Versteuerung & Fünftelregelung bei Abfindung

Steuern sind immer ein komplexes Thema. Gerade, wenn es um Sondereinkünfte wie Erbschaften oder Abfindungen geht, wird es schnell unübersichtlich. Dieser Artikel soll Ihnen einen Überblick zum Thema Steuern bei Abfindungszahlungen geben.

Muss die Abfindung in jedem Fall versteuert werden?

Egal, ob Sie im Rahmen eines Kündigungsschutzprozesses einen Vergleich abschließen, der vorsieht, dass Sie für den Verlust Ihres Arbeitsplatzes eine Abfindung erhalten oder ob Sie in Form eines Aufhebungsvertrags die Auflösung Ihres Arbeitsverhältnisses gegen Zahlung einer Abfindung vereinbaren – Sie müssen die Abfindung versteuern.

Steuerfreibeträge für Abfindung – Infografik
Steuerfreibeträge für Abfindung – Infografik

Wie ist eine Abfindung zu versteuern?

Eine Abfindung gehört zu den Lohnzahlungen und ist als solche zu versteuern. Sollten Sie etwas Gegenteiliges hören, entspricht dies nicht der aktuellen Gesetzeslage: Bereits am 01. Januar 2006 wurde die Steuerbefreiung für kleinere Abfindungen abgeschafft.

Die Berechnung und Abführung der Steuer an das zuständige Finanzamt erfolgt, genau wie bei der „normalen“ Lohnsteuer, durch den Arbeitgeber. Da eine Abfindung das Einkommen des Jahres erhöht, in welchem Sie gezahlt wird, kann es hier zu einem Sprung im Steuertarif kommen. Dieser kann sich für den Arbeitnehmer in Form eines höheren Steuersatzes nachteilig auswirken.

Eine Abfindung gehört zu den Lohnzahlungen und muss als solche versteuert werden. Die Berechnung und Abführung der Steuer erfolgt durch den Arbeitgeber.

Kann die steuerliche Benachteiligung umgangen werden?

klugo tipp

Eine Möglichkeit, den Steuersatz bei einer Abfindung niedrig zu halten, ist, diese zu splitten und über 2 Jahre zu verteilen. Beachten Sie hierbei allerdings, dass diese Regelung unbedingt vor Fälligkeit der Zahlung mit dem Arbeitgeber besprochen werden muss.

Sie können zum Beispiel mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass dieser die Abfindung ganz oder teilweise erst im Folgejahr zahlt oder die Auszahlung sogar über mehrere Jahre streckt. Letzteres macht in der Regel bei einem höheren Einkommen Sinn.

Wenn Sie im Folgejahr keine oder erst zu einem späteren Zeitpunkt eine neue Beschäftigung finden, ist Ihr Jahreseinkommen entsprechend niedriger und die Abfindungszahlung würde folglich nicht zu einem so hohen Steuertarif führen, wie es im Vorjahr der Fall gewesen wäre.

Dieses Vorgehen ist jedoch stark vom konkreten Einzelfall abhängig und hängt auch davon ab, welche Einkünfte sonst erzielt werden und welche Steuerbelastung insgesamt besteht. Daher ist eine generelle Empfehlung, die Abfindungszahlung ins Folgejahr zu schieben bzw. generell eine Abfindungszahlung in Raten vorzunehmen, nicht sinnvoll und muss individuell geprüft werden.

Sonderfälle in Bezug auf die Fünftelregelung

Keine Regel ohne Ausnahme: Auch bei der Fünftelregelung gibt es zahlreiche Konstellationen, die einer genaueren Betrachtung bedürfen. Grundsätzlich sollten Sie bei verschiedenen Möglichkeiten zur Besteuerung der Abfindung immer alle Varianten durchrechnen, um die für Sie steuerlich günstigste Option herauszufinden.

Sonderfall: Keine Einkünfte

Wer im Jahr der Abfindungszahlung keine Einkünfte hat, muss diesen Umstand bei der Anwendung der Fünftelregelung ebenfalls berücksichtigen.

Beispiel: Max ist Single und kinderlos. Er hat kein Jahreseinkommen erzielt. Nach einer betriebsbedingten Kündigung bekommt er als Einmalzahlung 100.000 Euro Abfindung.

Anwendung der Fünftelregelung Rechenbeispiel
1. Man addiert das Jahreseinkommen und 1/5 der Abfindung.
Aus dem Ergebnis errechnet man die Steuer.
  • Jahreseinkommen: 0 €
  • 1/5 der Abfindung: 20.000 €
  • Summe: 20.000 €
  • Steuern: 2.885,40 €
2. Jetzt wird die Steuer des Jahreseinkommens berechnet – ohne Abfindung.
  • Jahreseinkommen: 0 €
  • Steuern: 0 €
3. Aus beiden Steuerbeträgen wird die Differenz berechnet.
  • Steuern des Jahreseinkommen inklusive 1/5 Abfindung: 2.885,40 €
  • Steuern des Jahreseinkommen ohne Abfindung: 0 €
  • Differenz: 2.885,40 €
4. Der Steuerbetrag wird mal fünf gerechnet.
  • 2.885,40 x 5 = 14.427,00 €

Wie lässt sich die Steuerlast mit der Fünftelregelung mildern?

Da eine Abfindung nicht fortlaufend gezahlt wird, fällt sie in der Einkommenssteuererklärung unter die sogenannten außerordentlichen Einkünfte.

§ 34 Versteuerung der Abfindung


Absatz 1 von § 34 des Einkommenssteuergesetzes beschreibt die Regelung, dass außerordentliche Einkünfte, die im zu versteuernden Einkommen enthalten sind, gesondert zu berechnen sind. Dazu gehören Vergütungen für mehrjährige Tätigkeiten oder Entschädigungen. Diese gesonderte Berechnung wird dann in der sogenannten Fünftelregelung ausgeführt.

Unter außerordentlichen Einkünften versteht man zum Beispiel:

  • Veräußerungsgewinne
  • Entschädigungen als Ersatz für entgangene und für entgehende Einnahmen
  • Bestimmte Nutzungsvergütungen und Zinsen
  • Vergütungen für mehrjährige Tätigkeiten

Allen außerordentlichen Einkünften ist gemein, dass der Gesetzgeber hierzu die Möglichkeit einräumt, im Rahmen der Fünftelregelung die Steuerlast zu mindern.

Für außerordentliche Einkünfte kann also die Anwendung der Fünftelregelung sinnvoll sein. Das gilt übrigens auch dann, wenn das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde: Die Fünftelregelung nach § 34 Abs. 1 EStG findet somit immer Anwendung, sobald es zur Zahlung einer Abfindung kommt.

Urteil vom 13.3.2018, IX R 16/17


Zahlt der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer im Zuge der (einvernehmlichen) Auflösung des Arbeitsverhältnisses eine Abfindung, sind tatsächliche Feststellungen zu der Frage, ob der Arbeitnehmer dabei unter tatsächlichem Druck stand, regelmäßig entbehrlich.

So sparen Sie mit der Fünftelregelung Steuern

Die Berechnung der Steuererleichterung über die Fünftelregelung ist keine einfache Aufgabe. Über das nachfolgende Beispiel möchten wir dennoch versuchen, Ihnen die Berechnung gem. § 34 Abs. 1 EStG so verständlich wie möglich zu erläutern.

Beispiel: Max ist Single und kinderlos. Er hat ein Jahreseinkommen von 26.000 Euro. Nach einer betriebsbedingten Kündigung bekommt er als Einmalzahlung 10.000 Euro Abfindung.

Ohne die Fünftelregelung muss Max die Abfindung zu seinen Jahreseinnahmen dazu rechnen. Auf diesen Gesamtbetrag werden dann Steuern fällig:

  • Jahreseinkommen: 26.000 €
  • Abfindung: 10.000 €
  • Summe: 36.000 €
  • Steuern: 7.374 €
  • Max muss 7.374 € Steuern zahlen

Max hat gehört, dass er seine Abfindung auch mit der Fünftelregelung versteuern kann. So zahlt er weniger Steuern und spart Geld. Wir erklären, wie Max in fünf Schritten zum Ergebnis kommt:

Anwendung der Fünftelregelung Rechenbeispiel
1. Man addiert das Jahreseinkommen und 1/5 der Abfindung.
Aus dem Ergebnis errechnet man die Steuer.
  • Jahreseinkommen: 26.000 €
  • 1/5 der Abfindung: 2.000 €
  • Summe: 28.000 €
  • Steuern: 4.803 €
  • Max muss 4.803 € Steuern zahlen
2. Jetzt wird die Steuer des Jahreseinkommens berechnet - ohne Abfindung.
  • Jahreseinkommen: 26.000 €
  • Steuern: 4.206 €
3. Aus beiden Steuerbeträgen wird die Differenz berechnet.
  • Steuern des Jahreseinkommen inklusive 1/5 Abfindung: 4.803 €
  • Steuern des Jahreseinkommen ohne Abfindung: 4.206 €
  • Differenz: 597 €
4. Der Steuerbetrag wird mal fünf gerechnet.
Danach weiß Max, wie viel Steuern er auf die gesamte Abfindung zahlen muss.
  • 597 x 5 = 2.985 €
5. Zum Schluss rechnet man die Steuer des Jahreseinkommen ohne Abfindung und die Steuer der gesamten Abfindung zusammen:
  • Steuern des Jahreseinkommens: 4.206 €
  • Steuern der Abfindung: 2.985 €
  • Summe (Steuern mit Versteuerung nach Fünftelregelung): 7.191 €
  • Max muss 7.191 € Steuern zahlen.

Fazit:

  • Steuern ohne Fünftelregelung: 7.374 €
  • Steuern mit Fünftelregelung: 7.191 €
  • Ersparnis: 183 €

Durch die Fünftelregelung spart Max in unserem Beispiel 183 Euro.

Die Fünftelregelung: Berechnung Schritt für Schritt

Nachfolgend haben wir noch einmal alle wichtigen Schritte zur korrekten Anwendung der Fünftelregelung für Sie zusammengefasst:

  • Teilen Sie Ihre Abfindung durch fünf.
  • Addieren Sie das Ergebnis zu Ihrem Jahreseinkommen.
  • Berechnen Sie für diesen Betrag die Steuerlast.
  • Berechnen Sie die Steuerlast Ihres Jahreseinkommens ohne Abfindung.
  • Ziehen Sie das Ergebnis aus Schritt 2 von Ergebnis aus Schritt 1 ab.
  • Multiplizieren Sie das Ergebnis aus Schritt 3 mit fünf.
  • Im Ergebnis erhalten Sie die Steuerbelastung für Ihre Abfindung.
  • Addieren Sie die Steuerbelastung für Ihr Jahreseinkommen mit der Steuerbelastung.
  • Im Ergebnis erhalten Sie Ihre Steuerbelastung im Jahr der Abfindung.
  • Addieren Sie Abfindung und Jahreseinkommen.
  • Berechnen Sie für diesen Betrag die Steuerlast.
klugo tipp

Unser Abfindungsrechner soll Ihnen eine Hilfe sein, die Höhe Ihrer Abfindung besser einschätzen zu können.

Wenn Sie Mitglied einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft sind, fällt bei einer Abfindung gewöhnlich auch die Kirchensteuer an. Bei außerordentlichen Einkünften besteht jedoch die Möglichkeit einen Teilerlass zu beantragen: Richten Sie hierfür nach Ablauf des Jahres, in dem Sie die Abfindung erhalten haben, einen Antrag mit einer Kopie Ihres rechtskräftigen Einkommenssteuerbescheides an die Landeskirche oder Ihr (Erz)Bistum.

Zur Vereinfachung finden Sie hier unsere Musterbriefe als Download:

Abschließend fassen wir noch einmal die Möglichkeiten zum Thema Abfindung versteuern und Fünftelregelung zusammen:

  • Zunächst ist eine Abfindung regulär als Einkommen zu versteuern.
  • Eine Möglichkeit der Steuererleichterung ist es, die Zahlung der Abfindung zu splitten und über zwei Jahre zu verteilen.
  • Weiterhin gilt für die Abfindung die gesonderte Besteuerung der Fünftelregelung, durch die Sie sparen können.
  • Es gibt außerdem die Möglichkeit, sich die Kirchensteuer für die Abfindung teilweise bei dem jeweiligen Bistum erstatten zu lassen.

Hilfreich bei der Steuererklärung kann das Elster-Programm sein, welches bundesweit durch die Finanzverwaltung zur Verfügung gestellt wird. Zudem können Sie auch online unproblematisch Ihre Steuererklärung erstellen.

Bei rechtlichen Fragen zum Thema Abfindung helfen wir Ihnen gerne im Rahmen einer kostenlosen Erstberatung weiter. Unsere kompetenten Fachanwälte stehen Ihnen dabei mit juristischem Rat zur Seite und unterstützen Sie bei allen Anliegen.

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