Fitnessstudiovertrag vorzeitig kündigen | KLUGO
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Fitnessstudiovertrag – Wann ist eine Kündigung möglich?

Allzu oft ist er das Ergebnis eines Neujahrsvorsatzes: der Fitnessstudiovertrag. 24 Monate Laufzeit, kein Problem. Ab sofort wird auf jeden Fall zweimal die Woche trainiert, so der Plan. Das einzige, was dann regelmäßig stattfindet, ist die monatliche Kontoabbuchung des Beitrags, während die Begeisterung für das regelmäßige Training sich schon im Frühjahr verflüchtigt hat. Was tun?

Nichtnutzung kein Grund für vorzeitige Kündigung

Zunächst einmal die schlechte Nachricht: in dem Fall hilft wohl nur, den inneren Schweinehund bei den Hörnern zu packen und tatsächlich endlich trainieren zu gehen. Denn die Nichtnutzung des Angebots berechtigt noch nicht zu einer außerordentlichen Kündigung. Selbstverständlich können Sie den Vertrag ordentlich innerhalb der vereinbarten Kündigungsfrist zum Ende der Laufzeit kündigen. https://www.klugo.de/rechtsgebiete/vertragsrecht/kuendigung-und-widerruf-von-vertraegen Dann müssen Sie jedoch auch in den sauren Apfel beißen, dass Sie weiterzahlen, ohne die Leistungen des Studios in Anspruch zu nehmen.

Denn Sie haben einen rechtsgültigen Vertrag abgeschlossen und wenn sich das Fitnessstudio an seinen Teil der Vereinbarung hält und Kurse, Räume und Gerätschaften ordnungsgemäß zur Verfügung stellt, müssen Sie sich an Ihrem Teil der Vereinbarung festhalten lassen und den Beitrag entrichten, ob der Vertrag genutzt wird oder nicht. Anders sieht die Sache aus, wenn vertraglich vereinbarte Leistungen seitens des Fitnessstudios nicht erfüllt werden.

Kündigungsgründe für die fristlose Kündigung des Fitnessvertrages:

  • Fitnessgeräte sind längere Zeit defekt, mit dem Vertrag beworbene Räumlichkeiten nicht nutzbar, das Studio befindet sich nicht in einem ordnungsgemäßen Zustand, wird nicht gereinigt, Duschen, Umkleiden, Trainingsräume sind wegen Bauarbeiten längere Zeit nicht zugänglich o. ä.
  • Angekündigte und beworbene Kurse finden nicht statt; Sie könnten argumentieren, dass Sie sich wegen bestimmter Kursangebote für den Vertrag entschieden haben.
  • Die Öffnungszeiten haben sich geändert, so dass sie mit Ihren Arbeitszeiten nicht mehr vereinbar sind.
  • Das Studio ist insolvent und wegen Schließung nicht nutzbar.

Beachten Sie jedoch, dass Sie Ihrem Fitnessstudio eine Frist zur Behebung dieser Mängel setzen müssen, ehe Sie zur vorzeitigen Kündigung des Vertrags berechtigt sind. Behebt das Studio die Mängel innerhalb der gesetzten Frist, besteht kein Grund mehr für die Sonderkündigung.

Ein vertraglicher Sonderfall besteht im Übrigen, wenn Sie Ihren Vertrag zum Beispiel am 13. Januar unterschreiben, die Laufzeit offiziell zum 1. Februar beginnt und zwei Jahre beträgt, jedoch schon ein Teilbetrag im Januar zu entrichten ist und sie auch dann schon zu trainieren beginnen. Damit ist die Vertragslaufzeit eigentlich länger als vertraglich vereinbart. Dies verstößt gegen § 309 Nr. 9 a BGB, so dass die Klausel, die eine Kündigung vor Ablauf der 24-Monatsfrist verbietet, insgesamt unwirksam ist und Ihnen ein Sonderkündigungsrecht an die Hand gibt. Diese bestätigte auch das Amtsgericht Gießen in einem Urteil vom 10.03.2010 (Az.: 45 C 607/09).

Wenn Sie unsicher sind, ob einer dieser Aspekte auf Ihren Fitnessstudiovertrag zutrifft, der eine außerordentliche Vertragskündigung rechtfertigt, nehmen Sie gerne Kontakt im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung mit uns auf. Wir prüfen Ihren Vertrag und geben Ihnen Auskunft über Ihre Kündigungsmöglichkeiten.

Sonderkündigung bei Umzug möglich?

Sie leben eigentlich in Stuttgart und haben ihren Traumjob in Paris bekommen, weshalb Sie mit der kompletten Familie nach Frankreich übersiedeln? Herzlichen Glückwunsch! Leider ist Ihr Umzug aber kein Grund zur Sonderkündigung Ihres Fitnessvertrages, wie vor einigen Jahren das BGH im Falle eines Zeitsoldaten aus Hannover entschied, der erst nach Köln und dann Kiel und Rostock versetzt wurde (Az. XII ZR 62/15). Verbraucherfreundliche Fitnessstudios haben u. U. eine Umzugsklausel in ihrem Vertrag, die eine Kündigung gegen Nachweis ermöglicht. Dies sollten Sie im Zweifel schon bei Vertragsabschluss im Auge behalten.

Vorzeitige Kündigung bei Krankheit oder Schwangerschaft

Eine länger andauernde Erkrankung hingegen stellt einen wichtigen Grund zur vorzeitigen Kündigung dar, entschied ebenfalls das BGH in einem Grundsatzurteil vom 08.02.2012 (Az. XII ZR 42/10).

Das Fitnessstudio ist im Zweifel aber berechtigt, gerichtlich prüfen zu lassen, ob die Krankheit so schwerwiegend und dauerhaft ist, dass sie die Restlaufzeit des Vertrages überschreitet. Denn sonst käme möglicherweise ja auch eine Vertragsaussetzung in Frage. Hierbei sollte nicht übersehen werden, dass eine Ruhendstellung des Vertrages nicht zu einer zeitlichen Verkürzung der Laufzeit führt.

Bei Schwangerschaft sind sich die Gerichte nicht einig. Auch in diesem Fall spricht zunächst nichts gegen ein Ruhen des Vertrages, jedoch entschied das Amtsgericht München in einem Urteil vom 09.06.2010 zum Aktenzeichen – 251 C 26718/09 – zugunsten einer Schwangeren, die aufgrund einer Häufung auftretender Beschwerden nicht mehr in der Lage war, die Angebote ihres Fitnessstudios zu nutzen. Sie musste sich vom Studio auch nicht auf ein Ruhen des Vertrages verweisen lassen. Das Amtsgericht Hannover sah in der Schwangerschaft an sich und der veränderten Lebenssituation der Mutter nach der Geburt keinen Grund für eine außerordentliche Kündigung (Urteil vom 28.05.2009 – 568 C 15608/08).

Sie haben Probleme mit dem Fitnessstudiovertrag? In unserer kostenlosen Erstberatung bekommen Sie sofort Antworten auf Ihre Fragen.