Fahrerflucht und Unfallflucht: Welche Strafen drohen | KLUGO
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Fahrerflucht & Unfallflucht

Ein Verkehrsteilnehmer, der sich unerlaubt von einem Unfallort entfernt, begeht in der Regel Fahrer- bzw. Unfallflucht. Genauer gesagt: Fahrerflucht bzw. Unfallflucht wird begangen, wenn ein Fahrer es unterlässt dem Geschädigten oder der Polizei mitzuteilen, dass er den Unfall verursacht hat oder beteiligt war.

Was bedeutet Fahrerflucht bzw. Unfallflucht?

Zur Unfallflucht bzw. Fahrerflucht zählt beispielsweise das frühzeitige Verlassen des Unfallortes bei einem Parkschaden. Wird beim Ein- oder Ausparken ein Fahrzeug beschädigt, muss auf den Besitzer gewartet oder die Polizei benachrichtigt werden.

Fahrerflucht nach § 142 StGB


Das unerlaubte Verlassen eines Unfallortes wird in § 142 des Strafgesetzbuches näher definiert:

Absatz (1) bestimmt, dass ein unrechtmäßiges Verlassen des Unfallortes unter zwei Bedingungen gegeben ist. Dies ist zum einen der Fall, wenn der Verursacher den Beteiligten keine Feststellung seiner Person ermöglicht hat, also keine Informationen hinterlassen hat. Zum anderen ist Fahrerflucht gegeben, wenn der Verursacher keine angemessene Zeitspanne am Unfallort abgewartet hat.

Solange nicht alle Formalitäten geklärt sind, darf der Unfallort von allen Beteiligten nicht verlassen werden. Als angemessene Wartezeit wird dabei eine Zeitspanne von 15 bis 60 Minuten angesehen. Bei der Polizei sollten Sie sich innerhalb von 24 Stunden melden.

Unfallflucht/ Fahrerflucht – Infografik
Unfallflucht/Fahrerflucht – Infografik

Welche Strafe droht bei Fahrerflucht bzw. Unfallflucht?

Der Tatbestand der Fahrerflucht als unerlaubtes Entfernen vom Unfallort bringt als verkehrsrechtliche Folge unterschiedlich hohe Bußgelder, bis zu drei Punkte in Flensburg und ggf. ein Fahrverbot oder gar einen Fahrerlaubnisentzug mit sich. Aus strafrechtlicher Sicht zieht die Unfall- bzw. Fahrerflucht eine Geldstrafe nach sich und kann in schweren Fällen sogar mit einem Freiheitsentzug bestraft werden.

Dies gilt auch dann, wenn Sie sich nach einem Unfall vom Unfallort entfernen und beispielsweise einen Zettel oder Ihre Visitenkarte hinterlassen, weil der Unfallgegner in diesem Moment nicht zugegen ist. Selbst, wenn Sie Ihre Personalien zum Beispiel hinter den Scheibenwischer des Unfallgegners klemmen, sind Sie dennoch verpflichtet, die Polizei zu informieren und den entsprechenden Schaden zu melden.

Insbesondere bei einem Personenschaden darf der Unfallort auf keinen Fall verlassen werden. Erste Hilfe kann nach einem Unfall Leben retten. Wer den Unfallort verlässt, macht sich somit der unterlassenen Hilfeleistung schuldig und kann für fahrlässige Körperverletzung oder Tötung bestraft werden. Wird am Unfallort keine Erste Hilfe geleistet, hat dies einen Freiheitsentzug von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe zur Folge.

Fahrerflucht mit Personenschaden

Ein Unfall kann sehr viel mehr verursachen als einen reinen Blech- bzw. Sachschaden. Wenn bei einem Unfall Personen Schaden nehmen, wiegt auch ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort deutlich schwerer - immerhin besteht in diesen Fällen nicht nur die Notwendigkeit, den Unfallhergang aufzuklären, sondern auch direkte Hilfe für die verletzte Person zu leisten.

Das hat auch der Gesetzgeber erkannt und in § 34 der Straßenverkehrsordnung (kurz: StVO) explizit die Pflicht für die Unfallbeteiligten normiert, sich um die verletzten Personen am Unfallort zu kümmern und gegebenenfalls Erste Hilfe zu leisten. Wer dieser gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt, macht sich demnach der unterlassenen Hilfeleistung nach § 323c des Strafgesetzbuches (kurz: StGB) schuldig. Wichtig zu wissen: Neben den genannten Vorschriften können je nach Fallkonstellation auch andere Tatbestände einschlägig sein - besonders relevant ist in diesem Zusammenhang zum Beispiel der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung nach § 229 StGB.

Unter Umständen kommt es bei einem Unfall nicht nur zu einfachen Verletzungen, sondern sogar dazu, dass Unfallbeteiligte zu Tode kommen. Eine Fahrerflucht kann dann in Abhängigkeit von der konkreten Fallkonstellation nach § 142 StGB mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden.

Unfälle mit Personenschaden erfordern Erste Hilfe am Unfallort, soweit die Umstände dies nahelegen und der Unfallverursacher dazu auch grundsätzlich in der Lage ist. Nicht zumutbar ist die Erste Hilfe nur dann, wenn sich der Ersthelfer dadurch selbst oder einem anderen nachweislich schadet - in diesem Fall sind Sie aber verpflichtet, weitere Hilfe hinzuzuholen oder einen entsprechenden Notruf abzusetzen.

Fahrerflucht während der Probezeit

Wird während der Probezeit eine Fahrerflucht begangen, so sind nach dem Bußgeldkatalog unterschiedliche Strafen möglich. Diese sind von der begangenen Tat abhängig. Verkehrsverstöße in der Probezeit werden in Abhängigkeit von der Schwere der Verfehlung in A- und B-Verstöße eingeteilt. Während die sogenannten A-Verstöße regelmäßig schwerwiegende Verstöße gegen die Vorschriften aus der Straßenverkehrsordnung darstellen, sind die B-Verstöße vergleichsweise weniger gravierend. Dementsprechend unterscheiden sich auch die rechtlichen Folgen - ein A-Verstoß sorgt unter anderem dafür, dass die Probezeit von zwei auf vier Jahre verlängert wird.

Auch die Fahrerflucht während der Probezeit ist als A-Verstoß einzustufen. Die Verantwortungslosigkeit des flüchtenden Fahrers ist für den Gesetzgeber ausschlaggebend, um das unerlaubte Entfernen vom Unfallort mit einer Verlängerung der Probezeit inklusive Aufbauseminar zu bestrafen sowie mit einem Bußgeld und Punkten in Flensburg.

Zu den häufigen Strafen bei Fahrerflucht gehören:

  • Punkte in Flensburg
  • Eine Geldstrafe
  • Ein Fahrverbot
  • Absoluter Fahrerlaubnisentzug

Zusätzlich wird die Probezeit um weitere zwei Jahre verlängert. Außerdem muss ein Aufbaukurs belegt werden.

Unfall mit Fahrerflucht unter Alkoholeinfluss

Alkohol am Steuer führt in jedem Fall zu einem Führerscheinverlust bis zu einem Promillewert von 0,3. Ab 0,5 Promille liegt eine Ordnungswidrigkeit vor, die mit zwei Punkten in Flensburg, einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren sowie dem Entzug der Fahrerlaubnis geahndet wird. Wenn nun alkoholisiert ein Sach- oder Personenschaden entsteht und der Unfallverursacher Fahrerflucht begeht, werden für die Festlegung der Strafe für die Fahrerflucht die Schwere der Schuld, der Schaden selbst und die wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters in die Betrachtung mit einbezogen.

Fahrerflucht liegt dann vor, wenn ein Personen- oder Sachschaden begangen wird und der Fahrer ohne weitere Mitteilung den Unfallort verlässt. Ein Unfallort darf auch bei einem Parkschaden nicht verlassen werden. Als angemessene Wartezeit gilt eine Spanne von 15 bis 60 Minuten.

Abmilderung der Strafe bei Fahrerflucht

Nach § 142 Abs. (4) StGB kann die Strafe für Fahrerflucht gemildert werden. Dies ist jedoch nur dann einschlägig, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind - so muss sich der Täter innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfall bei der Polizei selbst anzeigen. Dies gilt grundsätzlich jedoch nur für kleinere Sachschäden. Sind die Blechschäden nach einem Unfall mit Fahrerflucht größer oder waren sogar Personen involviert, ist eine Abmilderung der Strafe nach dem Wortlaut der Vorschrift ausgeschlossen.

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Im Falle einer unwissentlich begangenen Fahrerflucht sollte der vermeintliche Täter der Polizei gegenüber zunächst Schweigen bewahren. Neben den üblichen Angaben gibt es keine Verpflichtung zum Schuldeingeständnis.

Unbeabsichtigte Unfallflucht

Nicht nur im fließenden Verkehr, sondern gerade auch beim Ein- und Ausparken werden kleinere Rempler von den Unfallverursachern nicht zwingend auch bemerkt. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass per Gutachten auch nachträglich zuverlässig festgestellt werden kann, ob ein Unfall bzw. ein Zusammenstoß für den Verursacher wahrnehmbar war oder nicht - hier bietet sich also mitnichten eine Ausrede für den Unfallverursacher. Auch das Gericht verlangt in diesem Fall, dass der Unfall tatsächlich nicht bemerkt wurde oder sogar Vorsatz für den Unfall gegeben ist.

Sollte sich die Gesamtsituation aus Ihrer Sicht wie beschrieben darstellen, dann ist es ratsam, einen Fachanwalt für Verkehrsrecht zu konsultieren, der Ihnen mit viel Expertise zur Seite steht.

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Was tun als Zeuge bei einer Fahrerflucht?

Gerade bei Parkunfällen mit Kratzern oder geringeren Schäden kommt es häufig vor, dass sich die Verursacher entfernen, ohne dem Besitzer des beschädigten Wagens Bescheid zu geben. Wenn Sie also eine Unfallflucht bemerken, schreiben Sie sich neben dem Kennzeichen am besten noch die Farbe sowie die Automarke des Unfallverursachers auf und informieren Sie die Polizei über den von Ihnen beobachteten Vorfall.

Zahlt die Versicherung bei Unfallflucht?

Für gewöhnlich übernimmt die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die Kosten für den entstandenen Schaden. Wenn nun aber Fahrerflucht begangen wurde, zahlt die Versicherung für den Schaden nicht mehr. Lediglich bei einer Vollkaskoversicherung mit Unfallflucht sind die Kosten bei einem durch Fahrerflucht entstandenen Schaden inkludiert und werden somit übernommen.

Nach einem Verkehrsunfall, an dem Sie nicht Schuld waren, haben Sie eine Vielzahl von Schadensersatzansprüchen. Diese sollten Sie bei der gegnerischen Versicherung geltend machen.
Sebastian Scholz
Rechtsanwalt für Verkehrsrecht

Abschließend fassen wir noch einmal zusammen, was Sie bezüglich des Themas Fahrerflucht beachten sollten:

  • Eine Fahrerflucht wird dann begangen, wenn der Unfallverursacher ohne Mitteilung den Unfallort vorzeitig verlässt.
  • Auch bei Parkschäden wird ein Verlassen des Unfallortes als Fahrerflucht gewertet. 15 bis 60 Minuten Wartezeit gelten als angemessen.
  • Die rechtlichen Konsequenzen, die sich aus einer Fahrerflucht ergeben, sind abhängig von Fall und Schwere der Tat.
  • Besondere Fälle sind die Fahrerflucht während der Probezeit und unter Alkoholeinfluss. In diesen Bereichen unterscheidet sich das Strafmaß.
  • Der Geschädigte einer Unfallflucht hat diverse Ansprüche auf Schadensersatz. Diese können bei der gegnerischen Versicherung geltend gemacht werden.

Bei Fragen zum Thema Verkehrsrecht, Fahrerflucht und Unfallflucht helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.