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Verlust oder Beschädigung von Gepäck – was tun?

Verspätung, Verlust und Beschädigung von Gepäck

Wenn der Jahresurlaub ansteht, wird der Koffer gepackt und dem Personal am Flughafen in vertrauensvolle Hände übergeben. Kommt das Gepäck dann am Zielflughafen nicht an, beginnt das große Bangen und Hoffen – doch was ist, wenn der Koffer nicht mehr auftaucht? Wie hoch ist die Entschädigung, wenn das Fluggepäck verloren geht?

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn Ihr Fluggepäck verloren geht oder beschädigt wird, haben Sie einen Anspruch auf Entschädigung.
  • Das gilt auch für Pauschaltouristen: Auch auf einer Pauschalreise werden Sie für einen verlorenen oder beschädigten Koffer entschädigt.
  • Geht Ihr Gepäck verloren oder liegt Ihr Koffer beschädigt auf dem Band, sollten Sie dies sofort der Airline und dem Reiseveranstalter melden.
  • Die Entschädigung beträgt maximal 1880 Euro; als Reisender können Sie für besonders wertvolles Fluggepäck auch eine Gepäckversicherung abschließen.

Wie gehe ich vor, wenn es Probleme mit dem Fluggepäck gibt?

Eine Reise ohne Koffer wird schnell zur Tortur, schließlich fehlen wichtige Wechselsachen und das richtige Equipment für die Aktivitäten im Urlaub. Damit Sie im ungünstigen Fall eines Gepäckverlusts wissen, was zu tun ist, geben wir Ihnen nachfolgend wichtige Tipps. Mit deren Hilfe können Sie Ihren Urlaub trotz verspäteten Gepäcks und dank Entschädigung in vollen Zügen genießen.

Mein Gepäck kommt verspätet an – was jetzt?

Wenn immer mehr Koffer vom Gepäckband genommen werden, nur der eigene ist nirgends in Sicht ist, ahnt man es bereits: Der Start in den Urlaub wird wohl oder übel erst einmal ohne das restliche Gepäck gelingen müssen. Der erste Gang sollte Sie nun direkt zur Gepäckermittlungsstelle führen. Hier können Sie Ihren Koffer als vermisst melden und eine möglichst detaillierte Beschreibung hinterlassen.

klugo tipp

Um das Verwechslungspotenzial zu minimieren und die Suche zu vereinfachen, bietet es sich an, den Koffer möglichst auffällig zu gestalten. Sticker und Bänder eignen sich hierfür besonders gut. Außerdem sollten Sie Ihre Anschrift am Koffer vermerken – allerdings nicht allzu präsent, denn oft nutzen Gauner diese Information, um leerstehende Wohnungen und Häuser während der Urlaubszeit ausfindig zu machen.

Grundsätzlich gilt, dass ein Gepäckverlust binnen 21 Tagen angezeigt werden muss. Allerdings ist es sinnvoll, die Verlustmeldung direkt vorzunehmen, um später keine Probleme bei einem möglichen Nachweis zu bekommen.

Damit Sie die ersten Tage trotz des verspäteten Koffers das Nötigste parat haben, werden Ihnen in einem Overnight-Kit als Entschädigung Hygieneartikel zur Verfügung gestellt. Manche Airlines verschenken als Entschädigung bei einem verspätet eintreffenden Koffer zudem Restaurantgutscheine. Außerdem ist es möglich, sich mit Wechselsachen auszustatten. Der Einkaufswert sollte hierbei jedoch moderat sein und hängt oft von der gewählten Flugklasse ab. Die Quittungen sind ebenfalls innerhalb von 21 Tagen bei der Fluggesellschaft einzureichen.

§ 651a BGB: Pauschalreisevertrag


Der Paragraf 651a des Bürgerlichen Gesetzbuches (kurz: BGB) bestimmt die allgemeinen Pflichten beim Pauschalreisevertrag. Er verschafft dem Reisenden bei einem Vertragsschluss einen Anspruch auf die Pauschalreise und dem Reiseveranstalter einen Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Die Haftung des Reiseveranstalters ist in den §§ 651i ff. BGB geregelt. In diesen ist geregelt, dass der Reiseveranstalter einer Reise für den Verlust oder das verspätete Eintreffen eines Gepäckstücks haftet, da er seiner Beförderungspflicht nicht nachgekommen ist. 5 bis 30 % vom Tagesreisepreis stehen Ihnen in diesem Fall pro Tag als Entschädigung zu. Bleibt der Koffer den ganzen Urlaub lang verschollen, haben Sie das Recht auf eine Erstattung der Hälfte des kompletten Reisepreises.

Taucht der Koffer nach einigen Tagen wieder auf, weil er beispielsweise nur vertauscht oder in ein falsches Flugzeug geladen wurde, müssen Sie für die Lieferung nach Hause meist nichts bezahlen. Bevorzugt werden hierbei Koffer von Urlaubern behandelt.

Ihre Rechte beim Verlust eines Koffers

Bleibt der verspätete Koffer länger als fünf Tage verschwunden, müssen Sie für die Ermittlung der Entschädigungssumme in einem Formular seinen Inhalt sowie dessen Wert festhalten. Maximal wird ein Schadenswert von 1.880 Euro gezahlt (Art. 22 Abs. 2 des Montrealer Übereinkommens, Stand Juni 2018). Daher ist es ratsam, Wertgegenstände sowie Wechselunterwäsche, Ladegerät und Medikamente im Handgepäck mit sich zu führen. Zudem kann bei der Gepäckangabe gegen eine Zuzahlung eine höhere Unternehmenshaftung beantragt werden. Für besonders teures Hab und Gut, das im Koffer transportiert werden muss, empfiehlt sich eine spezielle Gepäckversicherung.

Gründe für Gepäckverspätung 2017  – Infografik
Gründe für Gepäckverspätung 2017 – Infografik

Die genannten Rechte zur Entschädigung bei verspäteten oder verlorenen Gepäckstücken gelten, wenn Sie in Länder fliegen oder aus Ländern kommen, die Teil des Montrealer Übereinkommens sind, sowie mit einer EU-Fluggesellschaft verreisen.

Um es jedoch erst gar nicht zu einem Gepäckverlust kommen zu lassen, empfehlen wir Ihnen Folgendes:

  • Besonders an großen Flughäfen gehen viele Koffer beim Umsteigen verloren. Dies gilt vor allem für die Flughäfen in Frankfurt, Singapur, New York, Paris und London. Buchen Sie also möglichst Nonstop-Flüge.
  • Um die Position des Koffers nachvollziehen zu können, ist es möglich, spezielle Tracker am Gepäckstück zu befestigen. Dies erleichtert im Notfall die Suche.
  • Außerdem ist es immer beliebter, die Koffer in Folie einzupacken, damit keine Ösen oder Henkel dafür sorgen, dass sich dieser verhakt und versehentlich auf das falsche Förderband gerät.

Was kann ich tun, wenn mein Koffer beschädigt wird?

Am Flughafen herrscht meist Zeitdruck und ein hohes Arbeitsaufkommen, entsprechend grob werden Koffer vom Personal vor Ort behandelt. Kommt es dabei zu einer Beschädigung Ihres Gepäckstücks, sollten Sie den Schaden direkt fotografieren und innerhalb von sieben Tagen schriftlich bei der Airline melden. Anzugeben sind hierbei die Flug- und Gepäcknummer, die Art des Gepäckstücks, der Abflughafen und die aktuelle Adresse. Auch in diesem Fall steht Ihnen ein Schadensersatz zu.

Eine möglichst zügige Schadensmeldung, bestensfalls direkt vor Ort am Schalter, erhöht Ihre Chancen auf Schadensersatz. Hierfür haben Sie sieben Tage Zeit.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Airline unwillig ist, was die Entschädigung für Ihr beschädigtes Gepäck betrifft, könnte sich Unterstützung durch einen Anwalt für Reiserecht lohnen. Dieser kann Ihre Rechte durchsetzen und auch dabei helfen, Fristen zu wahren – nur so gehen Sie sicher, dass Ansprüche rechtzeitig geltend gemacht werden.

Bekomme ich auch als Pauschaltourist eine Entschädigung?

Grundsätzlich gilt auch bei Pauschalreisen, dass verlorenes oder beschädigtes Gepäck ersetzt wird. Pauschaltouristen sind daher nicht schlechter gestellt als andere Reisende.

Allerdings sollten Sie als Teilnehmer einer Pauschalreise den Schaden oder den Verlust auch dem Reiseveranstalter melden. Dieser ist nämlich Ihr direkter Ansprechpartner bei allen Fehlern rund um die Reise – das ergibt sich aus den §§ 651a ff. BGB.

klugo tipp

Kommt das Gepäck bei einer Pauschalreise nicht am Urlaubsort an oder ist es beschädigt, ist das nach dem Willen des Gesetzgebers ein Reisemangel, der eine Minderung des Reisepreises nach § 651m BGB begründet.

Neben der Minderung aufgrund eines Reisemangels kommt Pauschaltouristen auch eine Entschädigung zu. Diese beinhaltet die Anschaffung von Ersatz und natürlich auch den Wert des Koffers bzw. des Gepäckstücks selber.

Wird die Reise erheblich beeinträchtigt, weil das Gepäck nicht ankommt, können Pauschaltouristen auch eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit nach § 651n Abs. 2 BGB geltend machen.

Wie kann mir ein Anwalt helfen, wenn mein Gepäck verloren oder beschädigt ist?

Grundsätzlich brauchen Sie keinen Anwalt einzuschalten, wenn Sie Ihre Rechte bei Gepäckverlust oder Gepäckbeschädigung geltend machen wollen. Der Gesetzgeber sieht sowohl in dem Fall, dass das Fluggepäck verloren wurde, eine Entschädigung vor, als auch für den Fall, dass der Koffer gar nicht mitgekommen ist – auch hier gibt es eine entsprechende Entschädigung.

Allerdings zeigen sich in der Praxis oft Schwierigkeiten bei der Durchsetzung der Entschädigungsforderung. Fluggäste werden gerne vertröstet oder mit Vergünstigungen in Form von Gutscheinen und Vouchern geködert, damit sie auf die Entschädigung verzichten. In so einem Fall kann ein Anwalt von Vorteil sein: Er kann für Sie Ansprüche formulieren und bei Verhandlungen mit der Airline Ihre Rechte einfordern.

Viele Reisende schließen vor dem Flug eine Gepäckversicherung ab. Diese ist vor allem dann sinnvoll, wenn besonders teure Kofferinhalte versichert werden sollen.

klugo tipp

Die Fluggesellschaft haftet grundsätzlich auch ohne Versicherung: Überlegen Sie daher, ob eine Gepäckversicherung tatsächlich notwendig ist – oder ob Sie sich die Versicherungsbeiträge sparen können.

Abschließend fassen wir noch einmal die wichtigsten Informationen beim Verlust oder bei der Beschädigung Ihres Fluggepäcks für Sie zusammen:

  • Geraten Sie nicht in Panik, wenn Ihr Koffer beschädigt auf dem Band liegt oder möglicherweise gar nicht ankommt.
  • Melden Sie unverzüglich den Verlust oder die Beschädigung bei der Airline. Für den Fall einer Pauschalreise ist der Veranstalter Ihr erster Ansprechpartner.
  • Decken Sie sich mit dem notwendigen Ersatz ein und bewahren Sie alle Quittungen auf.
  • Reichen Sie die Quittungen und Kaufbelege innerhalb von 21 Tagen bei der Airline oder beim Reiseveranstalter ein.
  • Taucht der Koffer final nicht mehr auf, können Sie per Formular bei der Fluggesellschaft Inhalt und Wert des Koffers beschreiben und die entsprechende Entschädigung einfordern.

Um einen besseren Überblick über Ansprüche als Reisender zu bekommen, macht eine anwaltliche Beratung Sinn. Wir unterstützen Sie gerne im Rahmen unserer Erstberatung!

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