Düsseldorfer Tabelle

Bei einer Scheidung stellt sich oft die Frage nach dem Kindesunterhalt. Die Düsseldorfer Tabelle gibt Auskunft über die Höhe des Kindesunterhalts.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle ist eine Tabelle, die Richtwerte darstellt, welche für die Berechnung des Unterhaltes, insbesondere des Kindesunterhaltes, zur Hilfe genommen werden. Eingeführt worden ist die Düsseldorfer Tabelle im Jahr 1962 durch das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf. Seitdem werden die Beträge immer wieder neu angepasst, in der Regel erfolgt eine Aktualisierung im Abstand von circa zwei Jahren. Die enthaltenen Werte dienen dabei als Maßstab, ohne rechtsbindenden Charakter zu haben.

Die letzte Aktualisierung der Düsseldorfer Tabelle erfolgte im Januar 2019 durch die Anpassung der Zahlbeträge.

Die Düsseldorfer Tabelle ist eine Richtlinie bei der Bemessung des Kindesunterhalts. Sie dient als allgemeine Richtschnur für alle deutschen Familiengerichte. Die Tabelle wurde 1962 vom Oberlandesgericht Düsseldorf entwickelt und stetig neu angepasst.

Anwendung findet die Düsseldorfer Tabelle für alle Mütter und Väter, deren Kinder nicht bei ihnen im Haushalt leben. Die Tabelle gibt konkret an, wie viel Unterhalt für das Kind bzw. die Kinder bezahlt werden muss. In diesem Zusammenhang stellt sich oft auch die Frage nach dem umgekehrten Elternunterhalt der Kinder für ihre Eltern - gerade dann, wenn die Eltern nicht mehr in der Lage sind, für den eigenen Unterhalt aufzukommen.

Durch den in § 1601 BGB normierten Grundsatz sind Verwandte in gerader Linie zum Unterhalt verpflichtet. Diese Unterhaltspflicht fordert zum einen eine entsprechende Bedürftigkeit auf Seiten des Elternteiles nach § 1602 BGB, aber auch die korrespondierende Leistungsfähigkeit auf Seiten des Kindes nach § 1603 BGB.

Was beinhaltet die Düsseldorfer Tabelle?

Die Düsseldorfer Tabelle enthält:

  • Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen in Relation zum Kindesalter
  • Prozentstaffel
  • Bedarfskontrollbetrag (ist nicht identisch mit dem Selbstbehalt des Steuerrechts)

Zur Berechnung des Unterhalts wird in der Düsseldorfer Tabelle zunächst das Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen ausgewählt. Daneben sind die verschiedenen Altersstufen des Kindes aufgegliedert sowie eine Prozentstaffel und ein Bedarfskontrollbetrag. Alle Werte sind in Euro angegeben. Wichtig ist, dass der Bedarfskontrollbetrag nicht mit dem Selbstbehalt aus dem Steuerrecht gleichzusetzen ist.

Natürlich bedarf auch die Düsseldorfer Tabelle trotz ihrer Aktualität ergänzender Unterhaltsleitlinien. Diese werden durch die einzelnen Oberlandesgerichte festgelegt und bestehen aus vier Teilen: dem Kindesunterhalt, dem Ehegattenunterhalt, der Mangelfallberechnung sowie dem Verwandtenunterhalt. Sie ermöglichen eine einheitliche Rechtsprechung - sind aber letztendlich nicht bindend und sind daher als Empfehlung zu verstehen.

Während früher die untersten Beträge der Düsseldorfer Tabelle als Mindestunterhalt herangezogen wurden, bestimmt nun die sogenannte Mindestunterhaltsverordnung das Minimum, das an gemeinsame Kinder als Unterhalt gezahlt werden muss. Gesetzliche Grundlage dafür ist der neu eingefügte § 1612a Absatz (1) BGB. Grundsätzlich gilt: Auf den Mindestunterhalt hat ein minderjähriges Kind einen unbedingten Anspruch.

Was ist der Bedarfskontrollbetrag in der Düsseldorfer Tabelle?

Mütter und Väter, die für ihre Kinder unterhaltspflichtig sind, finden in der jeweils aktuell gültigen Fassung der Düsseldorfer Tabelle eine Auskunft über den Bedarfskontrollbetrag. Dieser Wert dient dazu, die gerechte Verteilung des Einkommens auf die Kinder und den Ehegatten als Unterhaltsberechtigte zu gewährleisten.

Der Bedarfskontrollbetrag soll verhindern, dass der Unterhaltspflichtige finanziell schlechter gestellt wird als die Unterhaltsberechtigten.

Altersgruppen in der Düsseldorfer Tabelle

Die Düsseldorfer Tabelle unterscheidet im Rahmen des Kindesunterhaltes zwischen vier Altersgruppen. Diese werden gegliedert in die Gruppen:

  • 0–5 Jahre
  • 6–11 Jahre
  • 12–17 Jahre
  • ab 18 Jahre

Abhängig von der Altersgruppe gibt es gemäß der Düsseldorfer Tabelle eine Mindesthöhe für den Kindesunterhalt. Sie beträgt aktuell:

  • für die Altersstufe 0-5 Jahre: 354 Euro
  • für die Altersstufe 6-11 Jahre: 406 Euro
  • für die Altersstufe 12-17 Jahre: 476 Euro
  • für die Altersstufe ab 18 Jahre: 527 Euro
Düsseldorfer Tabelle – Infografik
Düsseldorfer Tabelle – Infografik

Die Beträge in den einzelnen Spalten steigen jeweils zum einen mit dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen, zum anderen mit dem Alter des Kindes an.

§ 1612 a BGB – Mindestunterhalt


Nach § 1612 a Abs. 1 BGB kann ein minderjähriger Unterhaltsberechtigter von einem Elternteil, mit dem nicht in Gemeinschaft gelebt wird, ein monatliches Unterhaltsgeld verlangen. Dies richtet sich nach den Einkommensverhältnissen und dem Alter des Berechtigten.

Prozentstaffel in der Düsseldorfer Tabelle

Je höher das Einkommen des Unterhaltspflichtigen steigt, desto mehr verbleibt ihm nach Zahlung des Unterhalts. Die Prozentstaffel in der vorletzten Spalte der Düsseldorfer Tabelle dient zur Berechnung des Unterhaltssatzes. Der Wert fungiert als Steigerungswert für den Unterhalt in der jeweiligen Gehaltsgruppe gegenüber dem Mindestunterhalt in der niedrigsten Gehaltsgruppe. Der Prozentsatz wird mit dem Mindestunterhalt multipliziert und bestimmt die Höhe des Anspruchs auf Unterhalt.

Richtige Anwendung der Düsseldorfer Tabelle

Um den Unterhalt berechnen zu können, wird zunächst geschaut, auf welchen Betrag sich Ihr Nettoeinkommen beläuft. Die erste Stufe sichert dabei den Grundbetrag. Das OLG hat bei seinen Berechnungen zugrunde gelegt, dass der Unterhaltspflichtige mindestens für zwei Personen Unterhalt zahlen muss. Sie bewegen sich in der linken Spalte entlang des Einkommens, welches für Sie gilt. Dann gehen Sie nach rechts und bleiben in der Spalte stehen, in welcher sich Ihr Kind altersmäßig befindet. Der angegebene Prozentsatz spiegelt die Steigerung des Unterhaltes gegenüber der ersten Stufe wider. Zugrunde gelegt wird am Ende der Betrag in der entsprechenden Spalte abzüglich einer 5-prozentigen Pauschale (bei Arbeitnehmern) und in der Regel noch abzüglich des Kindergeldes. Dieses wird bei minderjährigen Kindern zur Hälfte angerechnet und bei privilegierten volljährigen Kindern ganz. Hieraus können Sie den konkreten Unterhalt berechnen.

Zusammengefasst ergeben sich also folgende Schritte:

  • 1. Schritt: Bereinigtes Nettoeinkommen feststellen (nicht zu verwechseln mit dem Nettoeinkommen auf der Lohnabrechnung)
  • 2. Schritt: Bestimmung der Altersstufe (bei volljährigen Kindern gibt es unabhängig vom Alter eine einzige Bedarfsgruppe)
  • 3. Schritt: Kindergeld einbeziehen nach § 1612b BGB
  • 4. Schritt: Selbstbehalt und Bedarfskontrollbetrag prüfen (Bedarfskontrollbetrag darf nicht unterschritten werden)

Beispielrechnung:

  • 1. Schritt: Bereinigtes Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Vaters: 3.250 Euro
  • 2. Schritt: Unterhaltspflicht für zwei Kinder im Alter von 9 und 16 Jahren: 488 Euro und 572 Euro
  • 3. Schritt: Anrechnung des Kindergeldes für beide Kinder zu 50 Prozent: 2x97 Euro
  • 4. Schritt: Bedarfskontrollbetrag ist nicht unterschritten

Ergebnis: Der Vater ist zu einer monatlichen Unterhaltszahlung in Höhe von 866 Euro verpflichtet.

Beim Wechselmodell liegt die Betreuung und die Fürsorge für die gemeinsamen Kinder bei beiden Elternteilen. Sie teilen sich die damit verbundenen Aufgaben zu gleichen Teilen. Für die Unterhaltspflicht bedeutet das, dass auch dieser zu gleichen Teilen von den beiden Elternteilen geleistet wird.

Wichtig zu wissen: Die Düsseldorfer Tabelle findet nicht nur bei geschiedenen Ehepartnern Anwendung, sondern auch bei getrennt lebenden Ehepartnern mit gemeinsamen Kindern.

Für den Ehegattenunterhalt gilt das Prinzip der Teilung. Hierbei hat jedoch der arbeitende Teil einen Anspruch auf ein zusätzliches Siebtel des Einkommens.
Dr. Udo Völlings
Fachanwalt für Familienrecht

Wie wird bei der Düsseldorfer Tabelle das Nettoeinkommen berechnet?

Das Nettoeinkommen, das bei der Düsseldorfer Tabelle relevant ist für die Unterhaltsberechnung, unterscheidet sich deutlich von dem, was bei Arbeitnehmern als Nettoeinkommen auf der Lohnabrechnung aufgeführt ist.

Es wird auch als bereinigtes Nettoeinkommen bezeichnet und berücksichtigt unter anderem

  • Aufwand für ehebedingte Schulden
  • Fahrtkosten
  • Kosten für die private Krankenversicherung
  • Kosten für die Altersvorsorge

Liegt Ihr Nettoverdienst über einem monatlichen Betrag von 5.501 €, so richtet sich der Kindesunterhalt nach den Umständen des Einzelfalls.

Mehrere unterhaltsberechtigte Personen

Problematisch wird es beim Berechnen des Unterhalts, wenn Sie nur ein geringes Einkommen haben und viele Unterhaltsverpflichtungen. Bei mehr als zwei Unterhaltsverpflichtungen rutschen Sie in die vorige Einkommensstufe. Zudem gibt es vorrangig und nachrangig unterhaltsberechtigte Personen. Da auch der Unterhaltsschuldner ein Recht auf Selbstbehalt hat, kann es passieren, dass bei einer zu hohen Belastung nur die vorrangig unterhaltsberechtigte Person Unterhalt erhält und der oder die nachrangige Person leer ausgeht.

klugo tipp

Die Unterhaltsberechnung kann bei mehreren unterhaltsberechtigten Personen schwierig sein. Hierbei kann ein Fachanwalt für Familienrecht eine kompetente Beratung geben, die in den meisten Fällen der Einschätzung eines Gerichts entspricht.

Kindesunterhalt bei volljährigen Kindern

Kinder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, sind nach dem Gesetz volljährig und unterliegen nicht mehr den allgemeinen Sorgerechtsregelungen. Die Verpflichtung zum Unterhalt ist ab diesem Zeitpunkt als Barunterhalt zu erbringen - das volljährige Kind muss sich nunmehr selbständig um seine Rechte kümmern und diese auch entsprechend einfordern. Als Barunterhalt bezeichnet man die reine finanzielle Deckung des Unterhaltsbedarfs des gemeinsamen Kindes. Allerdings haben volljährige Kinder nur dann einen Anspruch auf Unterhalt, wenn sie sich in der Ausbildung befinden oder ein Studium aufgenommen haben. Gemäß § 1610 Abs. (2) BGB besteht die Unterhaltspflicht bis zu einem berufsqualifizierenden Abschluss.

Bei volljährigen Kindern, die einen Anspruch auf Unterhalt haben und einen eigenen Hausstand führen, wird ein Pauschalbetrag in Höhe von 735 € monatlich veranschlagt. Für den Fall, dass der Unterhalt nicht gezahlt wird, kann bei Gericht ein Unterhaltsvorschuss beantragt werden.

In unserer abschließenden Checkliste finden Sie die wichtigsten Informationen zur Düsseldorfer Tabelle:

  • Die Düsseldorfer Tabelle entstand 1962, um die Berechnung von Unterhaltsforderungen zu regeln.
  • Die Tabelle wurde seitdem ständig angepasst und stellt eine allgemeine Richtschnur für die Höhe des Unterhalts dar.
  • Die Tabelle ist in Nettoeinkommen und Altersklassen aufgeteilt, um den genauen Unterhaltsbetrag zu ermitteln.
  • Bei sehr hohen Nettoeinkommen ist der Unterhalt im Einzelfall zu berechnen.

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Familienrecht und Düsseldorfer Tabelle helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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