Trennungsjahr

Erst wenn das Trennungsjahr abgelaufen ist, sieht das Familiengericht die Ehe als gescheitert an. Die Basis für eine Scheidung ist damit geschaffen.

Bedeutung und Auswirkung des Trennungsjahres

Ein Trennungsjahr ist vom Gesetzgeber dazu gedacht, den Ehepartnern die Möglichkeit zu geben, sich über ihre Gefühle und Absichten klar zu werden. Rein rechtlich fungiert das Trennungsjahr bei einer Scheidung zudem als unbedingte Voraussetzung für die endgültige Loslösung vom Ehegatten.

§ 1566 BGB Vermutung für das Scheitern


Im Bürgerlichen Gesetzbuch wird das Trennungsjahr als Voraussetzung genannt, damit eine Ehe als gescheitert betrachtet werden kann:

In Absatz (1) steht, dass unmittelbar vermutet wird, dass die Ehe gescheitert ist, wenn die Ehegatten seit einem Jahr getrennt leben. Außerdem muss die Scheidung beantragt worden sein, entweder von beiden Ehegatten oder der Antragsgegner hat der Scheidung zugestimmt.

Wann beginnt das Trennungsjahr?

Das Trennungsjahr beginnt, wenn

  • keine häusliche Gemeinschaft mehr besteht,
  • die Schlafräume getrennt sind oder
  • nicht mehr gemeinsam gewirtschaftet wird.

Sobald die Ehe von einem Partner als gescheitert angesehen wird, darf er einen Scheidungsantrag einreichen – allerdings erst nach dem Trennungsjahr bei Scheidung. Die Frist hierfür beginnt mit dem offiziellen Tag der Trennung. Auf die Dauer der Ehe kommt es hierbei nicht an. Selbst bei Übereinkunft in Bezug auf die Auflösung der Ehe müssen Sie die kompletten zwölf Monate abwarten.

Trennungsjahr bei Scheidung: Auswirkungen

Für den Beginn der Frist ist der Zeitpunkt der tatsächlichen Trennung entscheidend. Er äußert sich darin, dass zwischen den Partnern keine (dauerhafte) häusliche Gemeinschaft mehr besteht. Eine vorübergehende Übernachtung im Hotel oder gar bei einem neuen Partner wird in diesem Kontext nicht akzeptiert.

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Verschaffen Sie sich im Falle einer Trennung so schnell wie möglich Klarheit über Ihre Einnahmen und Ihr Vermögen. Suchen Sie dann eine professionelle Beratung auf, um wirtschaftlich negative Konsequenzen durch die Trennung zu vermeiden.

Auf die räumliche Trennung sollten Sie vor allem dann Wert legen, wenn Sie Komplikationen während der Scheidung möglichst vermeiden wollen: Die Dauer des Trennungsjahres kann vom anderen Partner nämlich bis zu drei Jahre verlängert werden. Hierfür genügt es, zu behaupten, dass keine räumliche Trennung vorliegt. Bei Loslösung gegen den Willen des Partners haben Sie den entsprechenden Zeitpunkt zu belegen, was in der Regel durch den Nachweis eines eigenen Hausstandes erfolgt.

Die Auswirkungen der Trennung sind mannigfaltig. Unter Umständen kann ein Ehegattenunterhalt in Betracht kommen. Das bedeutet, dass der wirtschaftlich schlechter gestellte Ehegatte Anspruch auf eine monatliche Unterhaltszahlung hat.
Valeska Maas
Fachanwältin für Familienrecht

Gemeinsame Wohnung während des Trennungsjahres

Das Gesetz erlaubt das gemeinsame Wohnen innerhalb der ehelichen Wohnung.

Um das Trennungsjahr einzuhalten, müssen Sie auf einige Dinge achten:

  • Getrennte Schlafmöglichkeiten
  • Getrennter Haushalt
  • Getrennte finanzielle Bestreitung des täglichen Lebens
  • Ausnahme in Notfällen
  • Beiderseitige Nutzung von Gemeinschaftsräumen ist gestattet
  • Gemeinsame Aktivitäten zum Wohle der Kinder sind ebenfalls erlaubt
Tipps nach der Trennung – Infografik
Tipps nach der Trennung – Infografik

Voraussetzung für den Scheidungsantrag bei Gericht

Das Trennungsjahr ist Voraussetzung, um einen entsprechenden Antrag zur Scheidung bei Gericht einzureichen. Beachten Sie unbedingt, dass Gesuche zum Teil auch schon kostenverursachend abgewiesen worden sind, sobald die Frist vom Antragssteller unterlaufen wurde. Das Gericht ist von Gesetzes wegen ohnehin erst nach Ablauf des Trennungsjahres dazu berechtigt, über den Antrag zu entscheiden.

Versöhnung im Trennungsjahr bei Scheidung

Der Gesetzgeber verfolgt mit der gesetzlich vorgeschriebenen, einjährigen Überbrückung des Gesetzes das Ziel, den Ehepartnern die Chance auf eine Versöhnung einzuräumen. Während des Getrenntlebens können Sie versuchen, wieder zusammenzukommen – ohne dass Sie damit die laufende Frist unterbrechen. Lediglich der Zeitraum hierfür ist beschränkt: Nach einem Zusammenleben von drei Monaten ist davon auszugehen, dass kein Trennungswunsch mehr besteht.

Das Trennungsjahr dient der Chance auf Versöhnung. Ziehen Sie innerhalb des Trennungsjahres für eine Zeit unter drei Monaten zusammen, um eine Versöhnung zu erzielen, wird die Frist davon nicht beeinträchtigt.

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Scheidung und Trennungsjahr helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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