Widerruf beim Darlehen

Das Widerrufsrecht ist ein Instrument des Verbraucherschutzes und gibt dem Verbraucher die Möglichkeit, sich nachträglich aus Verträgen zu lösen. Das macht zum Beispiel dann Sinn, wenn Verträge übereilt geschlossen wurden.

Rechtliche Grundlage des Widerrufs beim Darlehen

Der Widerruf des Darlehensvertrags führt dazu, dass beide Parteien vollständig aus dem Vertrag gelöst werden. Sollte ein Darlehen bereits überwiesen worden sein, entsteht ein Rückabwicklungsschuldverhältnis und der Verbraucher muss das Darlehen zurücküberweisen. Solange das Widerrufsrecht in der vorgegebenen Frist geltend gemacht wird, sind keine besonderen Bedingungen an den Widerruf geknüpft, wie es bei einem Rücktrittsrecht der Fall ist. Es muss kein Defizit in der Vertragserfüllung oder der Beratung vorliegen, ein Widerruf kann aus rein wirtschaftlicher Motivation heraus erklärt werden.

Damit Sie von Ihrem gesetzlichen Widerrufsrecht Gebrauch machen können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das gesetzliche Widerrufsrecht steht nur einem Verbraucher zu, der ein Darlehen weder aus gewerblichen noch selbstständigen beruflichen Zwecken empfängt.
  • Der Vertragstyp muss mit einem Widerrufsrecht ausgestattet sein, was bei einem Verbraucherdarlehensvertrag der Fall wäre.
  • Das Widerrufsrecht ist noch gültig.

Die gesetzliche Widerrufsfrist von Darlehensverträgen beträgt 14 Tage und setzt dann ein, wenn der Verbraucher seine Vertragsurkunde mit allen relevanten Konditionen erhalten hat. Diese enthält auch eine Widerrufsbelehrung, die sich nach der aktuellen Musterwiderrufsbelehrung richten sollte, die vom Gesetzgeber veröffentlicht wurde. Sollten hier Fehler existieren, kann es sein, dass der Verbraucher sein Widerrufsrecht noch Jahre nach Abschluss des Darlehensvertrages nutzen kann. Weitere Bestimmungen ergeben sich aus 229 § 38 III Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche.

Widerrufsrecht nach § 495 BGB


Dem Darlehensnehmer steht bei einem Verbraucherdarlehensvertrag ein Widerrufsrecht nach § 355 zu.

Ein Widerrufsrecht besteht nicht bei Darlehensverträgen,

1. die einen Darlehensvertrag, zu dessen Kündigung der Darlehensgeber wegen Zahlungsverzugs des Darlehensnehmers berechtigt ist, durch Rückzahlungsvereinbarungen ergänzen oder ersetzen, wenn dadurch ein gerichtliches Verfahren vermieden wird und wenn der Gesamtbetrag (Artikel 247 § 3 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch) geringer ist als die Restschuld des ursprünglichen Vertrags,

2. die notariell zu beurkunden sind, wenn der Notar bestätigt, dass die Rechte des Darlehensnehmers aus den §§ 491a und 492 gewahrt sind,

3. die § 504 Abs. 2 oder § 505 entsprechen.

Bei Immobiliar-Verbraucherdarlehensverträgen ist dem Darlehensnehmer in den Fällen des Absatzes 2 vor Vertragsschluss eine Bedenkzeit von zumindest sieben Tagen einzuräumen. Während des Laufs der Frist ist der Darlehensgeber an sein Angebot gebunden. Die Bedenkzeit beginnt mit der Aushändigung des Vertragsangebots an den Darlehensnehmer.

Gründe für den Widerruf des Darlehensvertrags

Wenn Sie einen Darlehensvertrag widerrufen möchten, sind Ihre Gründe hierfür unerheblich. Sie haben das Recht dazu, solange Sie die vorgegebene Frist einhalten. Das Widerrufsrecht sollte dann genutzt werden, wenn Sie einen Darlehensvertrag voreilig abgeschlossen haben und Ihnen die Auswirkungen des Vertrages zum Zeitpunkt des Abschlusses nicht voll bewusst waren. Die Lebenssituationen von Verbrauchern können sich schlagartig ändern, wodurch es ebenfalls Sinn machen kann, einen Vertrag zu widerrufen. Dazu kommen wirtschaftliche Vorteile, die sich durch neue Angebote ergeben.

Innerhalb der Widerrufsfrist von zwei Wochen können Sie sich ohne Angabe von Gründen aus dem Darlehensvertrag befreien. Fehler im Darlehensvertrag können dazu führen, dass die Widerrufsfrist ungültig ist.

Obwohl die Widerrufsfrist für einen Darlehensvertrag lediglich zwei Wochen beträgt, besteht die Möglichkeit, dass das Widerrufsrecht noch Jahre nach Abschluss des Vertrages geltend gemacht werden kann. Das ist dann der Fall, wenn der Vertrag nicht vollständig oder die Widerrufsbelehrung fehlerhaft ist. Verbraucher können dadurch eine Umschuldung erlangen und Zinsen sparen. Die Vorfälligkeitsentschädigung bei Kündigung des Kredites kann umgangen werden und die Bank ist dazu verpflichtet, einen Nutzungsersatz für die Verwendung des Geldes auszuzahlen, das Verbraucher bereits überwiesen haben.

klugo tipp

Wenn Sie Ihren Darlehensvertrag widerrufen wollen, die Frist jedoch abgelaufen ist, lassen Sie den Vertrag von einem Anwalt prüfen. Sollte er fehlerhaft sein, kann ein Anwalt Sie über weitere Schritte zur Durchsetzung des Widerrufs informieren.

So machen Sie vom Widerrufsrecht Gebrauch

Sollten im Darlehensvertrag alle wichtigen Angaben enthalten und die Widerrufsbelehrung korrekt sein, müssen Sie Ihren Widerruf innerhalb von 14 Tagen einreichen. Dieser ist an keine bestimmte Form gebunden, sollte jedoch im Optimalfall als Einschreiben per Post beim Vertragspartner eingereicht werden – so kann dokumentiert und belegt werden, dass der Partner den Widerruf innerhalb der gesetzlichen Frist erhalten hat. Für den Inhalt des Schreibens können Sie ein Muster verwenden. Wichtig ist, dass die Namen und Adressen der Vertragspartner sowie der Darlehensvertrag korrekt benannt sind. Wichtig ist auch das Datum und Ihre Unterschrift.

Der Anwalt prüft, ob Formfehler dazu führen, dass eine Widerrufsfrist noch nicht abgelaufen ist. Dabei kommt es oft auf Kleinigkeiten an!
Martin Warlies
Rechtsanwalt

Ist der Widerruf genehmigt, müssen Sie die eventuell erhaltenen Kredite zurückzahlen. Dazu können Entschädigungen kommen, falls Sie das Geld bereits verwendet haben. Es kann passieren, dass der Kreditgeber Ihren Widerruf nicht akzeptieren möchte. In so einem Fall sollten Sie einen Rechtsanwalt hinzuziehen.

Abschließend zeigt Ihnen unsere Checkliste, was es bei der Durchsetzung des Widerrufsrechts zu beachten gilt:

  • Halten Sie sich an die Widerrufsfrist.
  • Achten Sie bei Ihrem Widerruf auf Vollständigkeit (Vertragspartner, Unterschrift, etc.).
  • Reichen Sie Ihren Widerruf schriftlich per Einschreiben ein.
  • Bedenken Sie, dass Sie Ihr Darlehen zurückzahlen müssen.
  • Ziehen Sie gegebenenfalls einen Anwalt hinzu.

Bei Fragen oder Unsicherheiten zum Thema Widerruf beim Darlehen, nutzen Sie die kostenlose Erstberatung durch unsere KLUGO-Rechtsanwälte!

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