsfehler liegt stattdessen vor, wenn der behandelnde Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte Erkenntnisse der Medizin verstoßen hat.

Grober und einfacher Behandlungsfehler – Infografik
Grober und einfacher Behandlungsfehler – Infografik

Bei einem Behandlungsfehler oder Ärztepfusch richtig reagieren

Grundsätzlich gilt es alle wichtigen Informationen, z. B. in Form eines Tagesbuches, über den Krankheitsverlauf, Symptome, Namen der handelnden Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger aufzuschreiben, denn die Beweislast bei einem Behandlungsfehler liegt zunächst beim Patienten.

Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, bietet sich hierbei zunächst ein Beratungsgespräch etwa beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder der eigenen Krankenkasse an. Durch ein Gutachten, das kostenlos durch die Krankenkasse zur Verfügung gestellt wird, kann ein unabhängiger Gutachter gemäß des Arzthaftungsrechts einschätzen, ob der Verdacht auf einen Ärztepfusch begründet ist. Zudem hat grundsätzlich jeder Patient das Recht, seine Behandlungsakten einzusehen und zu nutzen.

Bei einem vorliegenden und durch einen Gutachter bestätigten Ärztepfusch können Privatpatienten ggf. das Arzthonorar zurückverlangen und auf eine Nachbesserung oder Neuanfertigung bestehen. Versicherte bei einer gesetzlichen Krankenkasse können sich an ihre Versicherung wenden, die daraufhin ein Begutachtungsverfahren einleitet.

Anzahl an Behandlungsfehlern – Infografik
Anzahl an Behandlungsfehlern – Infografik

Grundsätzlich gilt: Im Falle eines Fehlers sollten Sie immer zuerst Rücksprache mit Ihrem Arzt halten, ehe Sie weitere Schritte einleiten. Häufig kann auf diese Weise eine außergerichtliche Einigung gefunden werden.

Alle wichtigen Informationen, die den Behandlungsfehler betreffen, sollten umgehend notiert werden, da die Beweislast beim Patienten liegt. Bestätigt ein Gutachter den Behandlungsfehler, kann das Arzthonorar zurückverlangt und eine Nachbesserung eingefordert werden.

Welche Kosten fallen bei einem Behandlungsfehler an?

Sowohl im gerichtlichen als auch im außergerichtlichen Verfahren müssen Sie mit einigen Kosten rechnen.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Gutachterkosten (werden ausgelegt und erstattet)
  • Gerichtskosten (werden ausgelegt und erstattet)
  • Anwaltsvergütung (abhängig vom Streitwert)

Falls Sie vor Gericht Recht zugesprochen bekommen, muss der verklagte Arzt sämtliche Kosten übernehmen. Sollte dem nicht so sein, besteht die Gefahr, dass Sie die Kosten des Verfahrens tragen müssen. Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn Ihre Rechtsschutzversicherung – falls vorhanden – nicht greift und Sie auch keine Prozesskostenhilfe bekommen können.

Abschließend fassen wir noch einmal zusammen, was Sie im Falle eines Behandlungsfehlers beachten sollten:

  • Ein Behandlungsfehler wird rechtlich unter drei Vorraussetzungen festgestellt: Der Behandlungsfehler muss objektiv feststellbar sein. Weiterhin muss der Schaden durch einen Fehler des Arztes verursacht worden sein. Zuletzt darf dieser nicht mehr als drei Jahre zurückliegen, um ihn strafrechtlich zu verfolgen.
  • Die Beweislast des Behandlungsfehlers liegt zunächst beim Patienten. Daher sollten alle wichtigen Informationen umgehend notiert werden.
  • Zunächst können Sie mit Ihrem Arzt sprechen und eine außergerichtliche Klärung anstreben.
  • Weiterhin kann auch ein Beratungsgespräch bei der Krankenkasse Unterstützung bieten.
  • Wird der Behandlungsfehler festgestellt, so muss der Arzt die Gerichtskosten tragen. Sie haben Anspruch auf Rückerstattung des Arzthonorars und eine Nachbesserung der Leistung.

Bei Fragen zum Thema Behandlungsfehler helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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