Mann sitzt mit Unterlagen am Tisch

Enterbt? So deckst du Testamentsfehler auf! So prüfst du ein Testament auf Fehler: Schritt für Schritt – mit Musterbrief und Tipps für dich

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Du wurdest enterbt und hast Zweifel am Testament? Tatsächlich enthält rund jedes dritte Testament in Deutschland Fehler, die eine Anfechtung ermöglichen.

Bevor du eine Enterbung also einfach akzeptierst, solltest du prüfen, ob das Testament überhaupt gültig ist.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du prüfst, ob das Testament Fehler enthält, warum Einsicht in die Nachlassunterlagen wichtig ist, wie du diese beantragst und wann ein Fachanwalt für Erbrecht sinnvoll ist.

von KLUGO
06.02.2026
6 Min Lesezeit

Testament prüfen lassen ☝️ Das Wichtigste in Kürze

  • Nur mit Akteneinsicht kannst du prüfen, ob das Testament Fehler enthält.

  • Nur Pflichtteilsberechtigte wie Kinder, Ehepartner und Eltern dürfen die Unterlagen beim Nachlassgericht anfordern.

  • Für eine Anfechtung hast du bis zu ein Jahr Zeit, nachdem du vom Testament weißt.

👉 Weil das Erbrecht oft kompliziert ist, lohnt sich rechtzeitige juristische Unterstützung, besonders wenn es um die Prüfung eines Testaments geht.

Warum du das Testament prüfen lassen solltest

Viele Enterbte glauben zuerst, dass sie nichts tun können – doch das stimmt oft nicht. Denn ein Testament kann fehlerhaft sein und dadurch ganz oder teilweise ungültig werden.

Typische Fehler sind:

  1. Formfehler – das Testament ist nicht korrekt erstellt

    • Keine Unterschrift des Verstorbenen bzw. Erblassers

    • Kein Datum oder unklare Angaben (z. B. nur „Weihnachten 2024“ statt „22.12.2024“)

    • Falsche Beglaubigung (z. B. durch einen nicht berechtigten Zeugen)

  2. Der Erblasser stand unter Druck

    • Drohungen wie "Wenn du mich nicht besuchst, enterbe ich dich!"

    • Erpressung wie "Heirate nicht, sonst erbst du nichts!"

  3. Das Testament ist unfair oder diskriminierend

    Enterbung wegen:

    • sexueller Orientierung

    • Religion

    • Behinderung

  4. Widersprüche im Testament

    • Mehrere Testamente mit unterschiedlichen Inhalten (z. B. eines von 2010 uns eines von 2023)

    • Unklare Formulierungen wie „Mein Freund soll das Haus bekommen“ – aber es ist nicht klar, welcher Freund gemeint ist

  5. Der Verstorbene war nicht zurechnungsfähig

    • Demenz oder schwere Krankheit (z. B. Alzheimer)

    • Starke Medikamente, die das Denken beeinträchtigen (z. B. Schmerzmittel nach einer OP)

    • Betrunken oder unter Drogen beim Schreiben des Testaments

Schritt 1: Akteneinsicht beantragen

Um prüfen zu können, ob einer der genannten Punkte auf das Testament zutrifft, brauchst du im ersten Schritt die Unterlagen vom Nachlassgericht, also dem Amtsgericht am letzten Wohnort des Verstorbenen.

Mit der Akteneinsicht erhältst du unter anderem:

  • das Testament selbst (oder mehrere Versionen),

  • alle wichtigen Erklärungen, Erbscheine oder Vermerke,

  • und oft zum ersten Mal einen klaren Überblick über den gesamten Nachlass.

Auf Basis dieser Informationen kannst du dann prüfen, ob alles korrekt ist – oder entscheiden, ob ein Anwalt für Erbrecht dich dabei unterstützen soll – was unsere klare Empfehlung ist.

Wer darf Akteneinsicht nehmen?

Akteneinsicht dürfen nur Pflichtteilsberechtigte beantragen. Dazu gehören:

  • Kinder des Verstorbenen (auch adoptierte oder nichteheliche)

  • Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner

  • Eltern des Verstorbenen (wenn keine Kinder oder Ehepartner leben)

Nicht berechtigt sind:

  • Freunde, entfernte Verwandte oder Bekannte

💡 KLUGO-Tipp: Wenn du unsicher bist, ob du berechtigt bist, sprich am besten mit einem Anwalt für Erbrecht.

So beantragst du die Akteneinsicht (mit Musterbrief)

  1. Verfasse ein kurzes Schreiben (ein Muster findest du unten).

    • Gib darin an, dass du Akteneinsicht beantragst, wer du bist und um welche Unterlagen es geht.

  2. Füge einen Identitätsnachweis bei – in der Regel Kopie der Vorderseite deines Personalausweises (Name, Foto, Geburtsdatum).

    • Kopiere nicht mehr Daten als nötig.

    • Manche Gerichte akzeptieren auch die Vorlage des Ausweises vor Ort.

    • Bei Unsichereiten am besten direkt beim Gericht nachfragen.

  3. Sende den Antrag per Post oder – falls das Gericht es erlaubt – per E-Mail.

  4. Du kannst die Akte vor Ort einsehen oder dir Kopien zuschicken lassen – meist ist das kostenlos.

👉 Den Antrag auf Akteneinsicht kannst du selbst erledigen oder, wenn du auf Nummer sicher gehen willst, einen Fachanwalt für Erbrecht hinzuziehen.

📄 Musterbrief zu Akteneinsicht

An das
Amtsgericht [Stadt] – Nachlassgericht –

Betreff: Antrag auf Akteneinsicht gemäß § 13 FamFG

Sehr geehrtes Gericht,

als pflichtteilsberechtigte Person (ich bin [Tochter/Sohn/Ehepartner/Elternteil] des Verstorbenen [Name, geboren am TT.MM.JJJJ, gestorben am TT.MM.JJJJ]) beantrage ich Einsicht in die Nachlassakte.

Bitte senden Sie mir Kopien aller relevanten Unterlagen zu.

Mit freundlichen Grüßen
[Dein Name]
[Adresse, Kontakt]

Was passiert nach dem Absenden des Antrags?

Das Gericht prüft deinen Antrag in der Regel innerhalb von 1–2 Wochen. Anschließend erhältst du Kopien der Unterlagen, meist kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr.

Wenn du nach dieser Zeit keine Rückmeldung bekommst, kannst du beim Gericht nachhaken oder, falls du unsicher bist, einen Anwalt für Erbrecht um Unterstützung bitten.

Schritt 2: Testament prüfen lassen

Sobald du die Unterlagen hast, geht es an die juristische Prüfung.
Du kannst das Testament theoretisch selbst prüfen, aber in der Praxis ist das riskant.

Warum?

  • Viele Fehler sind juristisch, nicht sprachlich und daher für Laien kaum zu erkennen.

  • Seit 2026 gelten neue Regelungen (z. B. zum digitalen Nachlass).

  • Anwälte erkennen versteckte Formfehler, wissen, welche Fristen laufen und wie Beweise gesichert werden.

  • Wenn du zu lange zögerst, läuft die Frist ab, um das Testament anzufechten. Danach ist es meist zu spät, noch etwas zu ändern.

💡 Unser Rat: Lass das Testament umgehend von einem Fachanwalt für Erbrecht prüfen, so musst du dich nicht allein auf dein juristisches Bauchgefühl verlassen.

Was kostet die Prüfung des Testaments?

Eine vollständige Prüfung durch einen Fachanwalt für Erbrecht liegt meist im Bereich von 200–500 €.

Wenn du erfolgreich gegen das Testament vorgehst, werden diese Kosten in vielen Fällen von den Erben übernommen. Eine verbindliche Garantie dafür gibt es jedoch nicht – es kommt immer auf den Einzelfall an.

Wie geht es nach der Prüfung weiter?

  1. Sprich mit einem Fachanwalt für Erbrecht, ob eine Anfechtung des Testaments für dich sinnvoll ist.

  2. Alternativ kannst du auch einfach deinen Pflichtteil geltend machen – eine Anfechtung ist dafür nicht zwingend nötig.

Lohnt sich die Prüfung des Testaments?

In Deutschland enthält fast jedes dritte Testament Fehler, eine Prüfung lohnt sich daher fast immer, selbst bei klarer Enterbung.

✅ Vielleicht hast du Anspruch auf deinen Pflichtteil.
✅ Du erhältst Gewissheit, ob das Testament wirklich gültig ist.

Häufige Fragen

Kann ich das Testament selbst prüfen?

Ja, theoretisch schon – aber Laien übersehen schnell formale Mängel oder rechtliche Ungültigkeiten.

Wann beginnt die einjährige Frist zur Anfechtung?

Ab dem Zeitpunkt, an dem du von der Enterbung und den Gründen erfährst – in der Regel nach der Testamentseröffnung.

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mann mit brille schaut in die kamera