Ablauf eines Strafverfahrens

Das Strafverfahren kommt dann zum Einsatz, wenn eine Person eine Strafanzeige erhalten hat. Diese kann zu Recht oder zu Unrecht ausgesprochen worden sein. Was dann folgt, ist das Ermittlungsverfahren.

Phasen eines Strafverfahrens

Ein Strafverfahren ist in verschiedene Phasen unterteilt: Ermittlungsverfahren, Zwischenverfahren, Hauptverfahren und Vollstreckungsverfahren.

Ablauf eines Strafverfahrens – Infografik
Ablauf eines Strafverfahrens – Infografik

Das Ermittlungsverfahren

Das Ermittlungsverfahren kann von Amts wegen oder durch eine Strafanzeige eingeleitet werden, wobei jeder berechtigt ist, eine Strafanzeige zu stellen. Das Ermittlungsverfahren hat den Zweck, zu überprüfen, ob die Anschuldigungen gegenüber dem Beschuldigten theoretisch bewiesen werden können oder ob Beweise dafür bestehen, dass die Anschuldigungen zu Unrecht erhoben wurden. Der Sachverhalt wird also genauer geprüft, indem Ermittlungen eingeleitet werden. Die Ermittlungen werden von der Strafverfolgungsbehörde und Polizei durchgeführt. Ist das Ermittlungsverfahren beendet, folgt entweder eine Einstellung des Verfahrens, ein Strafbefehl oder eine Anklage.

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Machen Sie im Verlauf des Ermittlungsverfahrens keine Aussagen, da diese gegen Sie verwendet werden können. Wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt und verschaffen Sie sich Akteneinsicht, bevor Sie ein Verhör antreten.

Einstellung, Strafbefehl oder Anklage

Nach Beendigung des Ermittlungsverfahrens gibt es für den weiteren Verlauf folgende Optionen:

  • Die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren ein.
  • Das Verfahren wird durch den Strafbefehl abgekürzt, es kommt zu einer Strafe.
  • Die Anklage leitet das Zwischenverfahren ein.

Ein Verfahren kann aus verschiedenen Gründen durch die Staatsanwaltschaft eingestellt werden. Zum einen kann es sein, dass aufgrund der Ermittlung die Annahme besteht, dass nicht ausreichend Beweise gefunden werden können, um den Beschuldigten unter Tatverdacht zu stellen. Zudem ist es möglich, dass es sich um einen Erstverstoß handelt, dessen verursachter Schaden so gering ist, dass von einer weiteren Verfolgung abgesehen werden kann. Als letzter Grund sind Auflagen wie der Täter-Opfer-Ausgleich zu nennen, die zur Einstellung führen können.

Absehen von der Verfolgung unter Auflagen und Weisungen gemäß § 153a StPO


Die genauen Voraussetzungen, unter denen eine Strafverfolgung eingestellt werden kann, sind in der Strafprozessordnung festgehalten:

In Bezug auf das Absehen der Verfolgung unter Auflagen und Weisungen gemäß § 153a ist in Absatz (1) zu lesen, dass hierfür die Zustimmungen des zuständigen Gerichts und des Beschuldigten notwendig sind. Außerdem müssen die Auflagen und Weisungen geeignet sein, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen.

Im Falle einer minder schweren Straftat kann die Staatsanwaltschaft beim Gericht einen direkten Strafbefehl beantragen. Dieser wird ohne weitere Verhandlung an den Angeschuldigten gerichtet, wobei dieser zwei Wochen Zeit hat, Einspruch zu erheben.

Reicht die Staatsanwaltschaft beim Gericht eine Anklage ein, ist das Zwischenverfahren eröffnet und der Beschuldigte wird zum Angeschuldigten.

Ein Zwischenverfahren bzw. Hauptverfahren kann abgewendet werden, wenn die Staatsanwaltschaft das Verfahren aufgrund mangelnder Beweise einstellt oder einen Strafbefehl fordert. Hält die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung für wahrscheinlich, reicht sie eine Anklage beim Gericht ein.

Das Zwischenverfahren im Falle einer Anklage

Das Zwischenverfahren kommt dann zustande, wenn die Staatsanwaltschaft beschließt, dass ausreichend Tatverdacht besteht, und beim Gericht eine Anklage einreicht. Das Gericht hat nun als dritte Instanz die Aufgabe, den Sachverhalt zu prüfen und zu entscheiden, ob es wirklich zu einer Hauptverhandlung kommt. Der Strafverteidiger hat innerhalb des Zwischenverfahrens die Möglichkeit, das Hauptverfahren ganz oder in Teilen abzuwenden.

Das Hauptverfahren

Das Hauptverfahren kommt dann zustande, wenn das Gericht beschließt, dass die Anklage durch die Staatsanwaltschaft gerechtfertigt ist. Der Ablauf des Hauptverfahrens besteht aus Fragen zur Person des Angeklagten, anschließend aus der Beweisaufnahme und zuletzt aus dem Strafverfahren, in dem das Urteil des Gerichts gebildet und verkündet wird. Wie umfangreich ein Hauptverfahren wird und wie lange es dauert, hängt von der Komplexität des Falls und der Staatsanwaltschaft sowie dem Strafverteidiger ab. Die Dauer des Hauptverfahrens kann zwischen einigen Tagen bis hin zu einigen Monaten variieren. Der Strafverteidiger hat die Aufgabe, durch die Einbringung von Zeugen und Beweisen die Strafe des Angeklagten abzuwenden oder ein faires Strafmaß zu sichern.

So läuft das Hauptverfahren grundlegend ab:

  • In der Hauptverhandlung werden Fragen zur Person des Angeklagten gestellt und die Anklage vorgelesen. Eine Stellungsname des Angeklagten ist möglich.
  • In der Beweisaufnahme werden Zeugen und Sachverständige angehört und Beweise vorgelegt. Staatsanwalt sowie Verteidiger halten ein Plädoyer; der Angeklagte hat das letzte Wort.
  • Im Strafverfahren zieht sich das Gericht zurück, entscheidet über das Strafmaß und verkündet dieses im Anschluss.

Die Berufung oder Revision

Ist das Urteil gesprochen, bedeutet dies nicht zwingend, dass der Rechtsweg endet. Der Verurteilte wie auch die Staatsanwaltschaft haben nun eine Woche lang die Möglichkeit, Berufung oder Revision einzulegen.

Die Berufung ist dann eine Option, wenn es sich um ein Urteil des Amtsgerichts der ersten Instanz handelt. Im Falle der Berufung wird das Urteil in Form einer Gerichtsverhandlung durch das Landesgericht komplett überprüft. Hierbei können neue Beweismittel eingebracht werden. Bei der Revision wird das Urteil durch das Oberlandesgericht oder den Bundesgerichtshof auf Rechtsfehler überprüft, wobei in der Regel keine neue Verhandlung stattfindet.

Bei Fragen zum Thema Strafverfahren helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Rechtsanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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